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Pakistan bombardiert Kabul und erklärt afghanischen Taliban "offenen Krieg"
Pakistan hat am Freitag Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul und in Kandahar bombardiert und der Taliban-Regierung einen "offenen Krieg" erklärt. "Unsere Geduld ist am Ende", erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif unter Bezug auf tödliche Gefechte und Anschläge in den vergangenen Monaten. "Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und Euch", hob er hervor. Der Iran bot seine Vermittlung an, China und Großbritannien riefen die Konfliktsparteien zur Deeskalation auf.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP in Kabul hörten Kampfjets und mehrere laute Explosionen und später Schüsse über mehrere Stunden. Ein Reporter im südafghanischen Kandahar, dem Sitz von Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada, berichtete ebenfalls von Jets in der Luft. Die Taliban-Regierung erklärte am Nachmittag, pakistanische Überwachungsflugzeuge kreisten über Afghanistan.
Es handelte sich um die umfassendsten pakistanischen Angriffe auf Kabul und die ersten Luftangriffe auf Kandahar seit der Rückkehr der islamistischen Taliban an die Macht in Afghanistan im Jahr 2021.
In der Nähe des Grenzübergangs Torkham zwischen beiden Ländern hörte ein AFP-Journalist am Morgen den Einschlag von Granaten. In der Nacht wurde ein Flüchtlingslager getroffen. "Kinder, Frauen und alte Leute sind gerannt", sagte Gander Khan, ein 65-jähriger, aus Pakistan zurückgekehrter Afghane.
Am Donnerstag hatten afghanische Soldaten pakistanische Grenzsoldaten als Vergeltung für frühere pakistanische Luftangriffe attackiert. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern hatten sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert, nach Kämpfen im Oktober mit mehr als 70 Toten auf beiden Seiten wurden die meisten Grenzübergänge geschlossen.
Pakistan wirft Kabul vor, bewaffneten extremistischen Gruppen wie den pakistanischen Taliban (TTP) Unterschlupf zu gewähren, die immer wieder Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist das zurück.
"Unsere Geduld ist am Ende", erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Asif im Onlinedienst X. Er sprach von einer "umfassenden Konfrontation" mit der Taliban-Regierung.
Der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabihullah Mudschahid, bestätigte die pakistanischen Angriffe. Später sagte er auf einer Pressekonferenz in Kandahar, Kabul wolle "weiterhin, dass der Konflikt durch Dialog gelöst wird". "Gerade jetzt fliegen pakistanische Aufklärungsflugzeuge durch den afghanischen Luftraum."
Mehrere Stunden zuvor hatte Mudschahid eine "breit angelegte Offensive" an der Grenze als "Reaktion auf wiederholte Verletzungen durch die pakistanische Armee" gemeldet. Dabei seien acht afghanische Soldaten getötet worden.
Der an beide Länder grenzende Iran bot sich als Vermittler an. Teheran sei bereit, "jede notwendige Hilfe zu leisten, um den Dialog zu erleichtern", erklärte Außenminister Abbas Araghtschi im Onlinedienst X. Das chinesische Außenministerium rief "beide Seiten auf, ruhig zu bleiben und Zurückhaltung zu üben".
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin rief ebenfalls zur Deeskalation auf. Nach ihren Angaben ist derzeit eine mittlere zweistellige Zahl an Deutschen in Afghanistan, für das schon länger einer Reisewarnung bestehe. In Pakistan, für das in bestimmten Regionen eine Reisewarnung gilt, hält sich demnach eine mittlere dreistellige Zahl an Deutschen auf.
Auch das britische Außenministerium rief beide Seiten auf X auf, "unverzüglich Maßnahmen zur Deeskalation zu ergreifen, um weiteren Schaden für Zivilisten zu verhindern und wieder in einen vermittelten Dialog einzutreten".
In der Nacht zum Sonntag hatte die pakistanische Armee tödliche Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UN-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban-Regierung sprach von mindestens 18 Toten.
Aus Islamabad hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.
Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kommt es immer wieder zu tödlicher Gewalt. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.
Nachdem im Oktober bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, vereinbarten die beiden Nachbarländer zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe. Sie konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.
L.Meier--VB