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Proteste im Iran am neunten Tag in Folge nach Tod von junger Frau
Im Iran sind am Samstag den neunten Abend in Folge zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um nach dem Tod einer jungen Frau infolge ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei zu protestieren. Bislang wurden bei den Demonstrationen laut einem Bericht des Staatsfernsehens 41 Menschen getötet. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) in Oslo gab die Zahl der getöteten Demonstranten mit 54 an. Die meisten Todesfälle wurden demnach aus den Provinzen Gilan und Masandaran gemeldet.
Ausgelöst wurden die Proteste durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini am Freitag vergangener Woche. Sie war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie das islamische Kopftuch offenbar nicht den strikten Vorschriften entsprechend getragen hatte. Amini brach nach ihrer Festnahme unter ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt. Laut Polizei hatte sie einen Herzanfall.
Menschenrechtsaktivisten zufolge erlitt die junge Frau einen tödlichen Schlag auf den Kopf. Innenminister Ahmad Wahidi hatte dies am Freitag bestritten und erklärt, Amini sei nicht geschlagen worden. Die Ermittlungen zur Todesursache seien aber noch nicht abgeschlossen.
Aminis Tod löste landesweite Proteste aus, gegen die die Sicherheitskräfte gewaltsam vorgehen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf den Sicherheitskräften vor, "vorsätzlich und rechtswidrig" scharfe Munition einzusetzen, um Protestierende auseinanderzutreiben.
In Rascht, der Hauptstadt der Provinz Gilan, und in Teilen der Hauptstadt Teheran kam es am Samstagabend erneut zu Protesten, wie aus Videos in den Onlinenetzwerken hervorging. Hunderte Demonstranten sowie mehrere Aktivisten und Journalisten wurden bislang festgenommen.
Allein in der Provinz Gilan im Nordiran wurden seit Beginn der Proteste mehr als 700 Menschen festgenommen. Wie der Polizeichef der Provinz erklärte, nahm die Polizei dort 739 "Randalierer" fest, darunter 60 Frauen. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) wurden seit Beginn der Proteste zudem 17 Journalisten festgenommen.
Die in Norwegen ansässige kurdische Menschenrechtsgruppe Hengaw berichtete, dass Demonstranten Teile der Stadt Oschnawijeh in der Provinz West-Aserbaidschan "unter ihre Kontrolle gebracht" hätten. Die iranischen Justizbehörden dementierten, dass die Sicherheitskräfte die Kontrolle über die Stadt verloren hätten. "Randalierer" hätten drei Stützpunkte der Basidsch-Miliz angegriffen, teilten die Behörden mit.
Die führende Reformpartei des Iran, die Union der Islamischen Iranischen Volkspartei, forderte ein Ende der strengen islamischen Kleiderordnung und eine Mäßigung der Sittenpolizei. Zudem müsse die Regierung "friedliche Demonstrationen zulassen" und festgenommene Demonstranten freilassen, erklärte die Partei.
O.Lorenz--BTB