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Jahresinflation geht etwas zurück - 2024 "intakter Abwärtstrend" erwartet
Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im vergangenen Jahr im Schnitt um 5,9 Prozent gestiegen, vor allem Nahrungsmittel waren deutlich teurer. Verglichen mit dem Jahr 2022 ging die Gesamtinflationsrate aber etwas zurück: Damals lag sie vor allem wegen der explodierenden Energiepreise bei 6,9 Prozent. Experten erwarten in diesem Jahr einen weiteren deutlichen Rückgang der Teuerungsrate.
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gab am Donnerstag die vorläufige Inflationsrate für Dezember bekannt und damit auch eine erste Schätzung für das Gesamtjahr 2023. Im Dezember stieg die Inflationsrate demnach wieder deutlich um 3,7 Prozent im Jahresvergleich an. Grund war aber vor allem ein sogenannter Basiseffekt: Der Bund hatte im Dezember 2022 den Monatsabschlag der privaten Haushalte für Gas und Wärme übernommen, entsprechend war die Teuerung in dem Monat vergleichsweise niedrig.
In den Monaten bis Dezember 2023 war die Inflationsrate kontinuierlich gesunken: von 4,5 Prozent im September über 3,8 Prozent im Oktober auf 3,2 Prozent im November. Die Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW, Fritzi Köhler-Geib, riet trotz des "turbulenten Auf und Abs" zur Gelassenheit: "Der maßgebliche Grund für den Anstieg der Inflation liegt in der Vergangenheit." Der Basiseffekt lasse die Energiepreise von heute im Vergleich höher erscheinen, obwohl sie in den vergangenen Monaten weiter gesunken seien.
Auch der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, betonte, der Dezemberanstieg sei "als vorübergehendes Phänomen zu beurteilen". Der Abwärtstrend bei der Inflation sei "weiter intakt". Das sei auch am Rückgang der sogenannten Kernrate zu erkennen, also der Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel, und an der rückläufigen Inflationsrate für Nahrungsmittel.
Diese ging laut Statistik von 7,5 Prozent im September über 6,1 Prozent im Oktober und 5,5 Prozent im November auf 4,5 Prozent im Dezember zurück. Der Chefvolkswirt der DZ Bank, Michael Holstein, hob allerdings hervor, die Rate sei "im historischen Vergleich hoch".
Auch Linken-Chef Martin Schirdewan betonte, bei Lebensmitteln habe die Inflation 2023 deutlich über sechs Prozent gelegen. "Die Teuerung frisst Löhne und Gehälter, lässt die Kaufkraft von Sozialleistungen schwinden", sagte er. Schirdewan forderte von der Bundesregierung einen Preisstopp für Grundnahrungsmittel.
"Die großen Supermarktketten müssen garantieren, dass ein Warenkorb aus Grundnahrungsmitteln zu einem festgelegten Höchstpreis angeboten wird. Der Höchstpreis des Warenkorbs muss sich am Bürgergeld-Regelsatz für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke orientieren." Zum Grundbedarf an Lebensmitteln gehörten Getreideprodukte, Kartoffeln, Öl sowie Obst- und Gemüsesorten.
Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, eine sinkende Inflation bedeute keineswegs, dass die Preise fallen - "sie steigen nur weniger schnell". Auch sie verwies auf die noch immer hohen Lebensmittelpreise im Supermarkt, die zu oft einer "Blackbox" glichen. Sie forderte erneut eine Preisbeobachtungsstelle, "um für mehr Transparenz bei den Lebensmittelpreisen zu sorgen".
Experten erwarten, dass der Preisdruck zum Jahresbeginn vorerst weiter erhöht bleiben wird. Das liegt vor allem am erhöhten CO2-Preis und der wieder gestiegenen Mehrwertsteuer in der Gastronomie. IMK-Direktor Dullien geht daher für Januar von einer Teuerung "in etwa auf dem Dezember-Niveau" aus.
"Ab Februar ist dann mit einem erneuten Einsetzen des Abwärtstrends bei der Inflation zu rechnen", erwartet er. "Im Jahresverlauf dürfte die deutsche Teuerungsrate in Richtung zwei Prozent fallen." Für das Gesamtjahr 2024 rechnet das IMK demnach im Durchschnitt mit einer Inflation von 2,5 Prozent. Auch Köhler-Geib von der KfW rechnet mit einem "intakten Abwärtstrend".
I.Stoeckli--VB