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Zweiter Tag der Trauerfeiern im Iran: Gebete an Chameneis Sarg ohne Modschtaba
Der zweite Tag der Trauerfeiern für den getöteten obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei im Iran hat im Zeichen von Gebeten an dessen Sarg gestanden. Die Gebete im Moschee-Komplex der Mosalla in Teheran wurden am Sonntag Staatsmedien zufolge von Dschafar Sobhani geleitet, einem der einflussreichsten Kleriker der Islamischen Republik. Auch Chameneis drei Söhne Masud, Mostafa und Mejsam nahmen an den Gebeten teil, sein Sohn und Nachfolger Modschtaba fehlte dagegen.
Anwesend in der Moschee war am Sonntag zudem Irans Präsident Masud Peseschkian. Auch weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung nahmen an der Zeremonie teil, darunter Irans Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf und Al-Kuds-Befehlshaber Esmail Kaani, wie Aufnahmen des staatlichen Fernsehens zeigten. Vor der Moschee wurde der mächtige Revolutionsgardenchef Ahmad Wahidi auf dem Weg zur Moschee gesehen, der öffentlich so gut wie nie in Erscheinung tritt.
Der Mosalla-Komplex und die umliegenden Straßen waren am Sonntagmorgen voller Trauernder, wie AFP-Journalisten beobachteten. Wegen der erwarteten hohen Temperaturen von mehr als 35 Grad wurden den Trauernden auf ihrem Weg zur Moschee Erfrischungen gereicht. Insgesamt rechnen die Behörden in Teheran mit mehr als zehn Millionen Teilnehmern an den Trauerzeremonien. Der Sonntag wurde im Iran zum öffentlichen Feiertag erklärt.
Chamenei stand seit 1998 an der Spitze des klerikalen Systems im Iran und war damit der mächtigste Mann im Staat. Der erzkonservative oberste Führer war am 28. Februar am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Mit dem 86-Jährigen zusammen wurden mehrere seiner Angehörigen und weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet.
Chameneis anschließend zum Nachfolger ernannter Sohn Modschtaba trat bislang nicht öffentlich in Erscheinung. Er wurde vermutlich bei dem Angriff am 28. Februar verletzt.
Chameneis Sarg soll bis Montag in Teherans Mosalla-Komplex aufgebahrt bleiben, dann ist ein Trauerzug durch die Hauptstadt geplant. Am Dienstag soll der Sarg in die schiitische Gelehrtenstadt Ghom gebracht werden, am Mittwoch in schiitische Heiligtümer im Nachbarland Irak. Die Beisetzung ist für Donnerstag in Chameneis Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Iran vorgesehen. Dort soll er zusammen mit seinen getöteten Familienmitgliedern begraben werden.
Die Tötung Chameneis nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten an der Macht hat in der Islamischen Republik eine neue Ära eingeläutet, die jedoch von Ungewissheit geprägt ist. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste im Januar mit tausenden Toten gelten die Trauerfeierlichkeiten für Chamenei als Test, wie stark die Unterstützung für die Führung ist.
T.Suter--VB