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Iran-Krise: USA ziehen Personal aus Israel ab - Deutschland rät "dringend" von Reisen ab
Nach wiederholten Angriffsdrohungen von Präsident Donald Trump gegen den Iran hat die US-Regierung ihren Botschaftsmitarbeitern in Israel die umgehende Ausreise nahegelegt. Nicht dringend benötigte Mitarbeiter und ihre Familien "sollten erwägen, Israel zu verlassen, solange noch Linienflüge verfügbar sind", erklärte die Botschaft am Freitag. Das Auswärtige Amt in Berlin riet "dringend" von Reisen nach Israel ab. Großbritannien verkündete den Abzug seines gesamten Botschaftspersonals aus dem Iran und die Verlegung von Teilen des Personals aus Tel Aviv wegen "regionaler Spannungen".
Die Entwicklungen verstärken die Furcht vor einer militärischen Eskalation in der Region. US-Präsident Donald Trump droht der Führung des Iran seit Wochen mit einem Militäreinsatz. Er hat Teheran eine Frist bis Anfang März gesetzt, um sich mit Washington auf ein neues Atomabkommen zu einigen. In Israel herrscht die Befürchtung, dass Teheran bei einem US-Angriff seinen mit Washington verbündeten Erzfeind Israel ins Visier nehmen könnte.
Allen "nicht zur Notfallbesetzung gehörenden" Mitarbeitern der US-Vertretung in Jerusalem sowie deren Angehörigen sei es aufgrund von "Sicherheitsrisiken" mit sofortiger Wirkung freigestellt, Israel zu verlassen, erklärte die Botschaft auf ihrer Website. Laut einem Bericht der "New York Times" wandte sich Botschafter Mike Huckabee in einer internen E-Mail mit drastischen Worten an seine Mitarbeiter. Wer Israel verlassen wolle, solle dies "HEUTE" tun, schrieb Huckabee demnach und fügte hinzu: "Bemühen Sie sich darum, einen Platz in einem Flugzeug irgendwohin zu bekommen, von wo aus Sie dann nach Washington weiterreisen können, aber das Wichtigste ist es, das Land schnell zu verlassen."
Das Auswärtige Amt erklärte am Abend: "Von Reisen nach Israel sowie nach Ostjerusalem wird dringend abgeraten." Aus dem Ministerium hieß es zudem, dass die Botschaft in Tel Aviv "voll arbeitsfähig" bleibe. "Wir beobachten die Lage sehr aufmerksam und stehen im engen Austausch mit unserer Botschaft in Tel Aviv, auch zur Sicherheitssituation unserer Kolleginnen und Kollegen vor Ort und ihren Familienangehörigen." Auch die Lage im Iran werde "sehr aufmerksam" beobachtet.
Die britische Regierung erklärte, wegen Sicherheitsbedenken sei das diplomatische Personal "vorübergehend" aus dem Iran abgezogen worden. Einige Mitarbeiter der britischen Botschaft in Tel Aviv sowie deren Angehörige seien "wegen regionaler Spannungen" zudem "an einen anderen Ort in Israel" verlegt worden. Die Lage "kann rasch eskalieren und stellt bedeutende Risiken dar", warnte das Außenministerium in London. China rief seine Staatsbürger im Iran auf, das Land "so schnell wie möglich zu verlassen". Chinesen in Israel sollten ihre Notfallvorbereitungen verstärken und ihre Unterkünfte möglichst nicht verlassen. Die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines sowie zwei iranische Fluggesellschaften strichen am Freitagabend ihre Flüge in den Iran.
Um den Druck auf den Iran zu erhöhen, hatten die USA in den vergangenen Wochen ihre Militärpräsenz in der Region deutlich verstärkt und zwei Flugzeugträger sowie mehr als ein Dutzend weitere Kriegsschiffe in die Region verlegt. Der weltgrößte Flugzeugträger "USS Gerald R. Ford" sollte am Freitag vor der Küste Israels eintreffen. Der Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" war bereits zuvor an den Golf geschickt worden.
Vertreter der US-Regierung und des Iran führen seit Wochen indirekte Gespräche über das iranische Atomprogramm. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" wollen die USA erreichen, dass der Iran seine drei wichtigsten Atomanlagen zurückbaut und das bereits angereicherte Uran an die USA übergibt. Irans Außenminister Abbas Araghtschi rief die USA am Freitag auf, auf "übertriebene Forderungen" zu verzichten. Die Gespräche sollen am Montag in Wien auf technischer Ebene fortgesetzt werden.
Das US-Außenministerium kündigte für Montag einen Besuch von Außenminister Marco Rubio in Israel an, bei dem er Gespräche über den Konflikt mit dem Iran führen werde. Anders als seit Jahrzehnten üblich nimmt der Minister bei der Reise keine Reporter in seinem Flugzeug mit.
Trump hatte dem Iran am Dienstag in seiner Rede zur Lage der Nation vorgeworfen, an Raketen zu arbeiten, welche die USA erreichen könnten. Zudem verfolge die iranische Regierung "finstere atomare Ambitionen". Teheran wies die Vorwürfe als "Lügen" zurück. Offiziell haben die iranischen Raketen eine Reichweite von 2000 Kilometern, womit der Iran seinen Erzfeind Israel angreifen kann. Der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses schätzt die Reichweite hingegen auf rund 3000 Kilometer.
Teheran beharrt darauf, dass sein Atomprogramm ausschließlich zivilen Zwecken diene. Im vergangenen Juni hatten Israel und der Iran einen zwölftägigen Krieg gegeneinander geführt. Dabei hatten die USA an der Seite Israels eingriffen und iranische Atomanlagen bombardiert.
G.Schmid--VB