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Topleistung gegen Tien: Zverev im Melbourne-Halbfinale
Alexander Zverev reckte zufrieden seinen Schläger in die Luft, auf der Tribüne jubelte Angelique Kerber über den nächsten wichtigen Schritt: Der Weltranglistendritte ist zum vierten Mal ins Halbfinale der Australian Open gestürmt. Zverev musste gegen den starken US-Youngster Learner Tien (20) zwar hart arbeiten, darf dank einer Topleistung aber weiter vom größten Erfolg seiner Karriere träumen.
Der nervenstarke Hamburger verwandelte nach 3:10 Stunden seinen vierten Matchball zum 6:3, 6:7 (5:7), 6:1, 7:6 (7:3) in einem intensiven Viertelfinalspiel. Zum zehnten Mal erreichte Zverev, der überragend aufschlug, damit die Vorschlussrunde bei einem Grand-Slam-Turnier.
Auf seiner Jagd nach dem ersten Major-Titel wartet am Freitag nun möglicherweise eine der größten Herausforderungen im Männer-Tennis: Ein Halbfinalduell mit dem Weltranglistenersten Carlos Alcaraz aus Spanien. Der Sieg über den stark aufspielenden Tien vor den Augen der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Kerber wird Zverev aber weiteres Selbstvertrauen einflößen.
Gegen 13.30 Uhr Ortszeit betrat der 28-Jährige mit konzentrierter Miene die Rod Laver Arena - und fand sich in einer klimatisierten Halle wieder. Die extreme Nachmittagshitze auf der Anlage am Yarra River mit Temperaturen von bis zu 45 Grad hatte keine entscheidenden Auswirkungen auf die Partie. Der Veranstalter hatte beschlossen, das Dach zu schließen und von Beginn an für angenehme und berechenbare Bedingungen zu sorgen.
Zverev nutzte das in der Anfangsphase zu seinem Vorteil. Er strahlte wie zuletzt Sicherheit und Dominanz aus. Der erste Satzgewinn nach 36 unaufgeregten Minuten war auch Zeugnis von Zverevs derzeitiger mentaler Stärke.
Auch die körperliche Fitness, über die sich Zverev in Melbourne zuletzt immer wieder freute, war erneut zu beobachten. Der Vorjahresfinalist nahm die Bälle früh und überzeugte erneut bei seiner einstigen Schwachstelle: Die Vorhand lief gut, abermals produzierte er mit dem Schlag deutlich mehr Winner als mit seiner gewohnt guten Rückhand.
Sein Gegner Tien hatte seinem Vornamen in den vergangenen Jahren alle Ehre gemacht und sich Stück für Stück in der erweiterten Weltspitze etabliert. Und der Linkshänder zeigte auch in der Rod Laver Arena mehrfach sein variables Spiel mit zahlreichen hübschen Stopps. Den Tiebreak des zweiten Satzes startete Zverev zwar mit zwei einfachen Serve-and-Volley-Punkten gut, doch nach drei bitteren Aktionen des Deutschen stand es plötzlich 1:1 nach Sätzen.
Zverev, der sich nur wenig vorwerfen konnte, behielt aber die Ruhe. Im wichtigen dritten Durchgang wurde Tiens Spiel fehlerhafter und Zverev zog davon, weil er beeindruckende Statistiken auflegte: 13 Winner gelangen ihm in dem Satz - bei keinem einzigen vermeidbaren Fehler. Auf seinem Weg ins Halbfinale ließ er sich danach nicht mehr aufhalten, obwohl er noch einen Satzball überstehen musste. Tien wurden zahlreiche Doppelfehler zum Verhängnis, ein eigenes Break gelang dem US-Amerikaner die gesamt Partie über nicht.
Alcaraz bestreitet sein Viertelfinale gegen den australischen Publikumsliebling Alex de Minaur später am Dienstag (ab 11 Uhr MEZ/Eurosport). Der Spanier ist so etwas wie Zverevs Lieblingsgegner unter den größten Namen im Tennis - die beiden stehen bei einer Bilanz von 6:6 in den direkten Duellen. 2024 etwa schlug Zverev Alcaraz bei den Australian Open in einem hochklassigen Viertelfinale.
R.Kloeti--VB