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Israel und Hisbollah im Libanon verstärken gegenseitige Angriffe
Am siebten Tag des Iran-Kriegs haben die israelische Armee und die Hisbollah im Libanon ihre gegenseitigen Angriffe verstärkt. Die israelischen Streitkräfte flögen "Angriffe auf Infrastrukturen der Hisbollah" im südlichen Beiruter Vorort Dahijeh, erklärte die Armee am Freitag. Libanesischen Medien zufolge galten israelische Angriffe zudem der südlibanesischen Stadt Tyros. Die Hisbollah feuerte nach israelischen Angaben allein am Freitag 70 Raketen auf Israel ab.
Am Vortag hatte Israel die Bewohner Beiruts dazu aufgerufen, alle südlichen Vororte zu verlassen. Die Armee begann anschließend mit Angriffen auf südliche Vororte der Stadt, die von der mit dem Iran verbündeten Hisbollah kontrolliert werden.
Unter den Bewohnern Beiruts war am Donnerstag Panik ausgebrochen, nachdem Israel zur Evakuierung aufgerufen hatte. Zahlreiche Menschen flohen aus der Stadt. Libanons Regierungschef Nawaf Salam warf Israel vor, durch seine Evakuierungsaufrufe eine "humanitäre Katastrophe" ausgelöst zu haben.
Nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC) waren 300.000 Menschen im Libanon auf der Flucht. Die Evakuierungsanordnungen an Zivilisten gäben "Anlass zu ernsten Bedenken hinsichtlich des humanitären Völkerrechts, das die gewaltsame Verlegung der Zivilbevölkerung verbietet", erklärte die Nichtregierungsorganisation.
Libanesische Staatsmedien meldeten, "feindliche Kampfflugzeuge" hätten am Freitag einen Angriff auf die südlichen Vororte von Beirut geflogen. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sahen Rauchwolken, die über dem Süden der libanesischen Hauptstadt aufstiegen.
Auch auf die libanesische Küstenstadt Sidon sei ein Angriff geflogen worden, meldete die amtliche libanesische Nachrichtenagentur ANI. Wie ein AFP-Fotograf beobachtete, traf der Angriff den zehnten Stock eines Bürogebäudes nahe Unterkünften für Vertriebene. Rettungskräfte bargen demnach mindestens ein Todesopfer.
Ein Toter wurde auch bei einem israelischen Angriff in Tyros im Südlibanon gemeldet. Ein AFP-Fotograf vor Ort sah, wie Rettungskräfte mindestens eine Leiche bargen. Die Angriffe ereigneten sich nahe den zum Unesco-Welterbe gehörenden römischen Ruinen der Stadt. ANI berichtete, "feindliche Kampfflugzeuge" hätten "einen Angriff auf das Ruinenviertel" von Tyros "nahe des palästinensischen Flüchtlingslagers Bass" ausgeführt.
Israel habe seit Beginn seiner Angriffe im Libanon in dieser Woche "mehr als 500 Ziele im ganzen Libanon angegriffen und über 70 Hisbollah-Terroristen getötet", sagte Armeesprecher Nadav Schoschani am Freitag vor Journalisten. Nach seinen Angaben feuerte die Hisbollah allein am Freitag seit Mitternacht rund 70 Raketen auf Israel ab, viele davon aus dem Südlibanon.
Schoschani sagte zudem, dass der Iran und die Hisbollah am Vortag "simultane und koordinierte" Raketenangriffe auf Israel ausgeführt hätten. Sie hätten darauf abgezielt, die israelische Luftverteidigung zu überrennen. In den vergangenen 24 Stunden habe es aber keine "bedeutenden Treffer" in Israel gegeben.
Die israelische Armee teilte zudem mit, dass am Freitag acht Soldaten bei einem Beschuss von israelischem Gebiet nahe der libanesischen Grenze verletzt worden seien, fünf von ihnen schwer.
Nach dem Beginn der massiven US-israelischen Angriffe auf den Iran am Samstag hatte sich der Krieg am Montag auf den Libanon ausgeweitet. Nachdem die vom Iran unterstützte und finanzierte Miliz Raketen auf Israel abgefeuert hatte, beschoss die israelische Armee Ziele im Libanon. Am Donnerstag erklärte der israelische Armeechef Ejal Samir, er habe den Befehl erteilt, das von Israels Militär kontrollierte Gebiet im Südlibanon auszuweiten.
Nach jüngsten Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden seit der erneuten Eskalation des Konflikts zwischen der Hisbollah und Israel in den vergangenen Tagen 217 Menschen im Libanon getötet.
Die UNO verlangte eine Untersuchung dazu, ob israelischen Angriffe im Libanon durch das Völkerrecht gedeckt sind. "Die zerstörerische Auswirkung dieses erneuten Konflikts ist schon zu sehen, Zivilisten zahlen einen schmerzhaft hohen Preis", erklärte die Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros in Genf, Ravina Shamdasani. Sie verlangte daher "schnelle und gründliche Ermittlungen" zu dem israelischen Vorgehen.
R.Kloeti--VB