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Wolff-Gala gegen Österreich: Handballer legen Traumstart hin
Traumstart in die Medaillenmission: Angeführt von Torhüter Andreas Wolff haben Deutschlands Handballer beim EM-Auftakt die Nerven bewahrt und die wichtigen ersten Punkte eingefahren. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason besiegte Österreich im heiß umkämpften Bruderduell mit 30:27 (12:8) und nahm direkt Kurs auf die Hauptrunde. Mit einer lange Zeit starken Abwehrleistung stellte das deutsche Team seine großen Ambitionen unter Beweis.
In dem emotionsgeladenen Nachbarschaftsduell gelangen der DHB-Auswahl immer wieder minutenlange Phasen ohne Gegentor. Und wenn doch mal ein Ball durchkam, war häufig Wolff zur Stelle. Der Torhüter, der mit seinen "Anti-Handball"-Aussagen über den Gegner im Vorfeld der Partie für mächtig Wirbel gesorgt hatte, parierte mit dem Bein auf Kopfhöhe, hielt mit den Armen und war einmal sogar mit seinem Gesicht zur Stelle - und ließ die Österreicher so reihenweise verzweifeln.
Coach Gislason jubelte nach gelungenen Aktionen an der Seitenlinie, als wenn er selbst Teil des Defensiv-Bollwerks sei. Der 66-Jährige wechselte viel und nutzte die volle Breite seines Kaders. Zum besten deutschen Werfer avancierte vor 5820 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen von Herning Kapitän Johannes Golla mit sieben Toren.
Den Schwung kann das deutsche Team mit Blick auf die kommenden Aufgaben gut gebrauchen. Die weiteren Vorrundenspiele bestreitet das deutsche Team gegen Serbien am Samstag (20.30 Uhr/ARD) und gegen Spanien am Montag (20.30 Uhr/ZDF). Nur die ersten beiden Teams erreichen die zweite Turnierphase, in welche die Punkte gegen die ebenfalls qualifizierte Mannschaft mitgenommen werden. Erklärtes DHB-Ziel ist der Einzug ins Halbfinale.
Die Stimmung für das Nachbarduell war nach den provokanten Wolff-Sätzen ("Österreich spielt absoluten Anti-Handball. Das möchte eigentlich keiner sehen") mächtig aufgeheizt. Und so rief Gislason seine Spieler kurz vor der Partie zu "Lockerheit" auf. In einem Eröffnungsspiel sei es "extrem wichtig, dass keiner verkrampft, alle aufeinander vertrauen", so der Isländer am ARD-Mikrofon. Es gehe darum, "das Zusammensein mit den Kollegen zu genießen und dass der Spaßfaktor wirklich da ist. Dafür müssen wir uns konzentrieren - in Angriff und Abwehr."
Dies gelang dem deutschen Team zunächst richtig gut, besonders in der Abwehr. Fünf Minuten lang blieb Wolff ohne Gegentor, Deutschland führte nach dem zweiten verwandelten Siebenmeter von Lukas Zerbe mit 4:1 (10.). Weil aber auch Österreich, das der deutschen Mannschaft bei der letzten EM noch ein Remis (22:22) abgetrotzt hatte, richtig gut verteidigte, blieb es in der Anfangsphase ein Spiel mit wenig Toren. Österreich glich in der 18. Minute wieder aus.
Die DHB-Auswahl ließ sich vom Zwischenspurt des Gegners aber nicht verunsichern - und profitierte nun auch von seinen Wechselmöglichkeiten. Erst stellte Kreisläufer Golla per Doppelpack auf 8:6, wenig später schraubte Zerbe die Führung in einer Phase von zehn Minuten mit nur einem Gegentreffer auf 11:7. "Ey Jungs, das ist eine phänomenale Abwehr. Wir zermürben sie in der Abwehr", rief Gislason in der Auszeit seinen Spielern zu. Die Vier-Tore-Halbzeitführung? Folgerichtig.
Zwar robbte sich Österreich nach der Pause zunächst nochmal bis auf 14:12 heran, doch Deutschland kam nun ins Rollen und zog dank eiskalt verwandelter Schnellangriffe ruckzuck bis auf 18:13 davon. Als Wolff nach einem Gesichtstreffer beim Stand von 19:14 (41.) kurzzeitig runter musste, stand eine starke Quote von 36 Prozent gehaltener Bälle zu Buche. Es kamen weitere Paraden hinzu, das deutsche Team rettete den Vorsprung über die Zeit.
S.Leonhard--VB