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Vor Präsidentenwahl: 19 Tote und dutzende Verletzte bei Anschlag in Kolumbien
Gut einen Monat vor der Präsidentschaftswahl in Kolumbien sind bei einem Bombenanschlag in dem südamerikanischen Land mindestens 19 Menschen getötet worden. Mehr als 30 weitere Menschen wurden nach Behördenangaben bei dem Anschlag in der westlichen Unruhe-Region Cauca am Samstag verletzt. Staatschef Gustavo Petro machte den Anführer einer Splittergruppe der früheren Guerrilla-Organisation Farc für die Tat verantwortlich.
Die Explosion auf einer Straße erfasste mehrere Fahrzeuge, Busse und Autos wurden zerfetzt. Auf Bildern der Nachrichtenagentur AFP waren am Anschlagsort Leichen und zerstörte Fahrzeuge zu sehen. Die Explosion riss einen riesigen Krater in die Straße. In Online-Netzwerken schilderten Überlebende, dass sie durch die Wucht der Explosion meterweit durch die Luft geschleudert worden seien.
Nachdem Gouverneur Octavio Guzmán zunächst von 14 Toten und 38 Verletzten sprach, bezifferte die Gerichtsmedizin die Zahl der Todesopfer am Sonntag auf 19. Der Augenzeuge Francisco Javier Betancourt sagte AFP, er habe Angst: "Schau, wohin das Land geraten ist", sagte er.
Kolumbiens linksgerichteter Präsident Petro schrieb die Gewalttat "Terroristen, Faschisten und Drogenschmugglern" zu. "Ich will die besten Soldaten, um sie zu stellen", erklärte er im Onlinedienst X. Konkret machte der Staatschef Iván Mordisco verantwortlich, den Anführer der Splittergruppe Farc-Dissidenten und meistgesuchten Verbrecher des Landes. Die Farc-Dissidenten erkennen ein 2016 erzieltes Friedensabkommen nicht an.
Petro hat Mordisco wiederholt mit dem berüchtigten früheren Drogenbaron Pablo Escobar verglichen. Auf Mordisco ist ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet rund 855.000 Euro ausgesetzt.
Im Vorfeld der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 31. Mai ist die Lage in Kolumbien angespannt. Erst am Freitag waren bei einem Anschlag auf einen Militärstützpunkt in der Region Cali zwei Menschen verletzt worden. In den Regionen Cauca und Cauca-Tal gab es nach Angaben des Verteidigungsministeriums zudem 26 bewaffnete Angriffe innerhalb von zwei Tagen. Verteidigungsminister Pedro Sánchez kündigte am Samstag eine Verstärkung der Militär- und Polizeipräsenz in den betroffenen Gebieten an.
Die Sicherheit im Land ist eines der großen Wahlkampfthemen. Alle drei aussichtsreichen Anwärter für das Präsidentenamt haben nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten und umfangreiche Maßnahmen für ihren Schutz ergriffen.
Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind. Viele der bewaffneten Gruppen Kolumbiens, die einst linken oder rechten Ideologien anhingen, sind heute kriminelle Banden, die sich insbesondere durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt.
Nach seinem Amtsantritt 2022 hatte Petro sich erfolglos darum bemüht, mit den größten bewaffneten Gruppen im Land Friedensabkommen zu verhandeln.
R.Kloeti--VB