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Massenproteste gegen Kushner-Bauprojekt in Albanien reißen nicht ab
In Albaniens Hauptstadt Tirana sind abermals tausende Menschen gegen ein Luxus-Bauprojekt auf die Straße gegangen, an dem die Familie von US-Präsident Donald Trump beteiligt ist. Der Samstag war der zwanzigste Protesttag in Folge und könnte nach Einschätzung von AFP-Journalisten der zahlenmäßig größte gewesen sein, obwohl offizielle Angaben zunächst nicht vorlagen. Die Demonstrationen sind auch zu einem Ventil für die Frustration über die wahrgenommene Korruption in Albanien geworden, inzwischen wird auch der Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama gefordert.
Seit Ende Mai gibt es in Albanien jeden Abend Proteste gegen den Bau eines Luxus-Ferienresorts in einem Naturschutzgebiet an der albanischen Küste. Mittlerweile wurden zahlreiche Strafverfahren gegen Teilnehmer eingeleitet, denen Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit vorgeworfen werden.
In Zvernec rund 150 Kilometer südwestlich von Tirana soll ein Luxus-Urlaubsresort entstehen, das mit Trumps Tochter Ivanka und ihrem Ehemann Jared Kushner in Verbindung steht. Dem Plan zufolge ist auch die Umwandlung der unbewohnten Insel Sazan - einst eine geheime kommunistische Militärbasis - in einen glanzvollen Urlaubsort vorgesehen. Die Lagune Vjosa-Narta an der südlichen Adriaküste ist ein bedeutendes Rastgebiet für Zugvögel und Flamingos.
An dem Protestzug am Samstag nahmen auch viele im Ausland lebende Albaner teil, die extra dafür angereist waren. Viele Teilnehmer schwenkten albanische und US-Flaggen und ließen rote Luftballons aufsteigen. Die Demonstranten wollen den Protest so lange fortsetzen, bis ihre Forderungen - darunter die Streichung des Projekts - erfüllt werden und Rama zurücktritt. Einige projizierten den Slogan "Albanien ist nicht zu verkaufen" an den Sitz des Ministerpräsidenten.
Rama wird mangelnde Transparenz bei den Entwicklungsvorhaben an der Küste vorgeworfen. "Wir sind nicht gegen die Entwicklung des Landes, wir sind gegen die Arroganz und die Undurchsichtigkeit bei den Projekten, die unsere Leben beeinflussen", sagte die Studentin Alma während der Proteste.
Rama wies Rücktrittsforderungen am Samstag bei einem Treffen seiner Partei zurück. Seiner Ansicht nach geht es bei den Protesten weniger um das Projekt selbst, sondern um die Beteiligung von Trump-Schwiegersohn Kushner. "Die Welt erwachte nicht wegen des Schicksals von Narta, sondern wegen des Namens Kushner und dem Schatten von Trump", sagte Rama mit Bezug auf die betroffene Küstenregion.
Die albanische Regierung versucht seit langer Zeit, ihre Wirtschaft durch Tourismus anzukurbeln. Die Familie von US-Präsident Trump hat weltweit vielfach in Luxusprojekte investiert. Kritiker werfen Kushner und seiner Frau vor, die Präsidentschaft Trumps für eigene Geschäfte zu nutzen.
R.Buehler--VB