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Iran-Krieg: Beschuss von drei Handelsschiffen am Golf inmitten neuer Angriffswellen
Am zwölften Tag des Iran-Krieges haben sowohl Israel als auch der Iran weitere massive Angriffswellen geflogen. Auch wurden am Mittwoch in der Golfregion wieder Frachtschiffe angegriffen. Angesichts der durch den Krieg in die Höhe geschossenen Öl- und Spritpreise gab die Bundesregierung in Koordination mit der Internationalen Energie-Agentur (IEA) einen Teil der deutschen Ölreserven frei.
Die israelische Armee startete eigenen Angaben zufolge am Mittwoch eine neue "groß angelegte Angriffswelle" im gesamten Iran. Zudem griffen die israelischen Streitkräfte erneut Ziele der pro-iranischen Hisbollah-Miliz in südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut an, nachdem Israel zur Evakuierung der Gebiete aufgerufen hatte.
Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP zeigten dichten schwarzen Rauch über dem getroffenen Gebiet in Beirut. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete außerdem sieben Tote nach einem israelischen Luftangriff im Osten des Landes.
Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten ihrerseits die jüngste iranische Angriffswelle auf Ziele in Israel und den Golfstaaten als die bislang "intensivste und schwerste", wie der iranische Staatssender Irib berichtete.
Die iranischen Streitkräfte attackierten laut Staatsmedien unter anderem Ziele in Tel Aviv, Jerusalem und der nordisraelischen Stadt Haifa, "zahlreiche US-Ziele in Erbil" im Nordirak, einen US-Flottenstützpunkt in Bahrain und den US-Armeestützpunkt Arifdschan südlich von Kuwait-Stadt.
Mehrere Golfstaaten meldeten Raketen- und Drohnenangriffe. Die saudiarabische Armee fing nach Angaben aus Riad sieben ballistische Raketen ab. Sechs davon hätten den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in der Provinz al-Chardsch anvisiert, teilte das saudiarabische Verteidigungsministerium mit. Zudem seien sieben Drohnen abgefangen worden, die auf dem Weg zu dem Ölfeld Schaybah im Südosten des Landes gewesen sein. Acht weitere Drohnen seien im Osten des Landes abgefangen worden.
Kuwait gab bekannt, insgesamt acht Drohnen abgefangen zu haben, ohne weitere Details zu nennen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten neue Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran. Bei dem Absturz zweier Drohnen in der Nähe des Flughafens von Dubai wurden Behördenangaben zufolge vier Menschen verletzt. In der katarischen Hauptstadt Doha waren mehrere laute Explosionen zu hören, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Die iranische Armee kündigte zudem verstärkte Angriffe auf wirtschaftliche Ziele der USA und Israels in der Golfregion an, darunter Banken. Diese Ankündigung folgte auf Berichte, wonach in der Vornacht eine Bank in Teheran bei einem Luftangriff getroffen und dabei mehrere Angestellte getötet worden sein sollen.
In den Gewässern der Golfregion wurden erneut mehrere Schiffe angegriffen, darunter auch in der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Straße von Hormus. Nach Angaben der britischen Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) wurden drei Frachtschiffe von "unbekannten Geschossen" getroffen. Bei einem Frachtschiff, das infolge eines Geschosseinschlags in der Straße von Hormus in Brand geriet, handelte es sich nach Angaben der Marine Thailands um einen thailändischen Frachter.
Die US-Armee hatte am Vortag nach Angaben von US-Präsident Donald Trump mehrere iranische Minenleger-Schiffe in der Region zerstört. Das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom erklärte im Onlinedienst X, nahe der Straße von Hormus seien insgesamt solcher Schiffe zerstört worden. Trump hatte den Iran zuvor davor gewarnt, die Meeresenge zu verminen.
Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, de facto gesperrt. Die Meeresenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran wird vom iranischen Militär kontrolliert.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte jedoch in Berlin, aufgrund der von der IEA empfohlenen und von der Bundesregierung beschlossenen Freigabe eines Teils der Ölreserven gehe sie von sinkenden Spritpreisen in Deutschland aus. Auch dürften die Tankstellen die Preise für Diesel und Benzin künftig nur noch einmal am Tag erhöhen,
Die Freigabe der Notfall-Ölvorräte wird von der IEA koordiniert. Die Organisation verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Die IEA hatte ihren Mitgliedsländern - darunter Deutschland - die Freigabe von Ölreserven vorgeschlagen. Die Energieminister der Gruppe sieben führender Industriestaaten (G7) erklärten daraufhin am Mittwoch, sie seien dazu "bereit".
Reiche bezeichnete diesen als Schritt als "gewaltig". Es handele sich um "die größte Freigabe in der Geschichte der IEA".
A.Ruegg--VB