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Bundesnetzagentur probt Ernstfall einer Gasmangellage in diesem Winter
Die Bundesnetzagentur probt den Ernstfall einer Gasmangellage in diesem Winter. Die Krisenübung zur Gasversorgung in Deutschland begann am Donnerstagmorgen, wie die Bonner Behörde mitteilte. Zwar sei Deutschland für diesen Winter "deutlich besser vorbereitet als im vergangenen Jahr", für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh, sagte Behördenchef Klaus Müller dazu.
Die Übung fand unter Teilnahme des Bundeswirtschaftsministeriums und mehrerer Länder sowie des Marktgebietsverantwortlichen im deutschen Gasmarkt, Trading Hub Europe, statt. Auch Netzbetreiber und Industriekunden sowie Speicherbetreiber und Speichernutzer nahmen teil.
"Die Speicher sind gut gefüllt, die alternativen Quellen, über die wir Gas beziehen können, und die Einsparraten sind stabil", bekräftigte Müller. Es blieben jedoch Restrisiken, etwa sehr kalte Wintertage und der Ausfall russischer Gaslieferungen in die südosteuropäischen Staaten - diese müssten dann über Deutschland mitversorgt werden. Außerdem bestehe das Risiko teilweiser oder vollständiger Ausfälle von Erdgasleitungen.
Die Abläufe im Krisenfall würden daher einem Praxistest unterzogen. "So sind wir auch auf unwahrscheinliche Szenarien gut vorbereitet." So soll auch der Fall geprobt werden, dass die Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler Reduzierungen beim Gasverbrauch anordnen muss. Dabei werde beachtet, dass der "lebenswichtige Bedarf von Haushaltskunden einem besonderen Schutz gegenüber Einsparanordnungen unterliegt".
Die Einsparungen von Gas in Haushalten und der Industrie hätten "einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet und dabei geholfen, einen Teil der weggefallenen russischen Erdgasmengen zu kompensieren", teilte die Behörde mit. Trotzdem rief sie auch für diesen Winter zum Gassparen auf. Gas sei weiterhin deutlich teurer als vor der Krise. "Niemand soll frieren", sagte Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Aber zugleich bleibt es wichtig, dass die Menschen sich genau überlegen, welcher Verbrauch sich einsparen lässt."
Müller verteidigte vor diesem Hintergrund auch den Ausbau der Infrastruktur für Flüssigerdgas (LNG) in Deutschland, die vor allem bei Umweltschützern immer wieder auf scharfe Kritik stößt. "Mit mehr LNG-Kapazitäten beschaffen sich Deutschland und Europa mehr Möglichkeiten zum Gaseinkauf", sagte er den RND-Zeitungen. Im Ernstfall habe Deutschland damit auch "Reserven, die die Versorgung sicherstellen". Die Terminals seien wie eine Versicherung, um die deutsche Gasversorgung zu garantieren und um die Versorgung in Ländern ohne Küste zu gewährleisten.
Die Organisation Greenpeace protestierte am Donnerstag vor Ort gegen das auf Rügen geplante LNG-Terminal und die Verlegung einer Gaspipeline zwischen dem Hafen von Lubmin und Mukran auf Rügen. "Mit überdimensioniertem LNG-Ausbau wie hier an der Ostsee hält Deutschland weitere Jahre an zu hohem Gasverbrauch fest", kritisierte die Umweltschutzorganisation. "Das können wir uns angesichts der Klimakrise nicht mehr leisten."
M.Vogt--VB