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Familienministerin Prien würdigt "außergewöhnliche Leistungen" von Pflegeeltern
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat das Engagement von Pflegeeltern gewürdigt. Sie leisteten "jeden Tag Außergewöhnliches", sagte sie der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe). "Sie öffnen Kindern und Jugendlichen, die oft schwierige Erfahrungen gemacht haben, nicht nur ihr Zuhause, sondern vor allem ihr Herz." Prien empfing am Montag in ihrem Ministerium Fachleute und Vertreter von Betroffenen zum Austausch über die Situation von Pflegekindern.
Pflegeeltern, die ein Kind bei sich aufnehmen, schenkten diesen "Geborgenheit, Verlässlichkeit und neue Zuversicht", fuhr Prien fort. Damit seien Pflegefamilien "ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft".
Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Herkunftsfamilien leben können, finden häufig in Pflegefamilien ein vorübergehendes oder dauerhaftes neues Zuhause. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom März dieses Jahres wurden im Jahr 2024 bundesweit knapp 87.500 junge Menschen in einer Pflegefamilie betreut.
Im Alltag ist das Zusammenleben aber häufig herausfordernd - nicht nur wegen der häufig schwierigen Erlebnisse und Erfahrungen, die die Kinder mitbringen. Denn die Pflegeeltern erhalten das Erziehungsrecht für die Kinder, aber nur in seltenen Fällen das Sorgerecht, das meist entweder bei den leiblichen Eltern bleibt oder bei einem Vormund liegt.
"Bekommt das Kind eine Zahnspange? Soll es geimpft werden? Geht es zur Therapie zum Kinder- und Jugendpsychiater? Auf welcher Schule wird es angemeldet? Das sind normale Entscheidungen", sagte der Ulmer Universitätsprofessor sowie Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Christian Bachmann, der Zeitung. "Aber Pflegeeltern müssen sich dafür in der Regel erst mit dem Vormund oder den sorgeberechtigten leiblichen Eltern ins Benehmen setzen. Das kann enorm viel Zeit und Nerven kosten."
Außerdem sei nie ganz ausgeschlossen, dass das Kind zu den leiblichen Eltern zurückkomme. Das sei für die Pflegefamilien "eine kaum erträgliche Unsicherheit".
Die schwarz-rote Koalition hatte im Koalitionsvertrag versprochen, die Rechte von Pflegeeltern zu stärken und für sie "ein Elterngeld" einzuführen. Passiert ist jedoch noch nichts. Um Pflegefamilien sichtbarer zu machen und Interessierte zu ermutigen, Pflegekinder aufzunehmen, startete Priens Ministerium hingegen Ende vergangenen Jahres eine Kampagne zur Pflegeelternschaft und klärt etwa über Voraussetzungen, Rechte und Pflichten auf.
Susanne Litzel von der Allianz für Pflegekinder forderte die Regierung auf, die geplante Reform des Kindschaftsrechts dafür zu nutzen, die Rechte von Pflegeeltern zu stärken. "Viele Pflegeeltern fühlen sich in der gegenwärtigen Rechtslage wie Familien zweiter Klasse", sagte sie der "Rheinischen Post". "Das Kindschaftsrecht muss aus der Perspektive des Kindeswohls gedacht und gemacht werden." Prien müsse daher den Gesetzesentwurf "in der Ressortabstimmung zum Wohle der Pflegefamilien deutlich verändern".
R.Kloeti--VB