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Israel gibt "gezielten Bodeneinsatz" im Südlibanon bekannt - Kritik aus Berlin
Die israelische Armee hat am Montag einen "gezielten Bodeneinsatz" gegen Stellungen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Südlibanon bekanntgegeben. Soldaten der 91. Division der israelischen Streitkräfte (IDF) hätten "in den vergangenen Tagen" das Vorgehen "gegen wichtige Stellungen der Hisbollah im Südlibanon eingeleitet, um den Vorwärtsverteidigungsbereich zu stärken", erklärte die Armee. In Berlin äußerte sich die Bundesregierung kritisch zum Vorgehen der israelischen Armee.
Diese erklärte, der Einsatz sei Teil "umfassender Verteidigungsbemühungen zum Aufbau und zur Stärkung einer vorwärtsgerichteten Verteidigungsposition". Dazu gehörten "auch die Zerschlagung terroristischer Infrastruktureinrichtungen und die Ausschaltung der in diesem Gebiet operierenden Terroristen", um "Bedrohungen zu beseitigen und den Bewohnern Nordisraels zusätzliche Sicherheit zu bieten".
Vor dem Einmarsch der Bodentruppen hätten Luftwaffe und Artillerie "Angriffe gegen zahlreiche terroristische Ziele" ausgeführt, um "die Bedrohungen im Einsatzgebiet zu verringern", erklärte die israelische Armee weiter. Nach Angaben eines Sprechers hatte die Hisbollah in dem betroffenen Gebiet zuvor eine Ausweitung ihrer militärischen Aktivitäten vorbereitet.
Bereits wenige Tage nach Beginn des Iran-Krieges war die israelische Armee nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP in Grenzregionen auf libanesischer Seite vorgerückt. Verteidigungsminister Israel Katz gab das Ziel einer Pufferzone aus - erklärte aber, keine groß angelegte Bodeninvasion im Libanon zu planen.
Nach dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar hatte die vom Iran finanzierte Hisbollah den Norden Israels unter Beschuss genommen. Seither nimmt die israelische Armee Ziele im Libanon ins Visier, insbesondere in Gebieten, die als Hisbollah-Hochburgen gelten. Dazu zählen der Süden des Landes, die südlichen Vororte der Hauptstadt Beirut und die ostlibanesische Bekaa-Ebene.
Nach jüngsten Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei im Libanon insgesamt 850 Menschen getötet und mehr als 2100 weitere verletzt. Nach UN-Angaben verließen hunderttausende Menschen ihre Heimatorte im Land. Am Montag sagte Israels Verteidigungsminister Katz laut einer Armee-Mitteilung vor führenden Generälen, die "schiitischen Bewohner des Südlibanon" würden "nicht in ihre Häuser südlich des Flusses Litani" zurückkehren, bis die Sicherheit der Bewohner Nordisraels "garantiert" sei.
Bereits während des Gaza-Kriegs nach dem Hamas-Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte die Hisbollah den Norden Israels unter Beschuss genommen. Daraufhin verließen in Israel 60.000 Menschen infolge einer Evakuierungsaufforderung der Behörden ihre Häuser. Dieses Mal sollen solche Evakuierungen vermieden werden.
Ein Sprecher der israelischen Armee begründete die Ausweitung des Bodeneinsatzes im Libanon mit der Lage der israelischen Bürger im Grenzgebiet. Die "begrenzten Bodeneinsätze" im Südlibanon in "neuen Gebieten" richteten sich "gegen ausgewählte Ziele", erklärte der für die internationale Kommunikation zuständige Sprecher Nadav Shoshani. Diese befänden sich an "Orten, an denen wir glauben, dass die Hisbollah eine Bedrohung für unsere Zivilbevölkerung darstellt".
Die Hisbollah hatte nach Shoshanis Angaben zuvor konkrete Vorbereitungen getroffen, um ihre Attacken auf Israel auszuweiten. "Wir haben festgestellt, dass die Hisbollah beabsichtigt, ihre Operationen auszuweiten", erklärte er. Ziel der Miliz sei es, "täglich hunderte Raketen" in Richtung Israel abzufeuern. Zudem seien "hunderte Terroristen" der Hisbollah-Eliteeinheit Al-Radwan in den Südlibanon entsandt worden.
Die Bundesregierung äußerte sich besorgt über die Lage im Südlibanon. Eine "größere israelische Bodenoffensive" würde "die ohnehin angespannte humanitäre Lage in der Region deutlich verschlechtern" und "nochmal zu einem erhöhten Fluchtgeschehen beitragen", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius und fügte an: "Deswegen fordern wir auch unsere israelischen Freunde eindringlich auf, diesen Weg nicht einzuschlagen und sind auch im Kontakt, diese Botschaft mitzuteilen."
Zugleich bekräftigte Kornelius die Forderung der Bundesregierung, die Hisbollah müsse "den Kampf gegen Israel einstellen" und "die Waffen niederlegen".
F.Mueller--VB