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Israel setzt Angriffe im Libanon trotz vereinbarter "Umsetzung" von Waffenruhe weiter fort
Ungeachtet der jüngsten Fortschritte bei den Verhandlungen mit Israel ist der Libanon am Donnerstag erneut Schauplatz militärischer Gewalt gewesen. Libanesische Staatsmedien meldeten israelische Drohnenangriffe im Süden des Landes mit mindestens einem Todesopfer. Auch ein serbischer Blauhelmsoldat wurde getötet, wie die Regierung in Belgrad mitteilte. In Washington hatten sich Israel und der Libanon zuvor auf die "Umsetzung" einer Waffenruhe verständigt. Der libanesische Präsident Joseph Aoun nannte dies eine "letzte Chance" für ein Ende der Kämpfe.
Ein Blauhelmsoldat sei bei einem nächtlichen Angriff auf einen UN-Stützpunkt getötet worden, teilte die UN-Friedensmission im Libanon (Unifil) mit. Zwei weitere Blauhelmsoldaten seien verletzt worden, hieß es weiter. Der Soldat sei am Morgen "den schweren Verletzungen erlegen, die er erlitten hatte, als Mörsergranaten seine Stellung trafen".
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Belgrad handelt es sich bei dem Toten um einen Staatsbürger Serbiens. Er sei "nach seiner Verletzung in einem Krankenhaus auf dem Stützpunkt notärztlich versorgt und anschließend per Hubschrauber ins Universitätsklinikum in Beirut gebracht wurde, wo er starb", erklärte das Ministerium. Es ist der siebte Blauhelmsoldat, der seit Beginn des Konflikts Anfang März getötet wurde.
Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete am Donnerstag von israelischen Drohnenangriffen auf Straßen an mehreren Orten im Südlibanon, bei denen es mindestens ein Todesopfer gegeben habe.
Die israelische Armee teilte ihrerseits mit, dass im Norden Israels Luftalarm ausgelöst worden sei. Bei dem ersten Vorfall sei ein "feindliches Flugzeug in der Gegend von Kfar Juval" festgestellt worden. Ein zweiter Alarm in der Gegend von Al-Aramsche habe sich als Fehlalarm herausgestellt.
Israel und der Libanon hatten sich am Mittwoch bei ihren Gesprächen in Washington auf die "Umsetzung einer Waffenruhe" geeinigt. Es sollten dabei bestimmte "Pilotzonen" unter "exklusiver Kontrolle" der libanesischen Armee geschaffen werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Zudem sollten noch in diesem Monat weitere Gespräche geführt werden.
Beide Seiten schränkten in ihrer Erklärung zugleich ein, dass die Umsetzung einer Waffenruhe "von einer vollständigen Einstellung der Angriffe der Hisbollah" auf Israel abhänge. Libanons Präsident Aoun erklärte, die Übereinkunft sei "die letzte Chance für einen umfassenden und endgültigen Waffenstillstand" mit Israel und betonte, er warte auf die Antwort der Hisbollah.
Die Hisbollah, die eine Waffenruhe ebenso ablehnt wie die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon, hat sich bisher nicht geäußert. Es wurde jedoch erwartet, dass Hisbollah-Chef Naim Kassem am Nachmittag eine Erklärung abgeben würde.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz erklärte derweil, die Militäreinsätze im Süden des Libanon würden trotz des Abkommens weitergehen. Die Einigung mit dem Libanon räume dem Militär die "Freiheit" ein, Beirut anzugreifen, falls die Hisbollah-Miliz israelische Ortschaften angreife, betonte Katz. Er fügte hinzu, dass die Einsätze im Süden des Libanon im Bereich bis zu "gelben Linie" fortgesetzt würden.
Die von Israel ausgewiesene sogenannte gelbe Linie befindet sich etwa zehn Kilometer tief auf libanesischem Gebiet. Innerhalb dieser Begrenzung hat die israelische Armee nach eigenen Angaben eine Pufferzone eingerichtet und Truppen stationiert.
Israel erneuerte am Donnerstag seine Evakuierungsanordnung für das gesamte Gebiet südlich des Flusses Sahrani, der etwa 40 Kilometer nördlich der Grenze verläuft. Die Armee teilte mit, sie ziele weiter auf Stellungen der Hisbollah.
Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir bezeichnete derweil die in Washington erzielte Einigung als "großen Fehler". Diese sei "eine Illusion von Beratern, die den Ministerpräsidenten zu falschen Entscheidungen verleiten", schrieb der Minister auf X unter Verweis auf Regierungschef Benjamin Netanjahu.
Eigentlich gilt im Libanon bereits seit dem 17. April eine Feuerpause. Israel und die von Teheran unterstützte libanesische Hisbollah-Miliz greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Raketen auf Israel ab. Israel fliegt seinerseits Luftangriffe auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Die Revolutionsgarden im Iran forderten am Donnerstag den Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon. "Die Unterstützung des Widerstands im Libanon ist die Pflicht eines jeden von uns, und die Vertreibung Israels aus der Region ist ein für die Muslime erreichbares Ziel", erklärte der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, Esmail Kaani. Israels Soldaten müssten "zu den Positionen von vor Beginn des Krieges" Ende Februar zurückkehren, forderte er.
S.Gantenbein--VB