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Neue Epstein-Akten bringen britischen Ex-Prinzen Andrew zunehmend in Bedrängnis
Nach der Veröffentlichung weiterer Akten über den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein durch das US-Justizministerium ist der britische Ex-Prinz Andrew am Wochenende weiter in Bedrängnis geraten. Unter den freigegebenen Dokumenten ist unter anderem ein Foto, das Andrew auf allen Vieren zeigt, während er sich über eine Frau beugt. Der britische Premierminister Keir Starmer sprach sich für eine Aussage Andrews vor dem US-Kongress aus.
In den am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Akten tauchen erneut die Namen des Microsoft-Gründers Bill Gates und des Tech-Milliardärs Elon Musk auf, erstmals erscheint zudem der Name des heutigen US-Handelsministers Howard Lutnick.
Der Investmentbanker Epstein stand unter Verdacht, tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe.
2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben beging er Suizid.
Nach Angaben des stellvertretenden US-Justizministers Todd Blanche wurden am Freitag "mehr als drei Millionen Seiten" an Material über Epstein auf einer Website des Ministeriums veröffentlicht. Darunter seien mehr als 2000 Videos sowie 180.000 Fotos.
Den freigegebenen Akten zufolge schlug Epstein Andrew Mountbatten-Windsor 2010 ein Treffen mit einer Russin vor - kurz nachdem Epstein seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte.
Der britische König Charles III. hatte seinem Bruder wegen dessen Verbindungen zu Epstein im vergangenen Jahr alle königlichen Titel und Ehren aberkannt. Die US-Australierin Virginia Giuffre hatte den ehemaligen Prinzen beschuldigt, sie als 17-Jährige missbraucht zu haben.
Der britische Regierungschef Starmer sagte, er hab "immer gesagt, dass jeder der über Informationen (verfügt), darauf vorbereitet sein sollte, diese Informationen zu teilen, in welcher Form auch immer er darum gebeten wird". Dabei gehe vor allem um die Opfer Epsteins.
Der britische Rundfunksender BBC berichtete unter Berufung auf den US-Anwalt Brad Edwards, eine seiner Mandantinnen sei von Epstein an Andrew vermittelt worden. Der Vorfall habe 2010 stattgefunden, als sie in ihren 20ern gewesen sei. "Wir sprechen von mindestens einer Frau, die von Jeffrey Epstein zu Prinz Andrew geschickt wurde", sagte Edwards der BBC.
In der Slowakei trat unterdessen der langjährige Außenminister Miroslaw Lajcak wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Epstein als Berater von Ministerpräsident Robert Fico zurück. Der BBC zufolge hatte Epstein dem damaligen Außenminister Lajcak 2018 per SMS Frauen angeboten.
Laut einem Gesetz des US-Kongresses hätte die Regierung nahezu alle Epstein-Akten eigentlich bis zum 19. Dezember veröffentlichen sollen. Bislang war dies aber nur mit einem Bruchteil der Dokumente geschehen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump begründet die Verzögerungen mit der Notwendigkeit, die Identität der Opfer unkenntlich zu machen. Auch in den neuen Akten gibt es zahlreiche geschwärzte Stellen.
Mehrere Opfer des Missbrauchskandals hielten den Behörden vor, dass Informationen über sie in den Akten sichtbar seien, "während die Männer, die uns missbraucht haben, weiterhin versteckt und geschützt bleiben". Der Brief wurde von 19 Missbrauchsopfern unterzeichnet, von denen einige Pseudonyme oder nur Initialen verwendeten. In dem Brief wird die "vollständige Freigabe der Epstein-Akten" gefordert.
Die Dokumente enthalten auch Listen der US-Bundespolizei FBI mit größtenteils anonym erhobenen Anschuldigungen gegen Trump. Das Justizministerium erklärte, die Akten enthielten "unwahre und sensationshaschende Behauptungen" über den US-Präsidenten. Das Weiße Haus habe keinen Einfluss auf die Sichtung der Dokumente gehabt, beteuerte Blanche, der früher Trumps Anwalt war. "Wir haben Präsident Trump nicht geschützt", betonte er.
Trump hatte sich monatelang gegen die Freigabe der Dokumente gesperrt. Er bestreitet engere Beziehungen zu Epstein. Bisher veröffentlichte Fotos und Dokumente legen das Gegenteil nahe. Ein persönliches Fehlverhalten konnte dem Präsidenten bisher nicht nachgewiesen werden.
In den nun veröffentlichten Dokumenten tauchen Namen auf, die bereits in den zuvor veröffentlichten Epstein-Akten erwähnt worden waren. In einem E-Mail-Entwurf schrieb Epstein demnach über Microsoft-Gründer Gates, er habe diesem geholfen, "Medikamente zu besorgen", damit Gates "Folgen von Sex mit russischen Mädchen" bewältigen könne. Gates' Stiftung erklärte, es handele sich um "absolut absurde und vollkommen falsche Behauptungen".
Die Dokumente enthalten auch Mailwechsel zwischen Musk und Epstein. In einer Nachricht fragt Musk Epstein: "An welchem Tag oder Nacht findet die wildeste Party auf deiner Insel statt?"
Der heutige US-Handelsminister Lutnick plante offenbar ein Mittagessen auf Epsteins privater Karibikinsel. "Wir kommen aus Saint Thomas zu Ihnen", schrieb Lutnicks Ehefrau an die Sekretärin Epsteins und fragte, wo sie den Anker werfen sollten.
S.Spengler--VB