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Noosha Aubel: Ist sie Potsdams Problemen gewachsen?
Noosha Aubel trat mit einem großen Vertrauensvorschuss an. In der Stichwahl erhielt sie 72,9 Prozent der Stimmen. Zur vollständigen Einordnung gehört allerdings auch, dass sich lediglich nur 42,5 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten. Dies war offenbar der Amtsführung ihres Vorgängers Mike Schubert (53, SPD) geschuldet. Aubel selbst wollte nach ihrem Amtsantritt am 24. Oktober 2025 keine hunderttägige Schonfrist. Politik, so ihr vollmundiger Anspruch, sollte nahbar, transparent und wirksam sein, die Verwaltung modern und menschlich. Wer solche Erwartungen weckt, darf sich nicht darüber beklagen, früh an den eigenen Ankündigungen gemessen zu werden.
Großer Anspruch, wachsende Ernüchterung
Die neue Oberbürgermeisterin hat Potsdams Probleme nicht verursacht. Sie übernahm eine Stadt mit angespannter Haushaltslage, stockender Verwaltung, langen Wartezeiten im Bürgerservice, Wohnraummangel und einer Verkehrssituation, die viele Einwohner seit Jahren belastet. Gewählt wurde Aubel jedoch gerade deshalb, weil sie den Eindruck vermittelte, diese Erstarrung überwinden zu können.
Der Hinweis auf Altlasten kann daher keine dauerhafte Entschuldigung sein, insbesondere ein nicht nur moralisch beschämender Kita-Skandal um ein mehrfach schwerstbehindertes Kleinkind im Alter von zwei Jahren, welches trotz gesetzlichem Rechtsanspruch, auch nach weit über 1,5 Jahren immer noch keinen Kita-PLatz mit Einzelfallhelfer hat (https://www.HamburgerAnzeiger.de/Politik/711963-noosha-aubel-unter-druck-potsdams-rathaus-zwischen-alleingangen-und-kita-skandal.html).
In den ersten Monaten der Amtszeit von Aubel zeigte sich vor allem eine Schwäche: Die erfahrene Verwaltungsfrau unterschätzte offenbar, dass eine Landeshauptstadt nicht allein durch fachliche Überzeugung und mittels schöner Facebook-Posts geführt werden kann. In einer zersplitterten Stadtverordnetenversammlung müssen Mehrheiten vorbereitet, Interessen ausgeglichen und Konflikte möglichst vor einer öffentlichen Präsentation entschärft werden.
Beim Kreativhaus Rechenzentrum stellte Aubel einen Kompromiss vor, bevor eine belastbare Mehrheit erkennbar war. Zwischenzeitlich konnten dem Vorschlag lediglich vier von 56 Stadtverordneten etwas abgewinnen. In der Auseinandersetzung um die Wasserversorgung folgten auf eine Abstimmungsniederlage eine überraschende Kurskorrektur und neue Pläne. Vertreter unterschiedlicher politischer Lager warfen Aubel mangelndes taktisches Geschick sowie einen präsidialen Führungsstil ohne gesicherte Mehrheit vor. Auch frühere Unterstützer zeigten sich zunehmend ernüchtert.
Dass Aubel später doch Mehrheiten für den Weiterbetrieb des Rechenzentrums, eine Mietpreisbremse bei der Pro Potsdam und weitere umstrittene Vorhaben organisieren konnte, spricht gegen das pauschale Urteil völliger Handlungsunfähigkeit. Es zeigt aber ebenso, dass die notwendige Verständigung häufig erst einsetzte, nachdem ihre Vorschläge bereits öffentlich beschädigt worden waren. Politische Führung besteht nicht nur darin, am Ende eine Abstimmung zu gewinnen. Sie besteht auch darin, Unsicherheit und vermeidbare Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.
Der Haushalt als erster und äußerst massiver Vertrauensbruch
Besonders deutlich wurde das Problem beim ersten Haushaltsentwurf. Vorgesehen waren unter anderem ein höherer Eigenanteil beim Schülerticket, Einschränkungen beim Preisdeckel für das Schulessen und Überlegungen zur Zusammenlegung von Jugendklubs und Bürgerhäusern. Wohlfahrtsverbände warnten daraufhin in einem gemeinsamen Brandbrief vor einem tiefgreifenden sozialpolitischen Rückschritt. Im Stadtparlament wurde Aubel sogar vorgeworfen, frühere Aussagen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu brechen.
Nach intensiven Verhandlungen kam schließlich ein breit getragener Kompromiss zustande. Das Schülerticket blieb bei 15 Euro, der Preisdeckel für das Schulessen bei 3,90 Euro. Diese Einigung war ein politischer Erfolg. Diese Einigung aber offenbarte zugleich, wie weit der ursprüngliche Entwurf von Aubel von einer tragfähigen Mehrheit entfernt gewesen war. Gerade von einer Oberbürgermeisterin mit langjähriger Erfahrung in Bildung, Jugend und Sozialpolitik hätte man erwarten dürfen, die absehbaren Reaktionen auf Einschnitte bei Familien früher zu erkennen.
Verwaltungserfahrung ist nich Ansatzweise politische Führung
Aubels Qualifikation sollte weder kleingeredet noch künstlich überhöht werden. Sie ist Diplom-Pädagogin, absolvierte berufsbegleitend ein Masterstudium in Organizational Management und beschäftigte sich in ihrer Abschlussarbeit mit Führung im öffentlichen Dienst. Seit 2004 arbeitet sie in Kommunalverwaltungen. Sie leitete in Hilden das Amt für Jugend, Schule und Sport, war in Potsdam Beigeordnete und später in Flensburg Stadträtin und Dezernentin. Ebenso falsch wäre jedoch die Behauptung, diese Laufbahn habe sie umfassend auf das Amt einer Oberbürgermeisterin vorbereitet.
Aubel hatte zuvor einzelne Ressorts geführt, aber nie die Gesamtverantwortung für eine Landeshauptstadt getragen. Haushalt, Stadtentwicklung, kommunale Unternehmen, Infrastruktur, Wirtschaft und das tägliche Mehrheitenmanagement lagen erstmals gleichzeitig auf ihrem Tisch.
Noosha Aubel (50) erhält als Oberbürgermeister kreisfreier Städte in der Besoldungsgruppe B7, laut Besoldungstabelle ein monatliches Grundgehalt von 11.921,34 Euro vom Bürger bezahlt. Durch ein Verfassungsgerichtsurteils steht in Kürze eine deutliche Erhöhung, auch für die Mitarbeiter der Landeshauptstadt Potsdam ins Haus. Zum Stichtag 1. Juli 2026 beschäftigte die Stadt Potsdam 285 Beamtinnen und Beamte, sie alle erhalten künftig mehr Geld auch Aubel kassiert bald 14.084 Euro pro Monat, ob dies im Angesicht der Kritik an der Arbeit von Aubel gerechtigt ist?
Erinnert soll in diesem Zusammenhang daran sein, dass die frühere Potsdamer Tätigkeitsbilanz von Aubel nicht widerspruchsfrei war. Bei ihrem Ausscheiden waren im Fachbereich Bildung, Jugend und Sport 15 Prozent der Stellen unbesetzt, während zeitgleich mehr als 20 Beschäftigte krankheitsbedingt fehlten. Aus dem Bereich wurde über erheblichen Druck und angeblich falsche Führungsentscheidungen in Bezug auf Aubel geklagt.
Aus großen Versprechen wurde ein „Angebot“
Ungünstig wirkte auch der Umgang mit dem eigenen Wahlprogramm. Aubel war mit dem einprägsamen Satz angetreten, nicht alles zu versprechen, aber alles zu halten, was sie verspreche. Nach der Wahl war ihre Kampagnenseite mit den politischen Zielen nicht mehr unmittelbar verfügbar. Erst nach journalistischen Nachfragen wurden die Unterlagen an anderer Stelle erneut zugänglich gemacht.
Als sie mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, entgegen früheren Aussagen bei Kindern und Jugendlichen zu sparen, erklärte Aubel, sie habe den Menschen kein Versprechen, sondern ein Angebot unterbreitet. Rechtlich und sprachlich mag sich darüber streiten lassen. Politisch wirkt eine solche nachträgliche Unterscheidung jedoch in fragwürdiger Art und Weise sehr ausweichend. Wer Transparenz zum Markenzeichen macht, muss seine Ziele dauerhaft sichtbar, messbar und überprüfbar halten.
Wie unzufrieden sind die Potsdamer Bürher mit der Arbeit von Noosha Aubel?
Eine belastbare stadtweite Bewertung von Aubels Amtsführung wird erwartet. Nicht zu übersehen ist in diesem Zusammenhang ein wachsender und teilweise massiver Vertrauensverlust. Sozialverbände formulieren offene Brandbriefe, politische Unterstützer zeigen sich ernüchtert, Stadtverordnete beklagen mangelnde Abstimmung und zentrale Entscheidungen werden erst nach öffentlichen Auseinandersetzungen korrigiert. Als Fazit dessen erkennt man eine mehr als die übliche und sehr deutliche Unruhe während einer kurzen Einarbeitungsphase von Aubel.
Ist Noosha Aubel ihrem Amt gewachsen? Eine überzeugende Antwort hat sie bislang nicht geliefert – der Skandal um ein mehrfach schwerbehindertes Kind mit 100 % GdB Schwerbehinderung und Pflegegrad 4 ist ungelöst und belastet die Amtsführung von Aubel als Rathauschefin massiv – der Fall ist gerichtsanängig und bei Verlust der Klage wird – wie üblich – der Bürger die Kosten zu tragen haben, abgesehen von einem aktuell nicht bezifferten Gesundheitsnachteil bei dem schwerbehinderten Kind, denn kindliche Entwicklung kann nicht nachgeholt werden.
Sollte die Klage (Sozialgericht Potsdam - Aktenzeichen: S 20 SO 142/26) verloren werden, würde an Aubel ganz klar Rücktrittsforderungen heranzutragen sein, denn als Chefin im Rathaus der Landeshauptstadt Potsdam ist sie ganz klar für den skandalösen Fall verantwortlich!
Aubel hat teilweise bewiesen, dass sie Kompromisse erreichen und politische Niederlagen korrigieren kann. Gleichzeitig zeigt ihre bisherige Amtsführung deutliche Defizite bei Vorbereitung, Kommunikation und Mehrheitenbildung. Schriftliche Presseanfragen werden, trotz dessen, dass Aubel direkt angeschrieben wird, gern von ihrem Pressesprecher Jan Brunzlow mit einer "persönlichen Gesprächsofferte" beantwortet, was, wie man in Baden-Württemberg gern sagen würde: "ein gewisses Geschmäcklehat". Das eigentliche Problem ist hingegen nicht der pädagogische Studienabschluss von Aubel. Es ist die bislang sichtbare Lücke zwischen Verwaltungserfahrung und politischer Gesamtführung.
Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel bleibt Zeit, diese massiven Zweifel auszuräumen. Der Bürger zahlt dafür ein mehr als stattliches Salär und kann eine komplette Amtsführung erwarten, ohne moralische Skandale um ein schwerbehindertes Kind und Kommunikationsdefizite. Fest steht: Der anfängliche Vertrauensvorschuss gegenüber Aubel ist nicht unbegrenzt. Potsdam braucht messbare Fortschritte bei Verwaltung, Wohnen, Verkehr und Finanzen, keine 10-km/h-Straßen mit Schlaglöchern, die jedes normale Verständnis sprengen wie in Potsdam-Babelberg – keine weiteren Ankündigungen, deren politische Grundlage erst nachträglich gesucht wird. Bleiben die Ergebnisse aus, könnte ausgerechnet die Kandidatin des Aufbruchs zum Gesicht jener Stagnation werden, die Aubel mit großen Worten vorgegeben hat, zu überwinden.
M.Motin