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BA-Chefin Nahles: Jobchancen für Arbeitslose derzeit "so niedrig wie nie zuvor"
Die Chancen für Arbeitslose in Deutschland auf einen Job haben nach den Worten der Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, ein Rekordtief erreicht. Der entsprechende Indikator sei derzeit "so niedrig wie nie zuvor", sagte sie dem Portal Web.de laut Meldung vom Freitag. Der Arbeitsmarkt sei "seit Monaten wie ein Brett", es komme "kein Schwung rein".
Der Indikator zeigt an, "wie hoch die Wahrscheinlichkeit für arbeitslose Menschen ist, wieder einen Job zu finden", sagte Nahles. Meist liegt der Wert demnach bei sieben, "jetzt aber bei 5,7 – so niedrig wie nie zuvor".
Die Arbeitslosenzahl in Deutschland betrug im November 2,885 Millionen, die Arbeitslosenquote lag bei 6,1 Prozent. Das waren zwar 0,1 Prozentpunkte weniger als im Oktober. Im Vergleich zu November 2024 stieg sie aber um 0,2 Prozentpunkte.
Nahles verwies in dem Interview auch auf positive Aspekte. Zwar gebe es eine erhöhte Arbeitslosigkeit, "aber gleichzeitig sind so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik", sagte sie. "Da ist eine Arbeitslosenquote um die sechs Prozent, wie wir sie auch für die nächsten Monate erwarten, im internationalen Vergleich nicht so dramatisch."
Gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben laut Nahles immer noch die besten Chancen am Arbeitsmarkt. Gleichwohl ist aus ihrer Sicht keine Gruppe von Beschäftigten mehr vor dem Jobverlust sicher.
Für Jobeinsteiger seien die Aussichten derzeit schlecht. "Wir haben so wenig junge Menschen in Ausbildung vermittelt bekommen wie seit 25 Jahren nicht", sagte Nahles mit Blick auf 2025. Jobeinsteigern rät die BA-Chefin, sich nicht auf einen einzigen Berufswunsch zu versteifen. Außerdem sei regionale Mobilität bei der Stellensuche hilfreich. "Oft gibt es Jobs, nur eben nicht vor der Haustür."
Als Problem definierte Nahles in dem Interview mit Web.de, dass "sich hier eine konjunkturelle Krise, die schon drei Jahre anhält, mit strukturellen Herausforderungen" vermische. "KI, E-Mobilität, Quantencomputing – daraus muss man jetzt neue Geschäftsmodelle machen", forderte sie. Auf die Frage, wie das hinzubekommen sei, antwortete sie: "In jedem Fall nicht, indem man nur übers Bürgergeld redet." Es brauche "echte Zusammenarbeit von allen Seiten: Politik, Forschung, Unternehmen".
An der geplanten Bürgergeldreform begrüßte Nahles, "dass von den Kunden wieder mehr Mitwirkung verlangt wird und wir zu klaren Regeln bezüglich der Sanktionen kommen". Das Kabinett hatte Mitte Dezember beschlossen, das Bürgergeld nach nur drei Jahren durch ein neue Grundsicherung zu ersetzen, die härtere Regeln und scharfe Sanktionen vorsieht. Außerdem soll künftig wieder der sogenannte Vermittlungsvorrang für Arbeitslose gelten - also vorrangig die möglichst schnelle Vermittlung in einen Job statt beispielsweise einer Weiterbildung.
Nahles kritisierte daran: "Diese Regelung kann aus meiner Sicht wirklich problematisch werden, wenn nicht auf das Qualifikationsprofil der einzelnen arbeitslosen Menschen geachtet wird." Die Bürgergeld-Diskussion dürfe "den Arbeitsmarkt nicht ausblenden", forderte sie. Der Reform muss noch der Bundestag zustimmen. In Kraft treten soll sie zum 1. Juli 2026.
Die Fähigkeiten der arbeitslosen Menschen würden "oft nicht zu den freien Stellen" passen. "Daran ändert ein Vermittlungsvorrang erst einmal nichts", sagte Nahles. Qualifizierung bleibe wichtig. "Sonst stehen die Menschen nach drei Monaten wieder beim Jobcenter vor der Tür."
W.Huber--VB