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Neuer Boeing-Chef Ortberg will US-Flugzeugbauer wieder auf Kurs bringen
Mit einem Bekenntnis zu Transparenz und Mitarbeiternähe hat Robert "Kelly" Ortberg beim kriselnden US-Flugzeugbauer Boeing seinen Posten als neuer Konzernchef angetreten. Ortberg kündigte am Donnerstag an, vom ersten Tag an persönlich in den Fabrikhallen des Flugzeugbauers nahe Seattle im US-Bundesstaat Washington anwesend zu sein, wie aus einer von Boeing veröffentlichten Botschaft Ortbergs an die Beschäftigten hervorgeht.
Dort wolle er "mit den Mitarbeitern sprechen und mich über die Herausforderungen informieren, die wir bewältigen müssen", erklärte der neue Unternehmenschef. Zugleich wolle er sich über die "Sicherheits- und Qualitätspläne" informieren.
Boeing steht derzeit wegen Vorwürfen zu Sicherheitsmängeln an seinen Flugzeugen massiv unter Druck - unter anderem wegen eines aufsehenerregenden Vorfalls im Januar, bei dem einer 737 MAX 9 von Alaska Airlines während des Fluges eine Kabinentürabdeckung abgefallen war; die Maschine musste notlanden.
Auch finanziell hat der US-Luftfahrtriese und Airbus-Konkurrent derzeit große Mühe, sich von den Folgen zweier tödlicher Abstürze von Boeing-Passagiermaschinen in den Jahren 2018 und 2019 sowie den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Luftfahrtindustrie zu erholen.
Die Ernennung Ortbergs zum Nachfolger des bisherigen Konzernchefs Dave Calhoun war am 31. Juli bekanntgegeben worden - am selben Tag, an dem Boeing für das zweite Quartal einen herben Verlust von mehr als 1,4 Milliarden Dollar (1,28 Milliarden Euro) bekanntgeben musste.
Ortberg, der für die Nachfolge des 67-jährigen Calhoun aus dem Vorruhestand zurückkehrt, hat indes große Erfahrung als Luftfahrtmanager. Er arbeitete bereits mehr als 35 Jahre in der Branche und lotste unter anderem das Unternehmen Collins Aerospace, heute eine Filiale des Konzerns RTX, durch mehrere Fusionen und Übernahmen.
Branchenbeobachter bedachten Ortberg bereits vor seinem Amtsantritt mit Vorschusslorbeeren: "Wir sehen Kelly Ortberg als Gewinn für Boeing", schrieben etwa die Analysten von Melius Research. Er habe "einen technischen Hintergrund" und "Erfahrung in der Leitung eines börsennotierten Unternehmens". Zudem blicke Ortberg auf "eine jahrzehntelange Tätigkeit in der Luft- und Raumfahrtindustrie" zurück - und er sei "ein Außenstehender, was einen neuen Ansatz zur Lösung der Probleme von Boeing ermöglichen sollte".
Das drängendste Thema für Ortberg dürfte nun die Wiederherstellung der Produktionsqualität sein. Boeing hat dazu auf Verlangen der US-Flugaufsichtsbehörde FAA bereits einen Fahrplan erstellt. Um die notwendigen Qualitätsstandards zu erreichen, soll außerdem der 2005 ausgegliederte Zulieferer Spirit AeroSystems wieder Teil von Boeing werden - für 4,7 Milliarden Dollar.
In seiner Mitteilung an die Beschäftigten versprach Ortberg am Donnerstag ferner, schon bald "viele unserer Standorte" besuchen zu wollen. Er freue sich darauf, "Teammitglieder auf der ganzen Welt zu treffen". Außerdem wolle er "bei jedem Schritt transparent sein", versprach er. "Obwohl wir eindeutig viel Arbeit vor uns haben, um das Vertrauen wiederherzustellen, bin ich zuversichtlich, dass wir das Unternehmen wieder zu dem Branchenführer machen werden, den wir alle erwarten."
H.Weber--VB