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"Verrücktes Rennen": Pogacar auch in Flandern nicht zu stoppen
Sportliches Spektakel, Volksfeststimmung und ein weltmeisterlicher Favoritensieg: Tadej Pogacar triumphiert bei der Flandern-Rundfahrt.
Audenarde/Hamburg (SID) Tadej Pogacar breitete die Arme aus und rollte abgekämpft, aber zufrieden grinsend ins Ziel der Flandern-Rundfahrt. Der slowenische Weltmeister ist dank der nächsten Machtdemonstration zu seinem dritten Sieg beim prestigeträchtigen Frühjahrsklassiker geflogen. Auch beim Spektakel in Belgien fuhr der Radsport-Dominator in seiner eigenen Liga.
"Das war ein verrücktes Rennen heute. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es war superhart, aber es ist gut für mich ausgegangen", sagte Pogacar, der im dritten Rennen den dritten Saisonsieg feierte: "Bislang läuft alles perfekt, und ich kann mehr als happy sein."
Pogacar, der bereits 2023 und 2025 bei der "Ronde van Vlaanderen" triumphiert hatte, setzte sich nach der 278 Kilometer langen Tortur mit sechs Kopfsteinpflastersektoren und 16 giftigen Anstiegen im Solo durch. Er verwies in einem atemlosen Showdown der Topstars den Niederländer Mathieu van der Poel auf den zweiten Rang. Remco Evenepoel feierte ein starkes Debüt in seiner Heimat - der neue Spitzenfahrer des Deutschen Teams Red Bull-Bora-hansgrohe kämpfte sich als Dritter ins Ziel.
17 km vor dem Ende setzte Pogacar am Oude Kwaremont die entscheidende Attacke und schüttelte damit auch noch seinen ärgsten Rivalen van der Poel ab. Kurz darauf rollte er nach insgesamt 6:20 Stunden alleine ins Ziel und zog in den Geschichtsbüchern mit dem Niederländer gleich, der sich den Siegrekord bei der Flandern-Rundfahrt nun mit einem weiteren Radfahrer teilen muss.
Pogacar sei einfach "ein Level über allen anderen. Es wird sehr schwer, ihn zu schlagen", hatte van der Poel (Alpecin-Premier Tech) schon vor der 110. Ausgabe des Rennens geunkt. Dennoch peilte er seinen vierten Erfolg in Flandern und damit den alleinigen Siegrekord an. Nach dem Start ging es für van der Poel und Co. zunächst recht kontrolliert zu, einzig das Schließen einer Bahnschranke sorgte für Unruhe - und eine kurze Neutralisierung des Rennens im Peloton.
Etwa zur Hälfte des Rennens mussten die Fahrer dann zum ersten Mal über den Oude Kwaremont, traditionell die Schlüsselstelle des Rennens. Die Topfavoriten hielten sich zu diesem Zeitpunkt noch zurück - ganz im Gegensatz zu den Tausenden Radsport-Fans, die die Straßen säumten und für Volksfeststimmung sorgten.
101 km vor dem Ende machte Pogacars Team UAE Emirates-XRG erstmals ernst, verschärfte das Tempo und sprengte das zuvor große Fahrerfeld. Die Favoriten, darunter die drei Ex-Weltmeister van der Poel, Mads Pedersen (Dänemark/Lidl-Trek) und Evenepoel, waren allesamt Teil der prominenten Verfolgergruppe. Sie holten wenig später die Spitzengruppe ein und läuteten bei zwischenzeitlichem Regen die entscheidende Phase ein.
Als es 57 km vor dem Ende zum zweiten Mal über den Oude Kwaremont ging, setzte Pogacar den ersten Nadelstich - und schon war das Favoritenduo Pogacar und van der Poel unter sich. Pedersen und Wout van Aert mussten reißen lassen, Evenepoel konnte ebenfalls nicht mitgehen, auch wenn er noch einmal bis auf wenige Meter herankam. "Wir wollten nicht, dass Remco nochmal zurückkommt, denn ich weiß, wie gut seine Ausdauer ist und dass er dich am Ende immer schlagen kann", verriet Pogacar nachher. Am Ende war dann auch van der Poel chancenlos.
Pogacar geht damit mit Rückenwind in seine nächste große Mission. Nach dem Sieg bei Mailand-Sanremo im März will er kommenden Sonntag auch zum ersten Mal das legendäre Paris-Roubaix gewinnen und seine Titelsammlung bei den fünf wichtigsten Rad-Klassikern vervollständigen. "Ich kann motiviert nach Roubaix blicken und werde versuchen, das Kopfsteinpflaster dort zu genießen", sagte der Seriensieger.
Den Sieg beim Rennen der Frauen sicherte sich Demi Vollering vor Tour-Siegerin Pauline Ferrand-Prévot, im Ziel lag die Niederländerin 42 Sekunden vor der Französin. Beste Deutsche wurde Franziska Koch auf Rang zehn (+1:58 Minuten).
I.Stoeckli--VB