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Medizinische Kreise: Mindestens zwölf Tote bei israelischen Angriffen im Südlibanon
Die israelische Armee hat nach Angaben aus dem Libanon erneut Ziele im Süden des Landes angegriffen und dabei mindestens zwölf Menschen getötet. In der Stadt Tajr Dibba habe es bei israelischen Angriffen acht Todesopfer gegeben, in Deir Kanun al-Nahr seien vier Menschen getötet worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus medizinischen Kreisen im Libanon. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk kündigte derweil eine Untersuchung zu mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen im Libanon an.
Eigentlich gilt im Libanon bereits seit dem 17. April eine Feuerpause. Israel und die von Teheran unterstützte Hisbollah-Miliz greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an.
Die libanesische staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete mindestens vier Angriffe auf Tajr Dibba und zwei Angriffe auf Deir Kanun al-Nahr. Zuvor hatte NNA bereits von einem Angriff auf ein Fahrzeug in der südlibanesischen Stadt Sidon berichtet. Demnach wurde ein Auto "von einer feindlichen Drohne getroffen".
Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP in Sidon hörte eine heftige Explosion. Anschließend sah er ein brennendes Fahrzeug auf einer der Hauptverkehrsstraßen der Stadt sowie Rettungskräfte und Feuerwehrleute, die zum Einsatzort eilten und zwei Menschen aus dem Fahrzeug zogen.
In Sidon befindet sich das größte Flüchtlingslager für Palästinenser in dem Land. Bisher war die größte Stadt im Süden des Libanon von Angriffen weitestgehend verschont geblieben. Zuletzt war dort am 28. Mai ein Gebäude angegriffen worden, dem libanesischen Gesundheitsministeriums kamen dabei fünf Menschen ums Leben.
NNA berichtete zudem, am Mittwochmorgen seien in dem südlibanesischen Dorf Kfarschuba zwei Männer von israelischen Soldaten festgenommen und "an einen unbekannten Ort gebracht" worden. Bei den Männern handele es sich um ein "Mitglied des Gemeinderats von Kfarschuba, Mohammad Hassan al-Hadschdsch und den Arbeiter Ahmad Salah Diab". Sie hätten daran gearbeitet, Wasser in das Dorf zu pumpen, als sie von der israelischen Patrouille festgenommen worden seien.
Die israelische Armee erklärte gegenüber AFP, sie habe "zwei verdächtige Menschen identifiziert, die sich dem Gebiet näherten", in dem israelische Soldaten im Einsatz seien.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Raketen auf Israel ab. Israel reagierte mit Luftangriffen auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
UN-Menschenrechtskommissar Türk sagte am Mittwoch vor Journalisten in Genf, er habe mit der Regierung des Libanon vereinbart, "bald" eine "unparteiische und unabhängige Bewertungsmission" in das Land zu entsenden. "Es müssen zügige und unabhängige Untersuchungen zu mutmaßlichen Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht vorgenommen werden", sagte er.
Der libanesische Außenminister Jussef Raggi drängte derweil erneut auf Gespräche mit Israel. Die Hisbollah tue alles, um "direkte Verhandlungen" zwischen den beiden Ländern zu verhindern, sagte Raggi am Mittwoch vor der französischen Nationalversammlung in Paris. Solche Gespräche seien jedoch "der einzige Weg", betonte er.
Die Hisbollah habe "weder Jerusalem befreit, noch den Gazastreifen retten können, noch nicht einmal den Libanon verteidigen können", sagte der libanesische Außenminister. "Im Gegenteil, er hat uns in noch mehr Gewalt und noch mehr Besatzung gestürzt." Raggi forderte einen Rückzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon sowie die Entwaffnung der Hisbollah.
A.Kunz--VB