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Mangelnde Transparenz: EU verhängt Millionenstrafe gegen X
Ungeachtet von Warnungen aus dem Weißen Haus hat die EU-Kommission gegen die Onlineplattform X eine Geldbuße von 120 Millionen Euro verhängt. Die Brüsseler Behörde begründete dies am Freitag mit mangelnder Transparenz bei Werbung und Nutzerkonten auf der Plattform von Tech-Milliardär Elon Musk. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump warf der EU "Zensur" vor.
Erstmals verhängt die EU-Kommission damit eine Strafe gegen ein großes US-Technologieunternehmen im Rahmen des EU-Gesetzes für digitale Dienste (DSA). "Wir sind hier, um sicherzustellen, dass unsere digitale Gesetzgebung durchgesetzt wird", betonte EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen.
US-Außenminister Marco Rubio nannte das Brüsseler Vorgehen auf X einen "Angriff" auf alle US-Technologieplattformen sowie auf "das amerikanische Volk". Die Tage der "Zensur von Amerikanern im Internet" seien gezählt.
Die Kommission hatte die Untersuchung gegen X im Dezember 2023 gestartet. Unter anderem wirft Brüssel der Plattform vor, mit einem weiß-blauen Haken für bezahlte Nutzerkonten vorzutäuschen, dass diese authentisch und überprüft seien.
Auch wer hinter Werbung stecke, sei nicht immer erkennbar, kritisierte die EU-Kommission. Die Untersuchung habe zudem ergeben, dass X Forschern keinen Zugang zu öffentlichen Daten gemäß den Vorschriften des DSA gewährte.
Gegen Musks Onlinedienst laufen weitere EU-Ermittlungen. Dabei geht es unter anderem darum, wie X gegen die Verbreitung illegaler Inhalte und die Manipulation von Informationen vorgeht.
Die Trump-Regierung hatte die EU-Digitalgesetze wiederholt kritisiert. Trump droht damit, neue Importzölle gegen Länder zu erheben, deren Gesetze nach seiner Sicht darauf abzielen, US-Unternehmen zu "schaden". Die EU hat trotz dieser Drohungen stets erklärt, ihre Regeln durchsetzen zu wollen. Kanada hatte eine Digitalsteuer auf Druck Trumps dagegen ausgesetzt.
US-Vizepräsident JD Vance hatte der EU bereits vor Bekanntgabe der Entscheidung "Zensur" vorgeworfen. Die EU greife "amerikanische Unternehmen wegen Blödsinns" an, schrieb er auf X.
Virkkunen wies die Vorwürfe zurück. Die Strafe gegen X habe "nichts" mit Zensur zu tun. Es handele sich um eine "verhältnismäßige" Geldstrafe, argumentierte sie. Die EU habe die Schwere der Verstöße "in Bezug auf die Auswirkungen auf die Nutzer und deren Dauer" berücksichtigt.
Die Vorschriften gälten "für alle, egal wo man herkommt", sagte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger in Brüssel zu Journalisten. Die Regeln basierten "auf europäischen Werten, und die gilt es natürlich auch anzuwenden und zu verteidigen." Zugleich ließ Wildberger durchblicken, dass er die Geldstrafe für X für sehr hoch hält.
Auch mahnte der Digitalminister, dass die EU nicht nur auf Regulierung, sondern auch auf den Aufbau europäischer Tech-Unternehmen setzen müsse. Digitale Souveränität bedeute nicht nur Regulierungen, sondern "dass ich technologisch mithalten kann", argumentierte er.
Wildberger hatte in der Vergangenheit etwa für einfachere EU-Regeln für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz plädiert. Privatsphäre und Datenschutz seien Grundrechte, "aber die Realität ist, dass wir eine Regulierung gebaut haben, die so kompliziert ist, dass es viele Innovationen abwürgt".
Das DSA erlaubt der EU-Kommission, ein Bußgeld in Höhe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes zu verhängen. Im Fall von X hätte die Behörde auch die Umsätze von Musks gesamten Unternehmensimperium miteinbeziehen können, darunter des Autoherstellers Tesla.
"Wir sind nicht hier, um die höchsten Geldstrafen zu verhängen. Wir sind hier, um sicherzustellen, dass unsere digitalen Gesetze durchgesetzt werden", sagte Virkkunen. "Wenn Sie sich an unsere Regeln halten, erhalten Sie keine Geldstrafe, und so einfach ist das."
F.Fehr--VB