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Ukrainischer Sportler Heraskewytsch wegen Gedenkhelm bei Olympia disqualifiziert
Der ukrainische Athlet Wladislaw Heraskewytsch ist wegen eines Gedenkhelms mit Porträts von im russischen Angriffskrieg getöteten Sportlern von den Olympischen Spielen disqualifiziert worden - eine Entscheidung, die in der Ukraine für Kritik sorgte. Dies sei ein "Moment der Schande" für das Olympische Komitee (IOC), erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am Donnerstag im Onlinedienst X. Das IOC hatte den Skeleton-Fahrer wegen dessen "Weigerung, sich an die Richtlinien des IOC zur Meinungsäußerung von Athleten zu halten", disqualifiziert.
Das IOC habe "nicht den ukrainischen Athleten disqualifiziert, sondern seinen eigenen Ruf", fügte Sybiha hinzu. "Das ist der Preis für unsere Würde", verteidigte Heraskewytsch seine Entscheidung nach der Disqualifizierung auf X und postete dazu ein Foto seines Helmes.
Später sagte der Athlet vor Journalisten: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich gegen keine Regel verstoßen habe." Seine Disqualifizierung sei "eine Fehlinterpretation der Regeln durch das Internationale Olympische Komitee" und sie sei eine "falsche" Entscheidung.
"Athleten, die sich fast in derselben Situation befanden, wurden anders behandelt und nicht bestraft", fuhr der Sportler fort. "Bei den Snowboard-Wettbewerben beispielsweise zeigte ein Athlet eine russische Flagge. Gemäß den Vorschriften des IOC ist die russische Flagge verboten, aber dieser Athlet wurde nicht bestraft", sagte Heraskewytsch.
Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksij Makejew, erklärte auf X: "Wie kann das IOC 'neutral' sein, wenn nicht russische Athleten disqualifiziert werden, sondern ein Ukrainer ausgeschlossen wird, der der von Russland getöteten Sportler gedenken wollte?" Neutralität heiße nicht, "Täter zu schützen und Opfer zum Schweigen zu bringen", fügte er hinzu.
"Wladislaw ist nicht an den Start gegangen, aber er war nicht allein – er hatte die ganze Ukraine hinter sich", hieß es in einer Erklärung des Ukrainischen Olympischen Komitees. "Wenn ein Sportler für Wahrheit, Ehre und Erinnerung eintritt, ist das schon ein Sieg. Ein Sieg für Wladislaw. Ein Sieg für das ganze Land."
Der Skeleton-Fahrer hatte den Gedenkhelm während eines Trainings in Cortina d'Ampezzo getragen und wollte ihn auch bei den Wettkämpfen der Winterspielen weiterhin nutzen, um an den seit bald vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen sein Land zu erinnern. Auf dem Helm sind Porträts ukrainischer Athleten zu sehen, die seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 getötet wurden.
IOC-Sprecher Mark Adams erklärte jedoch am Dienstag, dass der Helm gegen die Richtlinien zu "politischen Symbolen" bei den Olympischen Spiele verstoße. Zugleich wolle das IOC eine Ausnahme machen und Heraskewytsch erlauben, eine schwarze Armbinde zu tragen.
Der Sportler wollte ungeachtet des Verbots seinen Gedenkhelm in einem Wettkampf tragen. Das IOC gab daraufhin am Donnerstagmorgen die Disqualifizierung des Sportlers bekannt. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry habe erneut mit Heraskewytsch gesprochen und versucht, ihn zu einem Sinneswandel zu bewegen, erklärte das IOC weiter. Dem Sportler sei dabei "eine letzte Chance" gegeben worden, seine Meinung zu ändern. Dies sei jedoch nicht geschehen.
Heraskewytsch war neben der Eisschnellläuferin Jelysaweta Sydorko der Fahnenträger seines Landes beim traditionellen Einlaufen der Mannschaften bei der Olympia-Eröffnung. Der 27-Jährige erklärte zunächst, das Verbot breche ihm das Herz. Auf einer Pressekonferenz kündigte er dann an, auch im Wettkampf mit dem umstrittenen Helm anzutreten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte den Athleten seines Landes in Schutz genommen. "Ich danke dem Fahnenträger unserer Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen, Wladislaw Heraskewytsch, dafür, dass er die Welt an den Preis unseres Kampfes erinnert hat", erklärte er im Onlinedienst X. "Diese Wahrheit kann nicht unbequem oder unangemessen sein oder als 'politische Demonstration bei einer Sportveranstaltung' bezeichnet werden. Sie ist eine Erinnerung für die ganze Welt daran, was das moderne Russland ist."
Nach Angaben des ukrainischen Sportministers Matwyj Bidnyj wurden in der Ukraine "mehr als 650 Sportler und Trainer" im Krieg getötet.
Bei Olympia sind politische Gesten an Wettkampfstätten oder auf dem Medaillenpodest verboten. Sportler dürfen jedoch ihre Meinung in Pressekonferenzen und in Onlinediensten äußern.
A.Ammann--VB