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Britische Regierung unterstützt Freigabe von Akten zur Rolle Andrews als Handelbeauftragter
Die britische Regierung hat sich in der Epstein-Affäre für eine Freigabe von Dokumenten zur Rolle von Ex-Prinz Andrew als britischer Handelsbeauftragter ausgesprochen. Die Regierung unterstützte am Dienstag einen von den oppositionellen Liberaldemokraten im Parlament eingebrachten Antrag auf Offenlegung des Überprüfungsprozesses des damaligen Prinzen vor dessen Ernennung zum Handelsbeauftragten. "Das ist das Mindeste, was wir den Opfern dieser Gräueltaten, die von Epstein und anderen begangen wurden, schuldig sind", erklärte der Labour-Politiker und Staatssekretär für Handel, Chris Bryant, vor den Abgeordneten.
Bryant wies zugleich darauf hin, dass die Regierung sich von der Polizei beraten lassen müsse, welche Dokumente freigegeben werden können, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.
Der Labour-Politiker beschrieb Andrew Mountbatten-Windsor als "unhöflichen, arroganten Mann, der von seinen Privilegien eingenommen und unfähig ist, zwischen dem öffentlichen Interesse und seinem eigenen privaten Interesse zu unterscheiden". Der Ex-Prinz war am Donnerstag im Zuge der Ermittlungen im Zusammenhang mit dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vorübergehend festgenommen worden. Am Montag wurde dann auch der ehemalige Wirtschaftsminister und Ex-Botschafter in den USA, Peter Mandelson - ebenfalls im Zusammenhang mit den Epstein-Enthüllungen - vorübergehend festgenommen.
Der am Dienstag gestellte Antrag der Liberaldemokratische Partei soll die Offenlegung von Akten zum früheren Prinzen Andrew und dessen Ernennung zum Handelsbeauftragten erzwingen. Dem Bruder von König Charles III. wird vorgeworfen, als Handelsbeauftragter geheime Geschäftsinformationen an Epstein übermittelt haben. Andrew war von 2001 bis 2011 in dieser Funktion für sein Land in der Welt unterwegs.
Der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Ed Davey, sagte, die Verbindungen Andrews und Mandelsons zu Epstein seien ein "Schandfleck für unser Land". "Wir müssen beginnen, diesen Schandfleck mit dem Desinfektionsmittel der Transparenz zu beseitigen", fügte er hinzu.
Die Veröffentlichung der geforderten Dokumente könnten ein neuer Schlag für das Königshaus sein - und vor allem auch für die Labour-Partei von Premierminister Keir Starmer, unter deren Regierungszeit sowohl Andrew als auch der jahrelang einflussreiche Strippenzieher Mandelson in ihre Positionen ernannt worden waren.
Die Regierung hatte bereits zugesagt, im kommenden Monat erste Dokumente zur Ernennung des ehemaligen Wirtschaftsministers Mandelson zum britischen Botschafter in Washington zu veröffentlichen.
Mandelson wird vorgeworfen, vertrauliche Regierungsinformationen an den Finanzinvestor Epstein weitergegeben und Geld von ihm angenommen zu haben. Die zuletzt von den USA neu veröffentlichten Epstein-Akten förderten zu Tage, dass Mandelson, als er von 2008 bis 2010 Minister unter Premier Gordon Brown war, vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an Epstein weitergegeben haben soll.
Der Fall bringt auch Premierminister Starmer zunehmend in Bedrängnis. Er hatte Mandelson Anfang vergangenen Jahres zum US-Botschafter ernannt - obwohl er bereits wusste, dass Mandelson nach Epsteins Verurteilung 2008 weiterhin Kontakt zu dem Sexualstraftäter hielt. Zwei von Starmers engsten Beratern traten wegen der Affäre bereits zurück. Der Premierminister selbst hat dagegen erklärt, im Amt bleiben zu wollen.
Erst am vergangenen Donnerstag war der ehemalige Prinz Andrew infolge der neuen Epstein-Enthüllungen festgenommen und mehrere Stunden lang festgehalten worden. Gegen den Bruder von König Charles III. wird wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einer offiziellen Funktion ermittelt. Das Epstein-Opfer Virginia Giuffre warf dem damaligen Prinzen vor, sie sexuell missbraucht zu haben - auch bereits als sie erst 17 und damit minderjährig war.
Epstein stand unter Verdacht, mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente wie Andrew vermittelt zu haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe.
Einen Monat, nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.
A.Kunz--VB