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27 Stunden Streik bei der Lufthansa - 100.000 Passagiere betroffen
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa zu einem 27-stündigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind von Mittwoch um 4.00 Uhr an bis Donnerstag um 7.10 Uhr die Flughäfen Frankfurt am Main, München, Hamburg, Berlin und Düsseldorf, wie Verdi am Montag mitteilte. Die Lufthansa kritisierte den Arbeitskampf als "in Länge und Ausmaß völlig unverständlich". Mehr als 100.000 Passagiere seien betroffen.
Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten am Boden in den Konzerngesellschaften Deutsche Lufthansa, Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo und weiteren. Verdi gab die Zahl der Mitarbeiter mit rund 25.000 an, die Lufthansa sprach von 20.000.
Laut Verdi hat die Lufthansa in den Verhandlungen bisher ein "völlig unzureichendes Angebot" vorgelegt, das "breit in den Betrieben diskutiert und dabei als unzureichend und spalterisch kritisiert" worden sei. Etwa sei im ersten Jahr eine durchschnittliche Erhöhung von weniger als zwei Prozent angeboten worden. Darüber hinaus sollten Beschäftigte außerhalb der Lufthansa Technik eine geringere Inflationsausgleichsprämie erhalten.
Der Konzern sprach von angebotenen Entgelterhöhungen von über 13 Prozent sowie "signifikanten Inflationsausgleichsprämien". Außerdem sollen Arbeits- und Vergütungsbedingungen zwischen Ost und West angeglichen werden. Das Unternehmen verweist auch auf bereits erfolgte Gehaltserhöhungen in Höhe von im Schnitt 11,5 Prozent in den vergangenen 18 Monaten.
"Insgesamt sprechen wir hier in einem Zeitraum von vier Jahren über die durchschnittliche Steigerung von Vergütung und weiteren Gehaltsbestandteilen im Volumen von rund 25 Prozent", erklärte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann. Doch "noch vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen" habe Verdi nun zum Streik aufgerufen.
Laut der Gewerkschaft haben die Beschäftigten bei der Lufthansa wegen der Inflation heute dennoch "rund zehn Prozent weniger in der Tasche als noch vor drei Jahren". Und obwohl der Konzern Rekordgewinne einfahre, "soll sich diese Situation mit dem Angebot der Arbeitgeber weiter verschlimmern". Der Streik gebe darauf "eine klare Antwort", erklärte Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky.
Die Lufthansa müsse dem Bodenpersonal die gleichen Erhöhungen zugestehen wie anderen Beschäftigtengruppen. "Dazu gab es am Verhandlungstisch jedoch keine Bereitschaft", fügte Reschinsky hinzu. Für ein Ende des Personalmangels und einen besseren Service brauche es attraktivere Arbeitsbedingungen. "Sollte die Lufthansa das nach diesem ersten Warnstreik nicht einsehen, dann sind die Beschäftigten auch zu längeren Streiks bereit."
Da das gesamte Bodenpersonal von der Wartung bis zur Passagier- und Flugzeugabfertigung zum Warnstreik aufgerufen ist, wird es laut Verdi voraussichtlich "zu größeren Flugausfällen und Verzögerungen kommen". Die Lufthansa sprach von über 100.000 betroffenen Passagieren, derzeit werde an einem Sonderflugplan gearbeitet.
Verdi fordert 12,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro monatlich. Bei einer Laufzeit von zwölf Monaten wird zudem eine konzerneinheitliche Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro gefordert. Darüber hinaus soll die Schichtarbeit aufgewertet werden.
Die Lufthansa bietet bislang vor allem einen deutlich niedrigeren Sockelbetrag von mindestens 200 Euro mehr pro Monat sowie eine drei Mal so lange Laufzeit von 36 Monaten. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 12. Februar angesetzt.
A.Kunz--VB