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Libanon: Einnahme von Beaufort laut Netanjahu "entscheidend" in Offensive gegen Hisbollah
Die Einnahme der strategisch wichtigen Burg Beaufort im Libanon durch die israelische Armee ist nach den Worten von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu eine "entscheidende Wendung" im Kampf gegen die pro-iranische Hisbollah. Netanjahu sprach in einem am Sonntag veröffentlichten Video zudem von einer "dramatischen Etappe" in der israelischen Bodenoffensive gegen die vom Iran unterstützte Miliz. Die Hisbollah griff erneut Städte im Norden Israels an. Der UN-Sicherheitsrat will nach AFP-Informationen am Montag auf Frankreichs Antrag eine Dringlichkeitssitzung abhalten.
Die auch unter dem Namen Kalaat al-Schakif bekannte mittelalterliche Kreuzritterburg gilt wegen ihrer Lage mit Blick über weite Teile des Südlibanon als strategisch wichtig. Israels Armee hatte die Festung bereits im Libanonkrieg 1982 erobert und nutzte sie bis zu ihrem Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 als Stützpunkt.
Israel sei nun "vereint, entschlossen und stärker als jemals zuvor" auf die Burg zurückgekehrt, sagte Netanjahu per Video. Seine Anweisung laute nun, "unsere Position in den Gebieten, die unter der Kontrolle der Hisbollah standen, zu vertiefen und auszuweiten." Weiter sagte Netanjahu: "Wir ergreifen die Initiative, wir operieren an allen Fronten - in Syrien, im Gazastreifen, im Libanon."
Zuvor hatte Verteidigungsminister Israel Katz im Onlinedienst Telegram erklärt, die israelische Armee habe unter Führung von Netanjahu "ihren Einsatz im Libanon ausgeweitet, den Fluss Litani überquert und die Beaufort-Höhe eingenommen". 44 Jahre nach dem ersten Libanon-Krieg seien israelische Soldaten dorthin "zurückgekehrt".
Die Einnahme "eines der wichtigsten strategischen Punkte" diene der Verteidigung der Orte im Norden Israels und der Sicherheit israelischer Soldaten, erklärte Katz.
In der Umgebung der Burg war am Sonntag Artilleriefeuer zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. Über der Burg wehte die israelische Flagge.
Die Hisbollah erklärte ihrerseits, am Sonntag Infrastruktur in den nordisraelischen Orten Schlomi und Naharija angegriffen zu haben. In der Gegend der israelischen Hafenstadt Akko ertönte Luftschutzalarm. Später erklärte die Miliz, sie greife israelische Stellungen nahe Beaufort an.
Am Vortag hatte die Schiitenmiliz erklärt, die nordisraelische Stadt Kirjat Schmona sei mit einer "Raketensalve" angegriffen worden. Nach Angaben der israelischen Armee wurden am Samstag mehr als 25 Geschosse aus dem Libanon auf Israel abgefeuert.
Scharfe Kritik am israelischen Vorgehen im Libanon kam aus Frankreich. "Nichts rechtfertigt die derzeitige massive Eskalation im Südlibanon", erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron.
Frankreich erkenne Israels Recht zur Verteidigung gegen die Hisbollah-Angriffe an, doch "nichts kann die Verlängerung der israelischen Militäreinsätze im Libanon und die Besetzung von Gebieten immer tiefer auf libanesischem Gebiet rechtfertigen", sagte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot dem Fernsehsender BFMTV. Mit seinem Vorstoß begehe Israel einen "schweren Fehler".
Die israelische Armee hatte kurz zuvor eine Ausweitung ihres Bodeneinsatzes im Libanon gemeldet. Israelische Soldaten überquerten demnach den Fluss Litani.
Ein israelischer Armeesprecher forderte die Bewohner aller libanesischen Gebiete südlich des Flusses Sahrani auf, sich "sofort" in Gebiete nördlich des Flusses in Sicherheit zu bringen, der nördlich des Litani liegt. Jedes von der Hisbollah genutzte Gebäude könne zum Angriffsziel werden.
Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die von der Hisbollah allerdings nicht anerkannt wird. Der Libanon war durch neue Angriffe der Hisbollah auf Israel Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Libanesischen Angaben zufolge wurden seither mehr 3400 Menschen durch israelische Angriffe getötet und mehr als eine Million Menschen vertrieben.
Israels Armee teilte mit, dass am Samstag einer ihrer Soldaten durch eine Sprengstoffdrohne der Hisbollah getötet worden sei. Damit erhöht sich die Zahl der getöteten israelischen Soldaten im Libanon seit Anfang März auf 25. Später erklärte die Armee, dass seit Beginn der Waffenruhe "900 Hisbollah-Terroristen getötet" worden seien.
Libanons Regierungschef Nawaf Salam warf Israel eine Strategie "der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe" vor. Diese werde Israel "weder Sicherheit noch Stabilität" bringen, sagte Salam in einer Fernsehansprache. Zugleich verteidigte er die Fortsetzung direkter Verhandlungen mit Israel als den "am wenigsten kostspieligen Weg" für den Libanon.
Armee-Delegationen aus dem Libanon und Israel hatten sich am Freitag in Washington zu Sicherheitsgesprächen getroffen. Für kommende Woche sind weitere von den USA vermittelte Verhandlungen geplant. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt die direkten Gespräche zwischen dem Libanon und Israel ab.
G.Haefliger--VB