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Wadephul in Ankara: Vom Iran darf keine Gefahr mehr für die Nachbarn ausgehen
Die Türkei ist nach eigenen Angaben mit den USA und dem Iran im Gespräch, um ein Ende des Iran-Kriegs zu erreichen. "Wir leben in einer Zeit, in der Verhandlungen und Dialog wichtiger sind denn je", sagte Außenminister Hakan Fidan am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) in Ankara. "Wir sprechen mit der iranischen und mit der amerikanischen Seite", fügte er hinzu. "Dieser Krieg muss so schnell wie möglich enden."
Wadephul besuchte am Donnerstag die Türkei, nachdem er zuvor in Zypern, Israel und Saudi-Arabien Station gemacht hatte. Es müssten nun Wege gefunden werden, "eine gemeinsame Perspektive zu einer Beendigung der Kampfhandlung zu finden und zu ihrer Umsetzung beizutragen", sagte der Bundesaußenminister nach dem Treffen mit seinem türkischen Kollegen. "Wir sind hier gefragt, und ich glaube, auch die Türkei kann dabei eine wichtige Rolle einnehmen."
Für die Zukunft müsse gewährleistet sein, "dass vom Iran keine Gefahr mehr für die Nachbarn ausgeht, aber auch für Europa nicht ausgeht", sagte Wadephul. Der Iran müsse seine Rolle in der Region "endlich positiv definieren". Sein Nuklearprogramm ebenso wie sein Programm der ballistischen Raketen müssten eingestellt werden, "weil es eine Bedrohung darstellt".
Auf der anderen Seite sei die territoriale Integrität von Staaten zu akzeptieren. "Niemand kann ein Interesse an einem Chaos im Iran haben. Jetzt geht es darum, in diesen Stunden eine weitere Eskalation dieses Krieges zu verhindern." Danach müsse überlegt werden, "wie dieser Konflikt dauerhaft beigelegt werden kann und wie wir zu einer verlässlichen Sicherheitsarchitektur in der Region kommen".
Sein türkischer Kollege Fidan rief Israel ferner auf, die Angriffe auf den Libanon zu beenden. Israel müsse seine Attacken einstellen, "bevor der Libanon kollabiert", sagte der türkische Außenminister. Die Regierung von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stehe im Zentrum "aller Krisen der Region". Israel treibe seine "expansionistische Politik" im Libanon voran und ziehe das Land damit in seinen "dreckigen Krieg" hinein, fügte Fidan hinzu.
Der türkische Außenminister äußerte sich angesichts der gegenseitigen Angriffe Israels und der im Libanon ansässigen pro-iranischen Hisbollah-Miliz. Der Konflikt ist seit dem Beginn der US-israelischen Luftangriffe auf den Iran vor fast zwei Wochen erneut eskaliert. Seitdem wurden im Libanon nach Angaben der dortigen Behörden rund 690 Menschen getötet und mindestens 800.000 vertrieben.
Die Türkei war Israel gegenüber bereits im Krieg im Gazastreifen sehr kritisch gegenüber aufgetreten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Israel vorgeworfen, in dem Palästinensergebiet einen "Völkermord" zu begehen und Israel als "Terrorstaat" bezeichnet.
Die libanesische Hisbollah ist wie die radikalislamische Hamas im Gazastreifen und die Huthi-Rebellen Teil der vom Iran angeführten "Achse des Widerstands". Erklärtes Ziel des Bündnisses ist die Vernichtung Israels.
Im Nato-Land Türkei wurden seit Beginn des Iran-Kriegs bereits zwei Raketen abgefangen. "Ich komme gerade vom Golf, wo der Iran mit Drohnen und Raketen großen Schaden anrichtet", sagte Wadephul dazu. "Iran hat auch die Türkei beschossen wie andere Staaten, ich verurteile das entschieden." Dass der Iran die Spannungen durch Angriffe auf seine Nachbarn in der Region und insbesondere in der Golfregion immer weiter erhöhe, sei "brandgefährlich".
Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und den USA mit dem Iran hat Teheran mehrere Golfstaaten und US-Stützpunkte in der Region angegriffen, auch in der Türkei gibt es Stützpunkte der US-Armee.
A.Ammann--VB