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Prognose für Wal vor Wismar "deutlich verschlechtert"
Es gibt nur noch wenig Hoffnung für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal: "Die Prognose sieht insgesamt nicht gut aus", sagte der Meeresforscher Burkard Baschek am Sonntag in Wismar nach einer Begutachtung vor Ort. Nach dem groß angelegten Rettungseinsatz mit Hilfe von Baggern am Timmendorfer Strand ist in Wismar keine weitere Rettungsaktion für den Meeressäuger mehr geplant. Ein Einschläfern des geschwächten Tieres schloss Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) allerdings aus.
Der Buckelwal irrt seit Anfang März durch die Ostsee. Die Retter hofften bisher, dass er über die Nordsee zurück in den Atlantik findet, wo er eigentlich heimisch ist. Nachdem der Wal mehrere Tage auf einer Sandbank bei Timmendorfer Strand gestrandet lag und sich erst nach einer Rettungsaktion dort selbst befreien konnte, wurde er Samstag in der Wismarbucht nahe der Insel Walfisch entdeckt. Er konnte sich mit steigender Flut in der Nacht zum Sonntag zwar selbst freischwimmen, strandete aber kurz darauf erneut.
Wie die Experten gemeinsam mit Backhaus entschieden, soll dem Wal nun Ruhe gegeben werden, damit er Kräfte sammelt und sich womöglich erneut selbst freischwimmt. Nach Angaben von Baschek befindet er sich in einer Wassertiefe, die tief genug ist. "Das Tier wäre in der Lage, selber freizukommen", sagte der Direkor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Deshalb sei auch kein Rettungseinsatz notwendig.
Sein Fitnesszustand habe sich seit Samstag allerdings "deutlich verschlechtert". Anders als noch am Samstag unternehme der Wal inzwischen keine eigenen Versuche mehr, sich freizuschwimmen. Sollte er sich nochmals befreien, sei die Gefahr zudem groß, dass er bald wieder strande, sagte Baschek.
Damit der Wal in Ruhe gelassen wird, erließen die Behörden ein Sperrgebiet in einem Umkreis von 500 Metern um den Wal, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus. Schiffsführer würden darüber per Funk informiert. "Ich wünsche dem Wal wirklich, dass er zur Ruhe kommt und dass er Kraft tankt."
Dem Tier steht dazu allerdings nur noch ein kurzes Zeitfenster offen. In der Wismarer Bucht wird abnehmendes Wasser erwartet, mit sinkendem Wasserpegel schwindet die Chance, dass der Wal sich selbst freischwimmt.
Die Experten diskutierten laut Minister Backhaus, Baschek und der Expertin Stefanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung in Hannover auch die Frage, ob der erkrankte Wal eingeschläfert und so von seinem Leiden befreit werden könnte. Groß sagte dazu allerdings, "es gibt keine verlässliche Methode, die das Tier schnell und schmerzlos erlöst." Backhaus sagte deshalb zum Einschläfern, "das schließen wir aus."
Wie der Umweltminister sagte, beschäftigen sich die Zuständigen in Mecklenburg-Vorpommern bereits mit der Frage, ob und wie der Wal geborgen werden könnte, wenn er verendet ist. Die Worst-Case-Betrachtungen hätten "längst" stattgefunden, sagte Backhaus, ohne aber Details nennen zu wollen. "Wir hoffen immer noch, dass wir in die Situation nicht kommen."
Dass sich der Buckelwal überhaupt in die Ostsee verirrt hat, erklärte der Minister damit, dass er vermutlich auf der Beutejagd nach Fischen auf die falsche Route geraten sei. Expertin Groß wies Spekulationen zurück, der sichtbar kranke Wal könnte bewusst zum Sterben in die Ufernähe geschwommen sei. "Es gibt wissenschaftlich keine Hinweise darauf, dass Buckelwale in Flachwassergebiete schwimmen, um dort zu sterben." Wäre dies anders, würden viel häufiger alte oder kranke Buckelwale in Ufernähe gefunden.
A.Kunz--VB