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EU-Staaten einigen sich auf Preisdeckel für russisches Öl
Nach den G7 haben sich auch die EU-Staaten auf einen Preisdeckel für russisches Öl geeinigt. Wie der polnische EU-Botschafter Andrzej Sados am Freitag sagte, liegt die Preisobergrenze bei 60 Dollar (57 Euro) pro Barrel für russisches Öl, das an Drittstaaten verkauft wird. Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte die Einigung, die am Wochenende in Kraft treten werde. Die USA begrüßten die Entscheidung.
Die EU-Ratspräsidentschaft schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Die EU bleibt vereint und ist solidarisch mit der Ukraine." Polen hatte zunächst einen niedrigeren Preisdeckel gefordert, Berichten zufolge um die 30 Dollar. Da der Marktpreis voraussichtlich steigen werde, seien 60 Dollar in Ordnung, sagte Sados nun. Derzeit liegt der Marktpreis von russischem Öl pro Barrel bei rund 65 Dollar.
Der Ölpreisdeckel soll es Unternehmen verbieten, russisches Öl, das über dem festgelegten Preis verkauft wird, zu transportieren oder zu versichern. Russland ist der zweitgrößte Exporteur von Rohöl weltweit. Am Montag tritt zudem das bereits beschlossene Embargo der Europäischen Union gegen die Einfuhr von russischem Rohöl auf dem Seeweg in Kraft. Dies betrifft zwei Drittel der Importe, der Rest kommt über Pipelines.
Der Ölpreisdeckel soll Russlands Einnahmen aus Ölexporten verringern - und damit auch die finanziellen Mittel, um die Offensive in der Ukraine fortzusetzen. Allerdings muss der Ölpreis weiterhin über dem Produktionspreis liegen, damit Russland weiterhin einen Anreiz hat, Öl zu verkaufen und nicht den Ölhahn zudreht.
Der Energie-Experte Phuc-Vinh Nguyen vom Delors-Institut schätzt, dass Russland seit dem Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine 67 Milliarden Euro allein mit dem Verkauf von Öl an EU-Staaten verdient hat.
Die G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA haben den Ölpreisdeckel bereits auf den Weg gebracht. Er gilt aber als wenig schlagkräftig, solange China oder Indien ihn nicht umsetzen.
Die Preisobergrenze werde dazu beitragen, die Möglichkeiten des russischen Präsidenten Wladimir Putin einzuschränken, "vom Ölmarkt zu profitieren, damit er weiterhin eine Kriegsmaschinerie finanzieren kann, die weiterhin unschuldige Ukrainer tötet", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, John Kirby, am Freitag.
Der russische Präsident hatte vergangene Woche vor "schwerwiegenden Folgen" eines Ölpreisdeckels für den globalen Energiemarkt gewarnt. Zudem verstoße eine solche Maßnahme "gegen die Prinzipien der Handelsbeziehungen", sagte Putin.
H.Seidel--BTB