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Umfrage: Familien fühlen sich finanziell und psychisch stärker belastet
Familien in Deutschland fühlen sich einer Umfrage zufolge finanziell und psychisch deutlich stärker belastet als noch vor vier Jahren. Im Vergleich zur Vorgängerumfrage von 2018 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Eltern um zwölf Prozentpunkte, wie aus der am Dienstag vom AOK-Bundesverband vorgestellten Familienstudie hervorgeht. Nur noch 64 Prozent der Befragten schätzten demnach ihren eigenen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein.
Die finanziellen Belastungen der Eltern seien innerhalb von vier Jahren um 13 Prozentpunkte auf 40 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum seien die psychischen Belastungen um sieben Prozentpunkte auf 34 Prozent gewachsen. Dies habe direkten negativen Einfluss auf die Gesundheit der Kinder. Knapp ein Drittel der Kinder seien in ihrem seelischen Wohlbefinden beeinträchtigt. Wichtige Schutzfaktoren wie gemeinsame Rituale innerhalb der Familie nähmen ab.
Besonders schlecht schätzten Alleinerziehende sowie finanziell und sozial schwache Familien den Status ihrer Gesundheit ein. Kinder aus diesen Familien seien seltener in Sportvereinen aktiv.
"Die Ergebnisse machen deutlich, dass wir uns besonders um diese Familien kümmern müssen", erklärte AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann. Sie forderte eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Bund und Kommunen sowie eine frühe und verlässliche Ganztagsbetreuung. Gesundheitsbildung müsse in der Kita beginnen und in der Schule fortgesetzt werden.
87 Prozent der befragten Eltern finden es wichtig, dass Kinder in der Schule etwas über klima- und umweltfreundliche Ernährung lernen. Mit dem Kita-Qualitätsgesetz investiere die Bundesregierung vier Milliarden Euro in frühkindliche Erziehung, teilte der AOK-Bundesverband mit. Dazu zähle eine gesunde Gemeinschaftsverpflegung in Kitas und Schulen. "Das genügt aber noch nicht", erklärte Reimann. Die Maßnahmen müssten "künftig miteinander vernetzt und zielgerichtet in die Fläche gebracht werden".
Das Wissen um klima- und umweltfreundliche Ernährung ist in den Familien laut Umfrage noch nicht angekommen. 43 Prozent der Eltern verfügten demnach über eine inadäquate oder problematische Ernährungskompetenz. Dabei gebe es einen Zusammenhang zu gehäuften Adipositas-Fällen bei Kindern. 38 Prozent der Befragten gaben an, dass eine klima- und umweltfreundliche Ernährung ungesund sei.
Gleichzeitig wünschen sich 80 Prozent klare Vorgaben der Bundesregierung an die Lebensmittelindustrie, um die Auswahl der Produkte nach Umwelt- und Gesundheitsaspekten zu erleichtern. Ebenso schätzen 80 Prozent der Befragten den Einfluss der Ernährung auf Umwelt und Klima als wichtig ein, was sich aber noch nicht auf ihr Handeln auswirke.
Die Klima- und Umweltkrise sei die größte Gesundheitsbedrohung dieser Zeit, erklärte Martin Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. "Familien brauchen mehr Unterstützung – die Politik muss die Rahmenbedingungen verändern, um eine nachhaltige, gesunde Ernährung für alle zu ermöglichen", forderte er.
Für die Erhebung wurden zwischen August und Oktober 8500 Mütter und Väter unter anderem zu körperlicher und psychischer Gesundheit sowie Belastungen und deren Auswirkungen auf das Familienleben befragt.
I.Meyer--BTB