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Oppositionspolitikerin Machado will nach Venezuela zurück und "Tyrannei" beenden
Die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hat sich bei ihrem Besuch in Norwegen kämpferisch gezeigt. "Natürlich kehre ich zurück", sagte sie am Donnerstag der britischen BBC. Sie wolle "diese Tyrannei sehr bald beenden", sagte sie später vor Journalisten nach einem Besuch des norwegischen Parlaments und einem Treffen mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Störe. Die Oppositionspolitikerin bedankte sich bei "all den Männern und Frauen, die ihr Leben riskiert haben, damit ich heute hiersein kann."
Machado war nach der umstrittenen Wiederwahl des linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro im Juli 2024 in Venezuela untergetaucht. Nach ihrer Ankunft in Oslo am frühen Donnerstagmorgen war sie zum ersten Mal seit elf Monaten wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten. Sie winkte vom Balkon ihres Hotels der Menge zu und begrüßte später ihre Anhänger auf der Straße.
Im Interview mit der BBC betonte Machado, sie sei sich vollkommen bewusst, welches Risiko sie eingehe, indem sie ihr Versteck verlasse. Sie wolle aber dort sein, "wo ich unserer Sache am nützlichsten sein kann". Nach ihrem Besuch im norwegischen Parlament sagte Machado, sie werde den Friedensnobelpreis "zum richtigen Zeitpunkt nach Venezuela zurückbringen". Sie werde jedoch nicht sagen, "wann das ist oder wie es sein wird".
Bei ihrer Pressekonferenz mit Norwegens Regierungschef hob die venezolanische Oppositionspolitikerin hervor, wie sehr sie das Wiedersehen mit ihren drei Kindern in Oslo bewegt habe: "Ich habe alle drei gleichzeitig umarmt und das war einer der außergewöhnlichsten spirituellen Momente meines Lebens."
Machado war am Mittwoch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, hatte die Zeremonie aber verpasst. Stellvertretend für sie nahm ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado die Auszeichnung entgegen. Das norwegische Nobel-Institut würdigte Machado als "eines der ungewöhnlichsten Beispiele für Zivilcourage in Lateinamerika in der jüngsten Zeit".
Über ihre Reise aus Venezuela nach Norwegen, die laut dem Nobelinstitut von "extremer Gefahr" geprägt war, verlor Machado kaum Worte. Bei ihrer Pressekonferenz sagte sie lediglich, sie habe dabei "Unterstützung von der US-Regierung" erhalten.
Das "Wall Street Journal" berichtete über Einzelheiten von Machados Reise: Demnach habe Machado ihr Versteck in einem Vorort von Caracas verlassen, in dem sie seit fast einem Jahr gelebt hatte, um gemeinsam mit zwei Unterstützern zu einem Fischerdorf an der Küste Venezuelas zu gelangen. Auf der zehnstündigen Fahrt dorthin hätten sie zehn Armee-Checkpoints passieren müssen. Machado habe dabei eine Perücke getragen.
Von dem Küstenort sei es mit einem Fischerboot über das offene Meer zur Karibikinsel Curaçao gegangen. Die US-Armee sei im Vorhinein informiert worden um zu vermeiden, als vermeintliches Drogenschmuggelboot angegriffen zu werden. Nach einer Übernachtung auf Curaçao sei Machado dann mit einem Privatflugzeug nach Oslo geflogen.
Caracas hatte im November gedroht, Machado werde im Falle ihrer Teilnahme an der Nobelpreisverleihung als "flüchtig" eingestuft. Gegen die Oppositionelle laufen demnach zahlreiche strafrechtliche Ermittlungen wegen "Verschwörung, Aufstachelung zum Hass und Terrorismus". Zudem werde gegen sie wegen ihrer Unterstützung für den Einsatz von US-Streitkräften in der Karibik ermittelt.
Die konservative venezolanische Opposition hatte Machado im vergangenen Jahr zu ihrer Präsidentschaftskandidatin gekürt. Sie galt als Favoritin gegen Amtsinhaber Maduro - bis die Behörden ihr die Kandidatur untersagten. Der seit 2013 herrschende Maduro wurde schließlich zum Sieger der Wahl ausgerufen, die Opposition reklamierte den Wahlsieg dagegen für sich. Auch die USA und andere Länder betrachten die Wahl Maduros nicht als rechtmäßig.
Machado wird von ihren Anhängern als "Befreierin" und Kämpferin für die Demokratie gefeiert. Wegen ihrer Nähe zu US-Präsident Donald Trump geriet sie aber auch in die Kritik. Machado hatte ihren Nobelpreis im Oktober sowohl den Venezolanern als auch Trump gewidmet, der die Auszeichnung im Vorfeld für sich selbst reklamiert hatte.
Machado befürwortet auch den umstrittenen US-Militäreinsatz in der Karibik. Bei Einsätzen der US-Armee gegen Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler wurden seit September mehr als 80 Menschen getötet. Die US-Regierung wirft Venezuela vor, den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten aktiv zu fördern. Maduro vermutet dagegen US-Pläne zu seinem Sturz.
R.Braegger--VB