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Platz neun: Straßer schimpft und tobt
Linus Straßer winkte genervt ab. Der olympische Slalom war so gar nicht nach dem Wunsch des Münchner Ski-"Löwen" verlaufen - ob im Flockenwirbel des ersten Laufs oder im Sonnenschein des zweiten: Straßer kam einfach nicht zurecht mit diesem Hang. Nach Platz neun beim Olympiasieg des Schweizer Weltmeisters Loic Meillard goss er seinen ganzen Frust über den Niedergang der olympischen Idee über diesem Hügel aus.
"Meine komplette Familie ist da, mit Freunden und so weiter. Aber du hast überhaupt keine Interaktion mit irgendwelchen Zuschauern. Wenn das der Genuss von Olympia sein soll, bin ich froh, dass das mein letztes Mal war", schimpfte der 33-Jährige, dem 1,04 Sekunden zu Bronze fehlten.
Eigentlich hatte er sich zurückhalten wollen, "ich will nicht zu viel haten", betonte Straßer im ZDF, doch er war zu aufgebracht. "Die Geschichte hinter Olympia ist unglaublich, jeder will Olympiasieger werden oder Medaillen gewinnen, ich auch", sprudelte es aus ihm heraus: "Aber hier sind wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans - das macht es doch eigentlich aus. Es ist absolut steril. Ganz ehrlich, ich kann darauf verzichten."
So ging es wohl auch Atle Lie McGrath. Nach Lauf eins lag der Norweger, der am Tag der Eröffnungsfeier seinen Großvater ("mein größtes Vorbild") verloren hatte, noch vorne, im Finale schied er aus und stapfte zerknirscht Richtung Wald. Silber hinter Meillard gewann der Österreicher Fabio Gstrein (+0,35) vor Henrik Kristoffersen (Norwegen/+1,13).
Straßer hatte das "Stockerl" bei schwieriger Sicht schon im ersten Durchgang aus den Augen verloren. "Ich würde selber gerne wissen, wo ich das Tempo verloren habe", sagte er nach Zwischenrang zwölf: "Kurssetzung, Hang - das ist keine einfache Kombination. Solche Rennen sind immer ein bisschen frustrierend. Man könnte mich noch zehnmal runterfahren lassen, und ich wüsste nicht wie."
Er tat es noch ein weiteres Mal - besser wurde es kaum. Straßer war ordentlich unterwegs, doch ausgerechnet an der Schlüsselstelle patzte er, als es galt, die Geschwindigkeit ins Flache mitzunehmen.
Andere Topfahrer hatten schon zur Halbzeit keine Chance mehr. Brasiliens Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Braathen fuhr ebenso aus dem Kurs wie Paco Rassat (Frankreich), der Triumphator von Gurgl und Adelboden, oder Kitzbühelsieger Manuel Feller aus Österreich. Von 95 Startern schieden 51 (!) im ersten Lauf aus, auch Fabian Gratz.
Die deutschen Skirennläufer warten damit weiter auf die erste Plakette seit dem Doppel-Olympiasieg von Markus Wasmeier 1994. Zum Vergleich: Die Frauen haben seitdem 15-mal Edelmetall gewonnen, darunter siebenmal Gold. Am Mittwoch im Slalom greifen Emma Aicher und Lena Dürr erneut das Podium an.
T.Ziegler--VB