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IMK sieht Rezessionsgefahr für drittes Quartal bei knapp 80 Prozent
Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung rechnet auch im dritten Quartal mit einer Rezession in Deutschland und hat vor diesem Hintergrund vor weiteren Leitzinserhöhungen gewarnt. Für den Zeitraum Juli bis Ende September weise der Konjunkturindikator ein Rezessionsrisiko von 78,5 Prozent aus, erklärte das IMK am Mittwoch. Das bedeute eine "akute Rezessionsgefahr", nachdem die Wahrscheinlichkeit im Juni noch gut 49 Prozent betragen hatte.
Obwohl sich die Auftragseingänge für die Industrie im Mai etwas erholt hätten, werde diese Entwicklung von einer schwächelnden Produktion um Bausektor und der energieintensiven Chemieindustrie überlagert. "Die Aussichten für die deutsche Exportwirtschaft sind angesichts einer lahmenden Weltkonjunktur verhalten", analysierten die Forscher des IMK. Hinzu komme die Konsumzurückhaltung vieler Verbraucherinnen und Verbraucher.
"Die deutsche Wirtschaft erholt sich sehr viel zögerlicher von der Rezession zur Jahreswende 2022/2023, als es viele Prognostikerinnen und Prognostiker erwartet hatten“, sagt Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. In seiner aktuellen Konjunkturprognose geht das IMK von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,5 Prozent in diesem Jahr aus.
Das Institut warnte die Europäische Zentralbank (EZB) vor diesem Hintergrund vor Leitzinserhöhungen: "In dieser Gemengelage sind die Risiken einer zu restriktiven Geldpolitik, wie sie die EZB für ihre kommende Leitzinsentscheidung Ende Juli schon in Aussicht gestellt hat, für die deutsche Wirtschaft erheblich", sagte IMK-Experte Thomas Theobald. Die stark gestiegenen Zinsen hätten Konjunktur und Nachfrage bereits "so deutlich gebremst, dass davon keine Inflationsimpulse ausgingen".
Die Konjunktur in Deutschland war im letzten Quartal 2022 und im ersten Quartal 2023 zurückgegangen, damit befand sich die deutsche Wirtschaft laut gängiger Definition in einer Rezession. Die Ergebnisse zur Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal dieses Jahres veröffentlicht das Statistische Bundesamt Ende Juli.
H.Seidel--BTB