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Siebenmeter-Krimi: BHC düpiert Magdeburg - Endspiel gegen Berlin
Die erste Titelchance verspielt, der Triple-Traum geplatzt: Der SC Magdeburg ist nach einem denkwürdigen Handball-Fight mit Überlänge völlig überraschend im Halbfinale des DHB-Pokals am Bergischen HC gescheitert. Beim Final Four in Köln unterlag der Champions-League-Sieger dem krassen Außenseiter 3:4 im Siebenmeterwerfen, nach 70 Minuten hatte es 27:27 gestanden (22:22, 11:11). Torhüter Christopher Rudeck wurde zum gefeierten Helden. Zuvor hatten die Füchse Berlin im ersten Halbfinale den Ligakonkurrenten TBV Lemgo Lippe nach einer packenden zweiten Hälfte 39:36 (20:16) geschlagen.
Das vermeintliche Traumfinale machte das beherzt kämpfende Team des BHC um den Siebenmeterkiller Rudeck zunichte. Stattdessen hofft der Außenseiter nun selbst auf den großen Pokalcoup. Bei der zweiten Final-Four-Teilnahme kommt es am Sonntag (15.45 Uhr/ARD) zum Duell gegen Meister Berlin - der Traum vom ersten Pokalsieg lebt. Nach einer starken ersten Hälfte ließ der BHC auch in der Schlussphase nicht locker und verdiente sich die Überraschung mit immensem Einsatz. Der SCM rettete sich erst in den Schlusssekunden der Verlängerung ins Siebenmeterwerfen, dann parierte Rudeck zweimal, Magdeburgs Manuel Zehnder warf zudem daneben. Schon vorher hatte Rudeck mit vier gehaltenen Siebenmetern geglänzt.
Der SCM wiederum, der eigentlich in Liga, Pokal und Champions League den großen Wurf geplant hatte, gab den ersten der drei gewünschten Titel aus der Hand. Anders als Berlin, das zuvor gegen Lemgo zwar ebenfalls Nerven bewies, schlussendlich aber cool blieb, fand der SCM nie zu gewohnter Stärke. Der vierte Pokaltriumph muss warten.
Die Magdeburger von Trainer Bennet Wiegert suchten auf dem eigens für das Final Four aufgebauten mobilen Glasboden vergebens nach Lücken im Defensivbollwerk des BHC. "Ich möchte mehr Bewegung, unser Thema ist die Offensive", sagte Wiegert beim Stand von 5:7 (20.). Die erste Führung folgte wenig später (11:10/29.), doch der BHC blieb dran.
"Mega geil", sagte BHC-Profi Johannes Wasielewski in der Pause bei Dyn: "Wir haben ein viel besseres emotionales Level, wir nehmen die Zuschauer besser mit als Magdeburg."
Auch nach dem Seitenwechsel machten die Bergischen unter dem Jubel ihrer Fans dem Favoriten das Leben richtig schwer. Als beim 17:18 (50.) immer noch ein Rückstand auf dem Videowürfel stand, appellierte Wiegert in einer Auszeit an sein Team: "Jungs, wir wussten genau, was hier passiert. Dass wir in dieser Situation stehen: Wir gegen alle, darin sind wir fantastisch", sagte der 44-Jährige: "Mit Kopf bitte, Ruhe rein!"
Nach einem Ballverlust hatte der SCM mit dem letzten Angriff die Chance auf den Lucky Punch, doch dieser blieb aus. Die Entscheidung fiel in der Verlängerung, wo BHC-Torhüter Rudeck früh den vierten (!) Siebenmeter der Magdeburger parierte. Magdeburg aber kam zurück.
Bei den Berlinern hatte zuvor Torhüter Dejan Milosavljev seinen Vorderleuten mit 18 Paraden auf die Siegerstraße geholfen. Vorne überzeugte neben Welthandballer Mathias Gidsel (8 Tore) auch sein dänischer Weltmeister-Kollege Lasse Andersson mit elf Treffern als bester Schütze.
Die Lemgoer schnupperten in der Schlussphase lange an einer Überraschung. Zwar war Berlin zur Halbzeit auf vier Tore davongezogen. Doch der TBV erwies sich als hartnäckiger Gegner und hielt trotz kleinerer Rückschläge den Meister in Sicht. "Lemgo ist viel schöner als Berlin", sang fast die gesamte Halle, ehe Gidsel und Co. in der Crunchtime ernst machten. Den bislang einzigen Pokal-Triumph holte Berlin 2014.
"Das fühlt sich sehr, sehr gut an", sagte Gidsel in der ARD: "Das war ein harter Kampf, ein typisches Halbfinale. In der zweiten Halbzeit gab es eine Phase, in der nicht alles geklappt hat. Lemgo hat es unheimlich schwer für uns gemacht."
R.Fischer--VB