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Albanese: Schützen von Sydney offenbar von "Ideologie des Islamischen Staates" motiviert
Zwei Tage nach dem tödlichen Anschlag auf eine jüdische Feier am Bondi Beach in Sydney hat sich der Verdacht auf ein islamistisches Motiv erhärtet. Die mutmaßlichen Täter seien offenbar Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gewesen, sagte Australiens Premierminister Anthony Albanese am Dienstag im Sender ABC. Die Verdächtigen waren im November in die Philippinen gereist, um die von islamistischen Unruhen geprägte Region Mindanao zu besuchen, wie philippinischen Behörden bestätigten.
Es habe den Anschein, dass der Schusswaffenangriff vom Sonntagabend "durch die Ideologie des Islamischen Staates motiviert war", sagte Albanese im australischen Sender ABC. Dafür sprechen auch Erkenntnisse der Polizei: Die Beamten stellten in einem von den beiden Schützen benutzten Fahrzeug in Strandnähe zwei selbst gemachte IS-Flaggen und Sprengstoff sicher.
Bei den beiden mutmaßlichen Attentätern handelt es sich laut Polizei um Vater und Sohn. Der 50-jährige Sajid Akram und sein 24-jähriger Sohn Naveed Akram verbrachten nach Angaben der philippinischen Behörden fast den gesamten November auf den Philippinen. Sie seien am 1. November "gemeinsam aus Sydney in die Philippinen eingereist", sagte die Sprecherin der Einwanderungsbehörde, Dana Sandoval, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Sajid Akram gab sich demnach "als indischer Staatsbürger" aus, sein Sohn Naveed reiste als australischer Staatsbürger ein.
Beide hätten die Provinz Davao als Zielort angegeben und das Land am 28. November 2025 mit einem Anschlussflug von dort nach Manila mit dem Ziel Sydney wieder verlassen. In der von Unruhen geprägten philippinischen Region Mindanao, in der Davao liegt, kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu islamistischen Anschlägen auf Busse, katholische Kirchen und öffentliche Märkte. Von der Regierung unterstützte Sicherheitskräfte kämpfen dort seit langem gegen die mit dem IS in Verbindung stehende Islamistengruppen Maute und Abu Sayyaf.
Australischen Medien zufolge untersuchen die Behörden nun, ob die Verdächtigen auf den Philippinen Islamisten trafen. Albanese zufolge war Naveed Akram 2019 wegen Kontakten zum IS in Sydney ins Visier des Geheimdienstes geraten. "Sie haben ihn befragt, sie haben seine Familienangehörigen befragt, sie haben Menschen aus seinem Umfeld befragt", sagte der Premier. Akram sei aber nicht als unmittelbare Bedrohung eingestuft worden.
Naveed Akram wurde bei dem Polizeieinsatz am Bondi Beach schwer verletzt und liegt unter polizeilicher Bewachung im Krankenhaus im Koma. Sein Vater wurde von der Polizei erschossen.
Die beiden Angreifer hatten am Sonntagabend am Bondi Beach 15 Menschen erschossen. Sie feuerten gezielt auf eine Menge von mehr als tausend Menschen, die sich unter freiem Himmel zum Anzünden der ersten Kerze am jüdischen Lichterfest Chanukka versammelt hatten, darunter viele Familien.
Unter den Opfern waren auch die zehnjährige Matilda und der 87-Jährige Holocaust-Überlebende Alex Kleytman. Kleytmans Frau überlebte den Angriff. Als die Schüsse fielen, habe ihr Mann hinter ihr gestanden, sagte Larisa Kleytman der Zeitung "The Australian".
Matilda wird von ihrer Familie als "glückliches" Kind beschrieben. Die Zehnjährige wurde demnach vor den Augen ihrer jüngeren Schwester von den Schüssen der Angreifer getroffen und starb kurz darauf im Krankenhaus.
Matildas sechsjährige Schwester habe den Angriff hautnah miterlebt, sagte die Tante der Mädchen, Lina Chernkyh, im australischen Sender Channel Seven. "Sie hat alles gesehen. Sie ist sehr aufgewühlt und weint."
Zu den weiteren Opfern gehört der 62-jährige Reuven Morrison. Er wurde bei dem Versuch getötet, einen Ziegelstein auf einen der schwerbewaffneten Angreifer zu werfen.
Derweil besuchte Premierminister Albanese am Dienstag den Obsthändler Ahmed Al Ahmed im Krankenhaus, der als "Held" von Bondi Beach bei dem Massaker womöglich weitere Tote verhinderte. Al Ahmed hatte Sajid Akram von hinten umklammert und ihm das Gewehr entrissen, wie in Videos auf Onlinemedien zu sehen war. Der zweifache Vater, der vor fast zehn Jahren aus Syrien nach Australien gekommen war, wurde dabei zwei Mal angeschossen, von wem ist noch unklar.
An dem Anschlagsort türmt sich seit Sonntag als Zeichen der Anteilnahme ein Blumenmeer. Ringsherum kommen seitdem immer wieder hunderte Trauernde zusammen, um der Opfer zu gedenken.
Indes erneuerte Israel seine Kritik an Australiens Umgang mit dem angestiegenen Antisemitismus in dem Land. Er habe in den vergangenen vier Jahren immer wieder vor dem stärker werdenden Antisemitismus in Australien gewarnt, sagte Israels Botschafter Amir Maimon am Dienstag beim Besuch eines Gedenkortes für die Opfer.
Zuvor hatte die israelische Regierung Australien massiv kritisiert. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erinnerte am Sonntag an einen Brief an seinen Amtskollegen Albanese vom August. Darin habe er kritisiert, der Australier würde mit der Anerkennung eines Palästinenserstaates "Öl ins Feuer des Antisemitismus" gießen.
Seit dem Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg wurde Australien immer wieder von antisemitischer Gewalt erschüttert.
B.Wyler--VB