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Sipri-Bericht: Europäische Rüstungskonzerne profitieren besonders stark von Aufrüstung
Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges haben europäische und insbesondere deutsche Rüstungskonzerne im vergangenen Jahr besonders stark von der internationalen Aufrüstung profitiert. Wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri zu den 100 größten Rüstungsfirmen der Welt hervorgeht, wuchsen die Einnahmen der 26 größten europäischen Unternehmen mit Ausnahme Russlands um durchschnittlich 13 Prozent auf insgesamt 151 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 130 Milliarden Euro) im Vergleich zum Vorjahr.
Überdurchschnittlich stark legten demnach die Umsätze der deutschen Rüstungskonzerne zu. Die vier deutschen Unternehmen in der Sipri-Rangliste - Rheinmetall, Diehl, ThyssenKrupp Marine Systems und Hensoldt - steigerten ihre Einnahmen aus Waffengeschäften um 36 Prozent auf 14,9 Milliarden Dollar (12,9 Milliarden Euro). Als Grund wurde die stärkere Nachfrage nach Luftabwehr-Systemen, Munition und gepanzerten Fahrzeugen wegen der russischen Bedrohung angegeben.
Weltweit wuchsen die Einnahmen der 100 größten Konzerne demnach um durchschnittlich 5,9 Prozent, auf insgesamt 679 Milliarden Dollar (585,57 Milliarden Euro). Sipri-Forscher Jade Guiberteau Ricard verwies auf den entscheidenden Anteil Europas an dem Wachstum. Dies stehe im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und der "Wahrnehmung der Bedrohung durch Russland", sagte er AFP. Neben der Nachfrage nach Waffen durch die Ukraine nannte Sipri auch das Wiederauffüllen von Beständen in den Ländern als Grund, die der Ukraine ihre Waffen liefern, sowie der Ausbau der eigenen Verteidigungskapazitäten in Europa.
Mit Blick auf Europa verwies Sipri-Forscher Ricard auf massive Investitionen europäischer Rüstungskonzerne, um die Produktionskapazitäten auszuweiten. Eine "wachsende Herausforderung" könnte ihm zufolge allerdings die Beschaffung der benötigten Rohstoffe darstellen.
Den größten Rüstungsumsatz in Deutschland erzielte 2024 laut Sipri Rheinmetall mit 8,2 Milliarden Dollar, der Zuwachs im Vergleich zu 2023 betrug 47 Prozent. Rheinmetall liegt laut der Sipri-Liste der größten Rüstungsfirmen weltweit auf Rang 20. Der laut Sipri global umsatzstärkste Konzern, das US-Unternehmen Lockheed Martin, kam im Jahr 2024 auf fast acht Mal so viel, rund 64,65 Milliarden Dollar.
Der Zuwachs beim Rheinmetall-Umsatz geht laut dem Sipri-Bericht insbesondere auf "steigende Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen und Munition im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine" zurück. Noch stärker als bei Rheinmetall wuchs der Rüstungsumsatz demnach bei Diehl: Das Unternehmen verzeichnete mit 2,11 Milliarden Dollar um rund 53 Prozent höhere Einnahmen als im Vorjahr. Sipri führt dies auf Aufträge für bodengestützte Luftverteidigungssysteme und einen Großauftrag für Artilleriemunition zurück.
ThyssenKrupp erzielte demnach 2,29 Milliarden Dollar Umsatz, mit einem Zuwachs von zwölf Prozent. Hensoldt kam auf 2,24 Milliarden Dollar, bei 18 Prozent Steigerung.
Die beiden größten russischen Rüstungskonzerne steigerten laut Sipri-Bericht ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr trotz internationaler Sanktionen deutlich: Im Zuge des Angriffskriegs gegen die Ukraine wuchsen die Gesamteinnahmen des Unternehmens Rostec und der Werftengruppe United Shipbuilding Corporation demnach um 23 Prozent auf insgesamt 31,2 Milliarden Dollar. Als Grund wurde die inländische Nachfrage angegeben.
Das Umsatzwachstum der großen Rüstungskonzerne in den USA verlief indes deutlich langsamer, um lediglich 3,8 Prozent auf insgesamt 334 Milliarden Dollar. Sipri begründete dies mit "weit verbreiteten Verzögerungen und Budgetüberschreitungen". Allerdings machte dies fast die Hälfte aller Einnahmen der 100 größten Rüstungsfirmen weltweit aus.
Für Asien und Ozeanien verzeichnete Sipri sogar einen Rückgang um 1,2 Prozent, den das Institut "fast ausschließlich" auf einen zehnprozentigen Umsatzrückgang der acht größten chinesischen Hersteller zurückführt.
Die drei im Top-100-Ranking vertretenen größten israelischen Rüstungsunternehmen steigerten laut Sipri ihre Umsätze hingegen deutlich. Die internationale Kritik am militärischen Vorgehen im Gazastreifen habe "kaum Auswirkungen auf das Interesse an israelischen Waffen" gehabt.
Sipri wies in seinem Bericht allerdings ausdrücklich darauf hin, dass es in vielen Fällen Angaben lediglich zu den Umsätzen machen könne - nicht zu den Gewinnen.
M.Vogt--VB