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Rezession vermieden: Deutschlands Wirtschaft zu Jahresbeginn leicht gewachsen
Die Zeichen stehen auf Erholung, wenn auch in Mini-Schritten: Deutschlands Wirtschaft ist zu Jahresbeginn leicht gewachsen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Bauinvestitionen und Exporte legten deutlich zu - die privaten Konsumausgaben dagegen gingen zurück. Experten rechnen damit, dass auch am Jahresende ein leichtes Plus stehen wird.
Der kleine Anstieg des BIP im ersten Quartal verhinderte eine Rezession: Im vierten Quartal von Oktober bis Dezember 2023 war die Wirtschaft nämlich um 0,5 Prozent geschrumpft, wie die Statistiker vorherige Angaben nach unten revidierten. Bei zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit einem Rückgang ist eine technische Rezession gegeben.
Zu Beginn dieses Jahres aber ließ das milde Wetter die Bauinvestitionen überraschend stark steigen. Im Februar etwa habe es anders als in üblichen Jahren deutlich weniger witterungsbedingte Bauunterbrechungen gegeben, erklärte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien.
Getragen wurde das kleine Wachstum zudem von einem Anstieg der Exporte, wie die Statistiker mitteilten. Nach bisherigen Angaben des Amtes waren die Ausfuhren vor allem im Januar sehr stark gewachsen.
Der Konsum der Verbraucherinnen und Verbraucher dagegen fiel im Vergleich zum Vorquartal. "Dank steigender Löhne und fallender Inflation" dürfte sich dieser Wert aber ab dem Sommer erholen, erwartet Dullien.
Viele Experten warnten am Dienstag aber vor zu viel Optimismus. "Die Baukonjunktur wird sich im zweiten Quartal voraussichtlich nicht fortsetzen", erklärte Christoph Swonke von der DZ Bank. Wegen weiterhin hoher Zinsen, teurer Baukosten und rückläufiger privater Nachfrage werde die Bauwirtschaft vielmehr die Konjunktur belasten. Damit falle ein wichtiger Wachstumstreiber weg.
Auch Dullien sieht weiter "spürbare Belastungen für die Konjunktur", da Geld- und Finanzpolitik das Wachstum weiterhin bremsten. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe es "bisher versäumt, die Zinsen zu senken", bemängelte er.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) verwies auf hohe Kosten für Energie, Personal und Finanzierung. Dazu kämen die Belastung durch bürokratische Vorgaben und eine im internationalen Vergleich hohe Steuerlast.
Die Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW, Fritzi Köhler-Geib, sieht vor allem in der demografischen Alterung, der Dekabornisierung und dem in vielen Bereichen verschärften Wettbewerbsumfeld "Belastungsfaktoren" für die deutsche Wirtschaft.
Das BIP war im vergangenen Jahr geschrumpft, nach aktuellen Angaben der Statistiker betrug das Minus 0,2 Prozent. Damit war Deutschland Schlusslicht der führenden Industrienationen. Für dieses Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Mini-Wachstum von 0,3 Prozent; der Internationale Währungsfonds hatte Mitte April 0,2 Prozent prognostiziert.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte vergangene Woche betont, dass für höhere Wachstumsraten strukturelle Veränderungen nötig seien. Er nannte die Stärkung von Innovationen und den Abbau unnötiger Bürokratie, aber auch Arbeitsanreize und die für Juni erwartete Zinssenkung der EZB.
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben forderte erneut ein "Aufbruchssignal" von der Regierung für mehr Investitionen. So könnten der Solidarzuschlag komplett abgeschafft und eine Investitionsprämie für Klimaschutzmaßnahmen eingeführt werden.
Für die EU sowie auch die Eurozone veröffentlichte das Statistikamt Eurostat am Dienstag einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent im ersten Quartal. Am deutlichsten legte die Wirtschaft in Litauen und Ungarn mit jeweils 0,8 Prozent und in Spanien und Portugal mit jeweils 0,7 Prozent zu. Einzig in Schweden ging das BIP im ersten Quartal dagegen leicht zurück.
L.Wyss--VB