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Opec+-Länder erhöhen nach überraschendem Austritt der Emirate ihre Ölförderquote
Nach dem überraschenden Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der Opec+ haben sieben führende Mitgliedsländer ihre Öl-Förderquote erhöht. Saudi-Arabien, Russland und fünf weitere große Förderländer in der Organisation erdölexportierender Länder und ihrer Partner (Opec+) würden im Juni täglich 188.000 Barrel zusätzlich fördern, kündigte die Organisation am Sonntag auf ihrer Website an. Ob die Vorgabe praktisch umgesetzt werden kann, gilt wegen der Folgen des Iran-Kriegs allerdings als fraglich.
Die höhere Fördermenge beruhe auf der "gemeinsamen Verpflichtung, die Stabilität des Ölmarkts zu stützen", erklärten die Opec+-Staaten. Die Erhöhung der Förderquote war bereits erwartet worden.
In ihrer Erklärung ging die Opec+ nicht darauf ein, dass die Emirate am 1. Mai überraschend ausgetreten waren. Dies offenbare Spannungen mit Abu Dhabi, sagte der Experte Jorge León von der Beratungsfirma Rystad Energy der Nachrichtenagentur AFP. Indem die Organisation ihren Kurs bei der Ölförderung fortsetze, versuche sie, die "internen Brüche" zu überspielen und ein "Bild der Stabilität" abzugeben. Die Organisation wolle die Botschaft aussenden, dass der Austritt der Emirate ihren Kurs nicht beeinträchtige.
Zu der neuen Ölförderquote bekennen sich Saudi-Arabien, Russland, der Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und der Oman. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die neue Quote auf dem Papier in der Realität auch erreicht werden kann.
Schließlich befinden sich die wichtigsten Ölförderstätten der Opec+ in der Golfregion. Deren Exporte werden durch die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran behindert. Laut Rystad Energy hatten die Opec+-Staaten, die die Einhaltung von Förderquoten zugesagt haben, im März täglich rund neun Millionen Barrel Erdöl zu wenig gefördert.
Von den eingeschränkten Öl-Exporten und den dadurch steigenden Ölpreisen profitiert Russland am meisten. Wegen der Folgen seines Krieges gegen die Ukraine hat Russland allerdings ebenfalls Mühe, seine Förderquoten zu erfüllen.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten am Dienstag inmitten der Energiekrise überraschend ihren Austritt für den 1. Mai angekündigt. Das Land war seit 1967 Mitglied der Organisation. "In unserer Zeit in der Organisation haben wir zum Wohle aller bedeutende Beiträge geleistet und noch größere Opfer gebracht", zitierte die staatliche emiratische Nachrichtenagentur WAM aus einer Erklärung. Es sei nun jedoch "an der Zeit, unsere Anstrengungen auf das zu konzentrieren, was unser nationales Interesse gebietet".
Mit dem Austritt aus der Opec können die VAE nun selber Fördermenge und Preis ihres Erdöls bestimmen. Das Land wolle "nicht durch Quoten eingeschränkt werden", sobald sich die Marktlage wieder normalisiert habe, hieß es aus dem Umfeld des Energieministeriums in Abu Dhabi.
Am Sonntag kündigte das staatliche emiratische Öl-Unternehmen Adnoc an, in den kommenden beiden Jahren umgerechnet rund 46,45 Milliarden Euro in neue Projekte zu investieren. Damit will der Staatskonzern nach eigenen Angaben sein Wachstum beschleunigen. Die Emirate bringen sich damit als bedeutender Konkurrent der Opec+-Staaten in Stellung.
Für die Organisation besteht außerdem die Gefahr, dass andere Staaten austreten. So wurden Kasachstan und der Irak häufig dafür gerügt, dass sie ihre innerhalb der Opec+ festgelegten Quoten übertroffen hatten.
I.Stoeckli--VB