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Europäische Verbände verzichten nach Fifa-Drohung auf "One-Love"-Armbinden bei WM
Die Drohung des Weltfußballverbands Fifa mit Sanktionen gegen Spieler, die bei der WM in Katar mit einer "One Love"-Armbinde auflaufen, ist auf scharfe Kritik gestoßen. Neben Politikern von SPD und Grünen zeigte sich auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International empört über das Verhalten der Fifa. Die Kapitäne europäischer Mannschaften werden wegen der Drohung nicht wie angekündigt eine Armbinde als Zeichen für Vielfalt und Toleranz tragen.
Der Weltfußballverband Fifa habe "sehr deutlich" zu verstehen gegeben, dass er "sportliche Sanktionen" verhängen werde, "falls unsere Kapitäne die Armbinden auf dem Spielfeld tragen", erklärten sieben für die Fußball-WM in Katar qualifizierte europäische Fußballverbände am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Der deutsche Mannschaftskapitän Manuel Neuer wollte ebenso wie seine Kollegen aus den Niederlanden, England, Wales, der Schweiz, Belgien und Dänemark die vielfarbige Armbinde mit einem Herz als Zeichen gegen Diskriminierung während des Turniers in dem Golfstaat tragen.
Fifa-Regeln verbieten es Spielern, Kleidung zu tragen, die nicht vom Weltverband autorisiert wurden. Bei Zuwiderhandlung drohen den Spielern gelbe Karten.
Die Armbinden sind Teil einer Kampagne für Inklusion. Sie gelten als Protest gegen die Gesetze des WM-Gastgebers Katar, der unter anderem Homosexualität unter Strafe stellt.
"Als nationale Verbände können wir unsere Spieler nicht in Situationen bringen, wo sie mit sportlichen Sanktionen wie Verwarnungen rechnen müssen", hieß es in der Erklärung der Verbände, darunter auch der Deutsche Fußballbund (DFB).
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty bezeichnete die Fifa-Drohung als "grotesk". "Die Fifa fährt schweres Geschütz gegen einzelne Spieler auf, um nationale Fußballverbände daran zu hindern, sich für Menschenrechte auszusprechen", erklärte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko, in Berlin.
Dies sei "ein weiterer Beleg dafür, dass die Fifa ihre eigenen Werte und Verantwortlichkeiten mit Füßen tritt". Die Fifa habe sich "zu den Menschenrechten bekannt und dazu gehört auch das Recht, zu lieben, wen man möchte, ohne Angst vor Verfolgung und Diskriminierung".
SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sagte in Berlin, für alle Fußballfans sei die "Fifa als Weltfußballorganisation eine schlichte Schande". Mit ihrem "Druck und ihrer Unklarheit", was mögliche Sanktionen angeht, habe die Fifa dafür gesorgt, dass diese Binden nun "schlussendlich nicht getragen werden können". Die Fifa hindere "Sportlerinnen und Sportler an ihrer freien Meinungsäußerung" und falle den "Menschen in Katar und anderswo in den Rücken".
SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte in Berlin, dass die Fifa "den DFB so massiv unter Druck gesetzt" habe, sei "unter Partnern (...) mit Sicherheit nicht gerade freundschaftlich und schon gar nicht kollegial". Er würde sich "manchmal mehr Zivilcourage von Seiten der Fifa" wünschen.
Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte in Berlin, der Fall spreche für sich, "was die unsägliche Politik der Fifa angeht". Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne), kritisierte nicht nur die Fifa, sondern zeigte sich auch enttäuscht über das Einknicken der deutschen Nationalmannschaft. "Die ganze WM in Katar ist eine ungeheuerliche Farce", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
In ihren Statuten verbiete die Fifa ausdrücklich die Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung, sagte Lehmann. "Nun bekämpft sie sogar Mannschaften und Spieler, die sich für genau diese Botschaft einsetzen wollen." Er sei aber "auch zutiefst enttäuscht vom DFB und erwarte, dass der Verband die eigenen Spieler stärkt und sich klar während des Turniers für die Menschenrechte positioniert".
L.Dubois--BTB