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Russische Armee intensiviert Luftangriffe im Osten und Norden der Ukraine
Ungeachtet des Drängens von Präsident Wolodymyr Selenskyj auf neue Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs gehen die Kämpfe nicht nur im Osten des Landes mit aller Härte weiter. Die russische Armee setze "ihre Raketen- und Luftangriffe auf das gesamte Territorium" fort und habe "die Intensität erhöht", erklärte der Generalstab der ukrainischen Armee. Kiew verlängerte am Sonntag angesichts der Lage das Kriegsrecht für drei weitere Monate.
Das ukrainische Parlament stimmte mit absoluter Mehrheit für die dritte Verlängerung des Dekrets zum Kriegsrecht seit dem Einmarsch der russischen Truppen am 24. Februar. Unterdessen meldeten die Behörden Luftangriffe durch russische Streitkräfte in Charkiw im Norden sowie Mykolajiw und Saporischschja im Süden. Moskau setze zunehmend die Luftwaffe ein, "um wichtige Infrastrukturen zu zerstören", erklärte der ukrainische Generalstab.
In der Ostukraine und auf dem südlichen Landweg zur annektierten Halbinsel Krim wurde nach dem Fall der Hafenstadt Mariupol am Freitag auch am Wochenende erbittert gekämpft. Die russische Armee konzentriert sich dort offenbar auf die Sicherung und Ausweitung der eroberten Gebiete. Im Donbass wurden nach ukrainischen Angaben acht Zivilisten getötet.
Die Lage im Donbass sei "extrem schwierig", die ukrainische Armee dränge die Offensive aber zurück, sagte Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Samstagabend in einer Video-Botschaft. Er warnte davor, dass Russland das gleiche wie in Mariupol "mit Sewerodonezk und vielen anderen Städten" machen werde. Mariupol sei "komplett zerstört".
In der Region Luhansk werden inzwischen nur noch die durch einen Fluss getrennten Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk von der Ukraine kontrolliert. Ziel der russischen Angreifer sei es, "die totale Kontrolle der Regionen Donezk und Luhansk zu erringen und einen Landkorridor zur besetzten Krim zu haben", erklärte der ukrainische Generalstab.
Nach Ansicht von Experten droht Sewerodonezk, komplett von russischen Truppen umzingelt und belagert zu werden. Selenskyj sprach von "brutalen und absolut unsinnigen" Bombardements und Angriffen auf die Zivilbevölkerung, die in Kellern und Tunneln Zuflucht sucht.
Der ukrainische Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, zeigte sich dennoch optimistisch. Seine Truppen bewaffneten sich neu und könnten "wahrscheinlich im Juni zum Gegenangriff übergehen".
Der Krieg in der Ukraine kann aus Sicht von Selenskyj letztlich nur durch Diplomatie beendet werden. Der Krieg werde "blutig sein, es wird heftige Kämpfe geben, aber endgültig enden wird er nur durch Diplomatie", sagte er am Samstag dem ukrainischen Fernsehsender ICTV.
Ukrainische und russische Unterhändler hatten sich seit dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine Ende Februar zunächst regelmäßig persönlich oder online über eine Beilegung des Konflikts beraten. Die letzte Begegnung der Chefunterhändler beider Länder fand laut russischen Nachrichtenagenturen vor einem Monat statt.
Der polnische Präsident Andrzej Duda sollte noch am Sonntag vor dem ukrainischen Parlament sprechen und später mit Selenskyj zusammentreffen. Am Montag wird eine virtuelle Rede des ukrainischen Präsidenten beim Weltwirtschaftsforum in Davos anlässlich der Eröffnung eines Forums für Kiew und seine internationalen Unterstützer erwartet.
Die Ukraine wird bei den Kämpfen durch massive westliche Waffenlieferungen unterstützt. Erst am Samstag unterzeichnete US-Präsident Joe Biden ein 40 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) schweres neues Hilfspaket für die Ukraine. Es beinhaltet unter anderem sechs Milliarden Dollar für gepanzerte Fahrzeuge und Luftabwehrsysteme für die ukrainischen Streitkräfte.
Russland meldete derweil die Zerstörung einer westlichen Waffenlieferung im Nordwesten des Landes und stoppte seine Gaslieferungen nach Finnland, das vor wenigen Tagen ebenso wie Schweden einen Antrag auf Nato-Mitgliedschaft gestellt hatte.
F.Müller--BTB