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Handgemenge und Pfiffe von Bauern gegen Macron bei Landwirtschaftsmesse in Paris
Chaos auf der Pariser Landwirtschaftsmesse: Am Eröffnungstag ist es am Samstag zu teils gewaltsamen Protesten gegen Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron gekommen. Hunderte Demonstranten durchbrachen am Morgen ein Tor auf dem Messegelände und lieferten sich Auseinandersetzungen mit dem Ordnungsdienst, wie AFP-Reporter berichteten. Macron eröffnete die Messe mit viereinhalb Stunden Verspätung, während Rufe wie "Hau ab" und Rücktrittsforderungen aus dem Publikum zu hören waren.
Unter den Beteiligten an den Zusammenstößen befanden sich Mitglieder der Bauernverbände FNSEA, Jeunes agriculteurs und Coordination rurale. Als sie Macron zur Rede stellen wollten, kam es zu Handgreiflichkeiten mit dem Sicherheitspersonal, das versuchte, ihnen den Weg zu versperren. Zahlreiche Polizisten eilten anschließend herbei, um die Demonstranten zurückzudrängen.
Die Landwirte protestierten mit Pfiffen und Buhrufen gegen Macron und forderten dessen Rücktritt. "Die Jagd auf Macron ist eröffnet", skandierten einige Demonstranten.
Der Präsident, der sich vor der offiziellen Eröffnung mit den Vorsitzenden der Bauernverbände zu einem Gespräch traf, rief die Landwirte zur Zurückhaltung auf. Die Messe müsse "ruhig verlaufen", erklärte er. Zugleich betonte er, dass nicht zu erwarten sei, dass die Regierung "in wenigen Stunden eine Antwort auf diese Krise in der Landwirtschaft" liefere. Macron kündigte an, "alle Gewerkschaftsorganisationen und alle landwirtschaftlichen Sektoren" in drei Wochen zu einem Treffen im Elysée-Palast zu empfangen.
Spontan sprach Macron schließlich zwei zusätzliche Stunden mit weiteren Bauerngewerkschaftern. "Ich ziehe immer den Dialog der Konfrontation vor", sagte der Staatschef und versicherte den Landwirten, dass die Regierung ihre Arbeit mache. "Solange das nicht auf den Bauernhöfen konkrete Formen annimmt, werden wir Ihnen im Nacken sitzen", entgegnete ihm einer der anwesenden Landwirte.
Macron machte den Landwirtschaftsvertretern auch einige Ankündigungen wie die Schaffung eines Mindestpreises zur besseren Entlohnung der Bauern. "Es ist schon eine kleine Revolution, dass das Wort Mindestpreis überhaupt in den Mund genommen wird", sagte ein Sprecher des linken Bauernverbands Confédération paysanne.
Bei seinem Messebesuch griff Macron auch die Politik der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN) an und verurteilte diese als "Partei des Frexits", eines Ausstiegs Frankreichs aus der EU. "Ich sage Ihnen, wenn es kein Europa gibt, gibt es auch keine Landwirtschaft", sagte er.
Es gebe "Leute, die mit einem politischen Projekt" auf der Landwirtschaftsmesse seien, "das darin besteht, dem Rassemblement National zu dienen", fuhr Macron fort. Dies dürfte eine Anspielung auf einige Gewerkschaftsvertreter des Verbands Coordination rurale gewesen sein, die dem RN nahestehen.
In Frankreich hatte es in den vergangenen Wochen heftige Proteste von Bauern und Bäuerinnen gegeben, darunter tagelange Autobahnblockaden. Anschließend kam die Regierung den Protestierenden weit entgegen. Sie sagte ein Hilfspaket im Umfang von 400 Millionen Euro sowie eine Verringerung der bürokratischen Auflagen zu. Die EU-Kommission in Brüssel lockerte zudem die Vorschriften für einen Mindestanteil an Brachland auf Ackerflächen in der EU.
Kleinere Proteste flammten danach immer wieder auf - so kippten Lastwagen am Mittwoch etwa im Westen des Landes Schutt vor einen Supermarkt.
Die französischen Staatschefs verbringen in der Regel Stunden oder den ganzen Tag auf der Landwirtschaftsmesse. Dabei kam es auch in der Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen: 2016 wurde der damalige Staatschef François Hollande von Landwirten ausgebuht und als Nichtsnutz", "Mistkerl" und "Vollidiot" beleidigt. Zuvor hatte der 2008 amtierende Präsident Nicolas Sarkozy für Schlagzeilen gesorgt, als er einem Besucher, der ihm nicht die Hand geben wollte, ein "Hau ab, du Idiot" entgegenschleuderte.
E.Gasser--VB