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Verschärfter Konflikt zwischen Israel und Hisbollah - Evakuierungsaufrufe für Südbeirut
Die militärische Konflikt zwischen Israel und pro-iranischen Hisbollah im Libanon hat sich am sechsten Tag des Iran-Krieges weiter verschärft: Vor neuen Angriffen auf Hisbollah-Hochburgen rief die israelische Armee die Einwohner der dicht bevölkerten südlichen Vororte Beiruts in einer neuen Warnung zur Evakuierung auf. Die libanesische Regierung erhöhte derweil den Druck auf die Schiitenmiliz und verbot "jegliche Aktivitäten" von Mitgliedern der iranischen Revolutionsgarden vom Libanon aus.
In einer Nachricht an die Bewohner der südlichen Vororte Beiruts, bekannt als Dahijeh, erklärte ein israelischer Armeesprecher: "Retten Sie Ihr Leben und verlassen Sie sofort Ihre Häuser." Daraufhin setzte am Donnerstagnachmittag eine Massenflucht der dortigen Bewohner ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Kurz nach der israelischen Warnung wurden Schüsse in die Luft abgefeuert, um die Einheimischen zur Flucht zu drängen. An den Ausläufern der südlichen Vororte, in denen die Hisbollah ihre Hochburgen hat, bildeten sich massive Staus.
Zuvor hatte Israel mitgeteilt, dass seine Streitkräfte "mehrere Kommandozentralen der Hisbollah-Terrororganisation" im Süden Beiruts angegriffen hätten. Nach Angaben libanesischer Behörden wurden seit Montag mindestens 72 Menschen getötet, 437 weitere verletzt und 83.000 vertrieben.
Israel hatte bereits zuvor seinen Aufruf für Zivilisten im Südlibanon erneuert, sich wegen militärischer Aktionen in Sicherheit zu bringen. Die Warnung betraf die Ortschaften südlich des Flusses Litani und die Städte Tyros und Bint Dschbeil. Dem Aufruf waren neue Raketenangriffe der Hisbollah auf auf die israelische Region Galiläa vorausgegangen.
Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge bergen die israelischen Evakuierungsaufrufe "ernsthafte Risiken von Verstößen gegen das Kriegsrecht". Die Aufforderung an alle Bewohner südlich des Litani-Flusses werfe "ernsthafte rechtliche und humanitäre Bedenken auf und nährt die Sorge um die Sicherheit der Zivilbevölkerung", sagte der Libanon-Experte bei Human Rights Watch, Ramsi Kaiss.
Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich warnte derweil die Hisbollah vor einem "schweren Fehler". "Sehr bald wird Dahijeh Chan Junis gleichen", sagte Smotrich am Donnerstag unter Anspielung auf die Zerstörungen in der Stadt im Süden des Gazastreifens während des Gaza-Krieges, der vom Überfall der islamistischen Hamas auf Israel ausgelöst worden war.
"Wir schlagen dem Kraken im Iran den Kopf ab und werden gleichzeitig den Arm der Hisbollah abtrennen", sagte er in einer Videobotschaft bei einem Besuch an Israels Nordgrenze Israels. Israel hatte seine Militäroffensive im Libanon gegen die Hisbollah am Dienstag ausgeweitet. Verteidigungsminister Israel Katz kündigte die Einrichtung einer Pufferzone zum Schutz von Gemeinden im israelischen Grenzgebiet an.
Bereits am Morgen hatte Israel erneut einen Luftangriff auf den Süden Beiruts geflogen. Die israelischen Streitkräfte erklärten in der Nacht zu Donnerstag, "Infrastruktur" der Hisbollah in Beirut attackiert zu haben.
Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon war im Zuge des US-israelischen Kriegs gegen den Iran wieder eskaliert. Die vom Iran unterstützte Schiiten-Miliz hatte Israel am Montag mit neuen Raketen- und Drohnenangriffen überzogen. Die Hisbollah wird vom Iran finanziert und ist wie die islamistische Hamas im Gazastreifen und die Huthis im Jemen Teil von dessen "Achse des Widerstands". Erklärtes Ziel ist die Vernichtung Israels.
Hisbollah-Chef Naim Kassem hatte am Mittwochabend Vorwürfe zurückgewiesen, die Hisbollah sei für die aktuelle Eskalation im Libanon verantwortlich. Er kritisierte zudem die libanesische Regierung für ihr am Montag erlassenes "sofortiges Verbot" aller militärischen Aktivitäten der pro-iranischen Miliz.
Am Donnerstag legte die Regierung in Beirut nach: Der Ministerrat habe am Donnerstag beschlossen, "jegliche Aktivitäten" von Mitgliedern der iranischen Revolutionsgarden vom Libanon aus zu verbieten, erklärte Informationsminister Paul Morcos. Demnach sollen Revolutionsgarden-Mitglieder "von den zuständigen Justizbehörden" festgenommen werden, "um sie auszuweisen". Zudem brauchen Iraner demnach künftig ein Visum für die Einreise in den Libanon.
Der Iran hat die Hisbollah (deutsch: Partei Gottes) finanziert und bewaffnet: Entstanden ist sie 1982 während des libanesischen Bürgerkriegs, als Zusammenschluss schiitischer Milizen. Eine zentrale Rolle bei ihrer Gründung spielten die iranischen Revolutionsgarden, welche die Hisbollah in den folgenden Jahren mit Ausbildern und Waffen unterstützten. Die islamistische Ideologie der Hisbollah ist stark vom Iran beeinflusst.
Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran gestartet. Dabei wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Einrichtungen in der Golfregion.
L.Maurer--VB