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Prägender Kirchenvertreter nach Wende: Erfurter Altbischof Wanke mit 84 Jahren gestorben
Er gehörte nach der Wende in Ostdeutschland zu den prägenden katholischen Kirchenvertretern: Der frühere Erfurter Bischof Joachim Wanke ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren gestorben, wie das Bistum mitteilte. Wanke starb im Katholischen Krankenhaus in der thüringischen Landeshauptstadt, in dem er bereits seit Freitag vergangener Woche wegen einer schweren Krankheit palliativmedizinisch versorgt wurde.
Wanke war erster Bischof des nach der Wende neu gegründeten Bistums Erfurt. Er sei zu DDR-Zeiten und in der späteren Transformationsphase nach der Wiedervereinigung "ein großer und wegweisender Ermutiger" gewesen, erklärte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) am Donnerstag. Er habe in der Region "bleibende Spuren" hinterlassen.
Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, würdigte den Verstorbenen als beeindruckenden "Seelsorger und Menschenfreund". Innerhalb und außerhalb der Kirche sei er für viele ein Vorbild gewesen. Nicht zuletzt trage "das friedliche Zusammenwachsen beider deutscher Staaten im kirchlichen Kontext seine Handschrift", schrieb Wilmer nach Angaben der Bischofskonferenz in einem Beileidsschreiben an Erfurts heutigen Bischof Ulrich Neymeyr.
Wanke war erster Bischof des 1994 nach der deutschen Wiedervereinigung neu gegründeten Bistums Erfurt und amtierte rund 18 Jahre. 2012 nahm der damalige Papst Benedikt XVI. sein aus gesundheitlichen Gründen vorgebrachtes Rücktrittsgesuch an. Wanke lebte im Ruhestand in Erfurt, nahm nach Angaben des Bistums aber weiterhin Aufgaben als emeritierter Bischof in der Erfurter Diözese wahr, "soweit seine Kräfte es zuließen".
Der gebürtige Breslauer wuchs im thüringischen Ilmenau auf, wurde 1966 zur DDR-Zeit in Erfurt zum Priester geweiht und erhielt dort 1980 die Bischofsweihe. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählte der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Thüringen. Damals kam es zu einer historischen Begegnung des Papsts mit Vertretern der evangelischen Kirche im Erfurter Augustinerkloster, wo der Reformator Martin Luther als Mönch gelebt hatte.
Außerdem feierte Benedikt zusammen mit Wanke einen Gottesdienst an der Wallfahrtskirche Etzelsbach im katholisch geprägten Eichsfeld. Die historischen Dimension des ersten Besuchs eines Papsts in den neuen Bundesländern fasste Wanke damals mit den Worten zusammen, es werde "in den nächsten tausend Jahren kein Papst mehr nach Thüringen kommen".
Sowohl Voigt als auch Wilmer erinnerten auch an Wankes Wirken zu Zeiten der DDR und in der von sozialen wie gesellschaftlichen Verwerfungen gekennzeichneten Umbruchphase nach der Vereinigung. Er habe für eine Kirche gestanden, "die das Unrecht in der DDR benannte und gleichzeitig Perspektiven für ein Zusammenleben aufzeigte", erkläre Wilmer in Bonn.
Ostdeutschland ist weitgehend protestantisch geprägt, die katholische Kirche spielt demgegenüber traditionell eine kleinere Rolle. In der DDR galt laut Verfassung zwar die Religionsfreiheit, der Staat übte aber politischen Druck auf die Kirchen aus und ließ sie strikt überwachen, weil sie eine unerwünschte potenzielle weltanschauliche Konkurrenz zum Sozialismus darstellten. Zum Ende der DDR war die Kirchenbindung gering.
Nach der Wende wurden 1994 in Erfurt, Magdeburg und Görlitz drei neue Bistümer gegründet, das Bistum Berlin wurde vom Vatikan außerdem zum Erzbistum erhoben. Der Schritt galt damals als historisch, weil viele Gebiete formal zu westdeutschen Mutterdiözesen gehörten. Das Bistum Erfurt etwa ist bis heute Teil der übergeordneten Kirchenprovinz Paderborn mit dem Erzbistum Paderborn sowie dem Bistum Fulda.
Zuständig ist das Bistum Erfurt nach Zahlen von 2024 für knapp 131.000 Katholiken und gehört zu den kleinsten deutschen Bistümern. Nur die Bistümer Görlitz, Magdeburg und Dresden-Meißen haben weniger Gläubige.
B.Wyler--VB