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Furcht vor Gewaltspirale: Teheran reagiert auf US-israelische Angriffe im Iran
Furcht vor einer Spirale der Gewalt am Golf: Nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei bei Angriffen der USA und Israels hat Teheran mit Raketenangriffen auf Ziele in der Region zurückgeschlagen. In Israel wurden mindestens neun Menschen durch einen iranischen Raketentreffer getötet, auch in mehreren Golfstaaten gab es Tote und dutzende Verletzte durch iranische Geschosse. Auch drei Mitglieder der US-Streitkräfte wurden nach Angaben des Pentagons beim Einsatz gegen den Iran getötet. Unterdessen setzten Israel und die USA ihre Angriffe im Iran fort.
Wie bereits am Samstag führte der Iran auch am Sonntag erneut Vergeltungsangriffe auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion. In Kuwait starb nach Behördenangaben mindestens ein Mensch, in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden seit Samstag drei Menschen durch iranische Geschosse getötet. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP und Bewohner berichteten von Explosionen in Abu Dhabi und Dubai, dem katarischen Doha und Bahrains Hauptstadt Manama. Auch im Osten der saudiarabischen Hauptstadt Riad gab es Detonationen.
Wegen gesperrter Lufträume war der Flugbetrieb in der gesamten Region stark beeinträchtigt. Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, wo mindestens drei Schiffe von Geschossen getroffen wurden, kam zum Erliegen. Das Pentagon meldete ein versenktes iranisches Kriegsschiff im Golf von Oman, US-Präsident Donald Trump sprach von neun "zerstörten und versenkten" iranischen Marineschiffen.
In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor unvorhersehbaren Folgen der Eskalation. Auch Papst Leo XIV. mahnte zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch, ansonsten drohe eine "Spirale der Gewalt". EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, der Tod des geistlichen Oberhaupts Chamenei wecke "neue Hoffnung für das iranische Volk", berge aber gleichzeitig "ein echtes Risiko der Instabilität, die die Region in eine Spirale der Gewalt treiben könnte". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, die Bundesregierung teile "die Erleichterung vieler Iranerinnen und Iraner, dass dieses Mullah-Regime jetzt an sein Ende kommt". Er mahnte zugleich eine dauerhafte Lösung des Konflikts an.
Die USA und Israel hatten am Samstagmorgen nach wochenlangen Drohungen mit massiven Luftangriffen auf den Iran begonnen. Das iranische Staatsfernsehen bestätigte am Sonntag den Tod Chameneis. Mit dem 86-Jährigen wurden israelischen Angaben zufolge insgesamt 40 ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet, US-Präsident Trump sprach von 48 getöteten Mitgliedern der iranischen Führungsspitze.
Iranischen Medien zufolge sind unter den Toten der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, Abdolrahim Mussawi, der Anführer der Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, und der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates, Ali Schamchani. Ebenfalls getötet wurden demnach Verteidigungsminister Asis Nasirsadeh und Polizeigeheimdienstchef Gholamresa Resaian sowie Chameneis Tochter, deren Ehemann und Tochter.
Für die Übergangsphase im Iran wurde ein dreiköpfiges Führungsgremium bestimmt, das laut Staatsmedien noch am Sonntag die Arbeit aufnahm. Ihm gehören neben Präsident Massud Peseschkian auch Ayatollah Aliresa Arafi und Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei an. Präsident Peseschkian bezeichnete die Tötung Chameneis als "offene Kriegserklärung an die Muslime". Der einflussreiche Sicherheitsratschef Ali Laridschani drohte mit beispiellosen Angriffen auf Israel und die US-Armee.
Über fast vier Jahrzehnte hatte Chamenei die Islamische Republik und das schiitische Mullah-System verkörpert. Sein harter, extrem konservativer Kurs zeigte sich zuletzt bei der blutigen Niederschlagung der Massenproteste im Januar. Mehrere tausend Menschen wurden dabei nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen getötet.
Chameneis Gegner feierten die Nachricht von dessen Tod. In Teheran waren am späten Samstagabend Freudenschreie und Applaus zu hören, wie Zeugen berichteten. Am Sonntag demonstrierten in Teheran aber auch tausende Anhänger der iranischen Führung und riefen "Tod den USA" und "Tod Israel".
Trump bezeichnete Chameneis Tod als "Gerechtigkeit" für alle bezeichnet, "die von Chamenei und seiner Bande blutrünstiger Gangster getötet oder verstümmelt wurden". Später erklärte der US-Präsident, er sei bereit, mit der neuen Führung in Teheran zu sprechen.
Trump hatte die Luftangriffe am Samstag mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm sowie der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen in anderen Ländern begründet. Er hatte der Führung in Teheran seit Wochen mit einem Militäreinsatz gedroht. Parallel zu neuen Atomgesprächen mit Vertretern des Iran verstärkten die USA ihre Militärpräsenz in der Region massiv. Bei den am Samstag gestarteten Angriffen wurden drei Mitglieder des US-Militärs getötet und fünf weitere schwer verletzt, wie das US-Kommando für die Region mitteilte.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte am Sonntag eine Verstärkung der Angriffe auf den Iran an. "Unsere Truppen greifen das Herz Teherans mit enormer Kraft an, und dies wird in den kommenden Tagen noch zunehmen", sagte er in einer Videoansprache. Die israelische Armee kündigte die Mobilisierung von fast 100.000 Reservisten an. Am Sonntagabend stiegen erneut Rauchwolken über Teheran auf, nach iranischen Angaben wurde auch der Sitz des Staatsfernsehens angegriffen. Die israelische Armee meldete einen "schweren Schlag" gegen die Kommando- und Kontrollzentralen der iranischen Streitkräfte.
S.Spengler--VB