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DIW fordert Aufhebung von Gasnotfallplan und Stopp von LNG-Terminal auf Rügen
Zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffs gegen die Ukraine und der darauffolgenden Energiekrise kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zu dem Schluss, dass sich die Lage auf dem Gasmarkt entspannt hat. Das DIW forderte die Aufhebung des Gasnotfallplans in Deutschland und den Stopp des geplanten LNG-Terminals auf der Ostseeinsel Rügen.
Für den Winter 2023/24 bestand "zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Gasknappheit", heißt es in der am Montag veröffentlichten DIW-Analyse. Die aktuellen Füllstände der Gasspeicher in Deutschland und der EU würden ausreichen, um auch in möglicherweise noch sehr kalten Monaten Februar und März 2024 sowohl Deutschland als auch Osteuropa ausreichend zu versorgen. Daher sei zu erwarten, dass die Kapazitäten zum Winterbeginn 2024/25 wieder komplett aufgefüllt werden können. "Es ist an der Zeit, den Gasnotfallplan aufzuheben", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Den Ausbau der Flüssiggas-Terminals in Deutschland im geplanten Umfang hält das DIW daher auch für nicht mehr nötig. "Zwei bis drei temporäre Terminals kann man nutzen, um die Versorgungssicherheit zu sichern", sagte Kemfert den Funke-Zeitungen. "Aber jetzt werden dauerhafte Terminals gebaut. Das halten wir für völlig überdimensioniert, und andere Analysen bestätigen das."
Die drei bereits bestehenden schwimmenden LNG-Terminals seien in Deutschland nur zur Hälfte ausgelastet worden, heißt es in der Analyse. Die Flüssiggas-Terminals in Deutschland, Polen, Belgien, den Niederlanden und Italien zusammengenommen, liege die Auslastung bei etwa zwei Dritteln. Selbst wenn die Gasnachfrage wegen extremer Kälte stark gestiegen wäre, hätte demnach durch eine höhere Auslastung der Terminals und aus den Reserven in den Speichern genug Gas bezogen werden können.
Insbesondere bestünden "keine strukturellen Netzengpässe" innerhalb Deutschlands, die ein Terminal auf der Ostseeinsel Rügen rechtfertigen würden. Der Aufbau von Importinfrastrukturen dort sei weder notwendig noch kosteneffizient.
Denn der Bau fester LNG-Terminals birgt aus Sicht von Kemfert ein großes Risiko von Fehlinvestitionen. "Feste Terminals rechnen sich nur über Jahrzehnte im Betrieb, aber bis dahin müssen wir längst aus Gas als Energieträger ausgestiegen sein", sagte sie den Funke-Zeitungen. "Das sind stranded assets, in den Sand gesetzte Investitionen, die da getätigt werden."
O.Schlaepfer--VB