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90.000 Passagiere von Streik an Flughäfen betroffen - Wissing will "Osterfrieden"
Zehntausende Passagiere müssen wegen der Streiks des Sicherheitspersonals in dieser Woche auf ihren Flug verzichten. Am Donnerstag mussten 580 Flüge gestrichen werden, betroffen waren 90.000 Flugreisende, wie der Flughafenverband ADV mitteilte. Auch am Freitag ist mit massiven Einschränkungen zu rechnen. Der Verband der Fluggesellschaften forderte "gesetzliche Spielregeln" für künftige Streiks, Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) rief zu einem "Osterfrieden" auf.
Am Donnerstag waren an den Flughäfen in Berlin, Hamburg und Stuttgart die Beschäftigten in der Fluggastkontrolle, der Personal- und Warenkontrolle, der Frachtkontrolle und den Servicebereichen zum Streik aufgerufen. An den Airports Karlsruhe/Baden-Baden und Köln/Bonn waren die Fluggastkontrolleure im Ausstand, in München die Personal-, Waren- und Frachtkontrolleure.
Die Flughäfen Berlin, Stuttgart und Hamburg verwiesen auf ihren Websites darauf, dass "keine Abflüge" von Passagierflügen möglich seien. Auch am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden wurden alle Abflüge gestrichen oder umgeleitet. Ab Köln/Bonn starteten nur in der Nacht zum Donnerstag noch einige Maschinen.
Der Flughafenverband ADV sprach von einem "Horrorszenario für die betroffenen Fluggäste". Die Streiks hätten "weitreichende Folgen für die individuelle Mobilität und die Wirtschaftsabläufe". Arbeitskämpfe müssten stets verhältnismäßig und die Ultima Ratio sein. "Flughäfen gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen vor Streikeskalationen geschützt werden", forderte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) schlug als neue Spielregeln für Streiks im kritischen Verkehrsbereich Schlichtungsverpflichtungen, verpflichtende Ankündigungsfristen und Notdienstregelungen vor. Sie sollen es möglich machen, "eine Mindestversorgung an Mobilität für Menschen und Güter aufrechtzuerhalten".
Minister Wissing mahnte einen "Osterfrieden" von Gewerkschaften nicht nur im Luftverkehr, sondern auch bei der Deutschen Bahn an. "Die Gewerkschaften sollten rechtzeitig klarstellen, dass während der Osterzeit nicht gestreikt wird", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Über Ostern seien zahllose soziale Begegnungen geplant, die nicht stattfinden könnten, wenn die Bahn nicht fahre und Flugzeuge am Boden blieben.
Zudem bekräftigte der Minister seine Überzeugung, dass die Prüfung einer Anpassung des Streikrechts notwendig sei. Das solle aber erst geschehen, wenn die aktuellen Tarifkonflikte beigelegt seien.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will mit dem Streik den Druck auf die Arbeitgeber vor der nächsten Tarifverhandlungsrunde erhöhen, die für den 20. März angesetzt ist. Am Mittwoch hatte sie eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf die Flughäfen in Dresden, Hannover, Leipzig, Dortmund und Weeze am Freitag angekündigt.
An den nicht betroffenen Flughäfen dürften dann mehr Passagiere abfliegen. "Durch Umbuchungen aufgrund des Streiks kann es zeitweise ein erhöhtes Passagieraufkommen geben", warnte am Donnerstag etwa der Flughafen Berlin. Fluggäste sollten zweieinhalb Stunden vor Abflug am Airport sein.
In der Luftsicherheit arbeiten bundesweit rund 25.000 Menschen. Verdi verhandelt mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) über höhere Gehälter und fordert unter anderem auch höhere Funktionszulagen und Mehrarbeitszuschläge.
O.Schlaepfer--VB