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Diplomatischer Eklat: Ukrainische Politiker geben polnische Auszeichnungen zurück
Im Streit zwischen Polen und der Ukraine um die Weltkriegs-Vergangenheit wollen führende ukrainische Politiker aus Protest polnische Auszeichnungen zurückgegeben. Der ukrainische Präsidentenberater Kyrylo Budanow sowie der ukrainische Botschafter in Warschau, Wasyl Bodnar, erklärten am Samstag, sie würden aus Solidarität mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Auszeichnungen zurückgeben, die sie von Polen erhalten hätten.
Am Freitag hatte der rechtsnationale polnische Präsident Karol Nawrocki Selenskyj die höchste Ehrung des Landes entzogen. Budanow erklärte, die Aberkennung von Selenskyjs Weißer-Adler-Orden komme Russland zugute. "Das ist ein Geschenk für den Moskauer Aggressor, der es mit Sicherheit gegen unsere beiden Länder einsetzen wird", erklärte er in Onlinediensten.
Botschafter Bodnar bezeichnete Nawrockis Schritt als eine "Geste, die sich gegen das gesamte ukrainische Volk richtet". Moskau begrüßte die Entscheidung, "endlich" sei Selenskyj der Orden aberkannt worden, erklärte der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew im Onlinedienst X.
Hintergrund des Streits ist die Benennung einer ukrainischen Armeeeinheit nach der im Zweiten Weltkrieg berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) durch Selenskyj Ende Mai. Die UPA war in den 1940er Jahren der militärische Arm der OUN, der Partei ukrainischer Nationalisten. Zwischen 1943 und 1945 töteten UPA-Mitglieder bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien. Diese gehörte bis 1939 zu Polen und wurde durch den Hitler-Stalin-Pakt der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen. Heute liegt sie im Nordwesten der Ukraine.
In ihrem Kampf für die ukrainische Unabhängigkeit von der Sowjetunion kollaborierten OUN und UPA im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit Hitler-Deutschland. In der heutigen Ukraine werden die Mitglieder von OUN und UPA als Helden verehrt, während ihre Taten in Polen als Völkermord eingestuft werden. Russland begründet seinen Krieg gegen die Ukraine unter anderem mit der Behauptung, in Kiew seien "Neonazis" an der Macht.
Polen gehört zu den wichtigsten militärischen und humanitären Unterstützern der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland. Das Land hat hunderttausende ukrainische Geflüchtete aufgenommen und dient als logistische Drehscheibe für westliche Hilfe an die Ukraine.
Nawrocki vertritt seit seinem Amtsantritt 2025 eine kritische Position gegenüber der Ukraine. Der polnische Regierungschef Donald Tusk, ein starker Unterstützer der Ukraine, erklärte im Onlinedienst X, es sei die Aufgabe Nawrockis und Selenskyjs, "die Emotionen zu dämpfen und nicht, die Spannungen zu schüren". Der Streit zwischen Warschau und Kiew freue den russischen Präsidenten Wladimir Putin und "schockiert unsere Verbündeten".
T.Suter--VB