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Iran wählt neuen Anführer und betont Kampfbereitschaft - Israel setzt Angriffe fort
Unbeeindruckt von Kapitulationsforderungen und massiven israelischen Luftangriffen hat die iranische Führung am Sonntag einen Nachfolger für den getöteten obersten Anführer Ayatollah Ali Chamenei gewählt. Ein Name wurde zunächst nicht bekannt gegeben, Äußerungen deuteten aber darauf hin, dass Chameneis Sohn Modschtaba seinem Vater nachfolgen soll. Die iranischen Revolutionsgarden betonten derweil ihren Siegeswillen und erklärten, sie könnten noch monatelang in der derzeitigen Intensität weiterkämpfen.
Die Revolutionsgarden erklärten, sie seien in der Lage, "einen intensiven Krieg mit dem derzeitigen Tempo mindestens sechs Monate lang fortzusetzen". Nachdem bislang Raketen der "ersten und zweiten Generation" eingesetzt worden seien, würden in Kürze modernere Geschosse und Raketen mit großer Reichweite verwendet, drohte ein Sprecher.
US-Präsident Donald Trump hatte den Iran am Freitag zur "bedingungslosen Kapitulation" aufgefordert. Der iranische Präsident Massud Peseschkian wies dies scharf zurück: "Die Feinde müssen ihren Wunsch nach der Kapitulation des iranischen Volks mit ins Grab nehmen", sagte er am Samstag. Trump kündigte daraufhin "sehr harte" Angriffe auf den Iran an und drohte mit einer Ausweitung der potenziellen Ziele.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar massive Angriffe auf den Iran gestartet, bei denen das geistliche Oberhaupt Chamenei getötet wurde. Acht Tage später wählte der mächtige Expertenrat einen Nachfolger, wie Expertenratsmitglied Ahmad Alamolhoda am Sonntag verkündete. Der Name wurde zunächst nicht verkündet. Es wurde erwartet, dass Chameneis Sohn Modschtaba neuer oberster Anführer der Islamischen Republik wird. Der 56-Jährige gilt wie sein Vater als konservativer Hardliner.
Der nächste oberste Anführer des Iran werde "sich nicht lange halten", sofern Teheran nicht seine Zustimmung zu der Personalie habe, sagte US-Präsident Trump dazu dem Sender ABC News.
Die israelische Luftwaffe flog in der Nacht zum Samstag eine ihrer bislang massivsten Angriffswellen auf den Iran; nach Armeeangaben attackierten 80 Kampfjets Teheran und weitere Städte im Landesinneren. Bombardiert wurde laut Armee unter anderem eine Militärakademie, eine unterirdische Kommandozentrale und ein Lager für ballistische Raketen. Auch Öldepots in Teheran wurden getroffen, die iranische Hauptstadt lag unter einer riesigen schwarzen Rauchwolke.
Laut Israels Armee wurde auch das zu den iranischen Revolutionsgarden gehörende Raumfahrtzentrum in Teheran zerstört. Dieses habe unter anderem als Kontrollzentrum für den Satelliten "Chajjam" gedient, mit dem "der Staat Israel und dessen Bewohner" überwacht worden seien, erklärte die Armee.
Israel griff zudem ein Hotel in der libanesischen Hauptstadt Beirut an. Die israelische Armee sprach von einem "präzisen Angriff" auf "wichtige Kommandeure" der iranischen Al-Kuds-Brigaden. Nach libanesischen Angaben wurden bei der Attacke mindestens vier Menschen getötet.
Der Iran setzte unterdessen seine Angriffe auf Israel und in der Golfregion fort. In Israel wurden dabei nach Angaben der Rettungsdienste mindestens sechs Menschen verletzt.
Iranische Angriffe mit Raketen und Drohnen wurden auch aus Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abdul Gheit, sprach am Sonntag bei einer Dringlichkeitssitzung der Außenminister des Staatenbundes von "rücksichtslosen" iranischen Angriffen, die "unter keinem Vorwand und mit keiner Entschuldigung" gerechtfertigt werden könnten. Der iranischen Führung warf er einen "schweren strategischen Fehler" vor und betonte, die arabischen Staaten seien nicht am Iran-Krieg beteiligt und hätten klargemacht, dass sie keine Nutzung ihres Luftraums und ihres Territoriums für Angriffe duldeten.
Der iranische Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei kündigte eine Fortsetzung der iranischen Angriffe auf Nachbarstaaten in der Region an, die in Teherans Augen die USA und Israel im Krieg gegen den Iran unterstützen.
Das Personal der deutschen Botschaft in Teheran verließ wegen des Krieges unterdessen den Iran. Das Botschaftspersonal sei "aufgrund der Bedrohungslage temporär" verlegt worden, hieß es am Sonntag aus dem Auswärtigen Amt. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.
US-Präsident Trump schloss derweil einen Einsatz von Bodentruppen im Iran zur Sicherung von angereichertem Uran nicht aus. "Vielleicht werden wir das irgendwann machen", sagte er Journalisten an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One. "Das wäre eine tolle Sache." Der US-Präsident hatte zuvor auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware an einer Zeremonie zur Rückkehr der Leichen der sechs im Iran-Krieg getöteten US-Soldaten teilgenommen.
G.Schmid--VB