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PFAS-Verschmutzung: Auftakt im Prozess gegen Chemiekonzern 3M in Belgien
Rund 1400 belgische Anwohnerinnen und Anwohner gegen einen US-Chemiekonzern: In der Stadt Antwerpen hat am Dienstag ein Schadenersatzprozess gegen das Unternehmen 3M wegen der Verschmutzung mit sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) begonnen. Die Klägerinnen und Kläger wollen eine Entschädigung für mögliche Gesundheitsschäden erstreiten, die ihnen wegen des jahrelangen Kontakts mit den Chemikalien drohen könnten. Ein Urteil wird in frühestens einem Monat erwartet.
"Es ist Gift, das in unseren Garten gelangt ist, in unser Blut", sagte die Klägerin Petra Praet der Nachrichtenagentur AFP. Sie wohnt seit 25 Jahren in der Nähe der Fabrik. Sie hoffe, "dass die Verantwortlichen ihre Verantwortung übernehmen". Sie mache sich Sorgen, in Zukunft an den Folgen der PFAS-Verschmutzung zu erkranken. Bei einigen ihrer Mitkläger war eine stark erhöhte Konzentration an PFAS im Blut nachgewiesen worden.
3M betreibt seit 1970 eine Chemiefabrik in Zwijndrecht in der Nähe des Hafens von Antwerpen. Im Zuge von Bauarbeiten war 2021 eine starke Verschmutzung des Bodens und des Grundwassers in der Umgebung der Fabrik entdeckt worden. 3M hat die PFAS-Produktion an dem Standort nach eigenen Angaben 2024 eingestellt - die sogenannten Ewigkeitschemikalien bleiben jedoch in der Umwelt.
PFAS mit den Untergruppen PFOS und PFOA sind per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die synthetisch hergestellt werden. Sie sind wasser- und fettabweisend und stecken deshalb in etlichen Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen, Funktionskleidung, Imprägniersprays und Einweg-Verpackungen. Sie sind biologisch nicht abbaubar und reichern sich in der Natur und im menschlichen Körper an.
Studien deuten darauf hin, dass einige der Chemikalien bei Menschen die Leber und das Immunsystem schädigen, die Wirkung von Impfungen und die Fruchtbarkeit verringern und Krebs erzeugen können. Anwalt Geert Lenssens will für seine Mandanten deshalb je 20.000 Euro als "provisorischen Ausgleich" für mögliche Gesundheitsschäden erstreiten. Die Forderungen belaufen sich insgesamt auf fast 30 Millionen Euro.
"Das ist wichtig, weil eine Krankheit auch mehrere Jahrzehnte später erst auftreten kann", sagte Lenssens der AFP. Er verwies zudem auf einen möglichen Wertverlust der Häuser der Anwohnerinnen und Anwohner. Neben dem Zivilprozess laufen die Ermittlungen für ein Strafverfahren gegen 3M, in dem bislang keine Anklage erhoben wurde.
Der Konzern verwies auf eine außergerichtliche Einigung mit der Region Flandern aus dem Jahr 2022. 3M hatte damals 571 Millionen Euro "Reparationen" an die Region gezahlt und sich zu einer Reinigung des Bodens in der Umgebung der Fabrik verpflichtet.
Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einem umfassenden PFAS-Verbot, hat die Gesetzesinitiative aber schon mehrfach verschoben. Der Vorschlag dürfte noch mehrere Monate auf sich warten lassen: Zuvor müssen Studienergebnisse der europäischen Chemieagentur ECHA vorliegen, die zum Jahresende erwartet werden.
W.Huber--VB