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Trotz US-Blockade: Russischer Öltanker in Kuba angekommen
Erstmals seit Beginn der US-Blockade Ende Januar hat ein Öltanker mit russischem Rohöl an Bord einen Hafen in Kuba erreicht. Die "Anatoli Kolodkin" lief am Dienstagmorgen in Matanzas östlich der Hauptstadt Havanna ein, wie AFP-Reporter berichteten. Staaten, die Öl in den kommunistisch regierten Karibikstaat liefern, drohen seit Ende Januar US-Sanktionen.
Am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, die Durchfahrt dieses Tankers zu gestatten. "Kuba ist erledigt, sie haben ein schlechtes Regime, sie haben eine sehr schlechte und korrupte Führung, und ob sie nun ein Schiff mit Öl bekommen oder nicht, wird keine Rolle spielen", hatte er gesagt. Der am 8. März in dem russischen Hafen Primorsk gestartete Öltanker hat Medienberichten zufolge 730.000 Barrel Rohöl an Bord.
Kuba steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu landesweiten Stromausfällen, die teilweise tagelang andauerten. Der öffentliche Nahverkehr in dem Inselstaat ist eingeschränkt, Benzin wurde rationiert. Mehrere Fluggesellschaften fliegen die Karibikinsel wegen der dortigen Treibstoffknappheit mittlerweile nicht mehr an.
Der Leiter der Cuba Study Group in Washington, Ricardo Herrero, sagte, Havanna solle mit dem Öl-Embargo gezwungen werden, am Verhandlungstisch Zugeständnisse zu machen. "Die Strategie besteht hier darin, das System an den Rand des Abgrunds zu treiben, aber nicht darin, einen vollständigen gesellschaftlichen oder humanitären Kollaps herbeizuführen".sagte Herrero AFP. Die US-Regierung wolle alle Trümpfe in der Hand halten und entscheiden, "wann sie alles auf eine Karte setzt".
Das US-Militär hatte im Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und in die USA gebracht. Anschließend sorgte Washington dafür, dass Venezuela, der bis dahin wichtigste Öllieferant Kubas, seine Lieferungen einstellte. Ende Januar drohte Trump dann Staaten, die Erdöl an Kuba liefern, mit zusätzlichen US-Strafzöllen.
Das Öl der "Anatoli Kolodkin" kann die Energieknappheit in Kuba nur sehr begrenzt lindern: "Es kann vorübergehend Luft verschaffen, reicht aber bei weitem nicht aus, um das Ausmaß des Defizits zu beheben, mit dem das Land konfrontiert ist", sagte der Ökonom Ricardo Torres von der American University in Washington. Nach der Ankunft im Hafen wird die Verarbeitung des Öls etwa 15 bis 20 Tage dauern und die Auslieferung der raffinierten Produkte weitere fünf bis zehn Tage, schätzte Jorge Piñón, Experte für den kubanischen Energiesektor an der Universität von Texas.
Die Ankunft der "Anatoli Kolodkin" in Kuba sei kein Zeichen für eine grundlegende Änderung der US-Politik, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. "Wir haben diesem Schiff erlaubt, Kuba anzulaufen, um die humanitären Bedürfnisse der kubanischen Bevölkerung zu decken", sagte sie. Entsprechende Entscheidungen würden jedoch "von Fall zu Fall" getroffen.
M.Betschart--VB